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Kommentar: Darf man sich die Kunden heute aussuchen?

Ablehnung von Aufträgen verbessert nicht den Ruf der Handwerker

In den vergangenen Tagen schlug eine Nachricht hohe Wellen, die auch unsere Branche aufhorchen lässt: Michael Schmiedl, Fachmann für Fliesenverlegung, Balkon- und Terrassensanierung im niederbayerischen Landkreis Kelheim, will nicht mehr für bestimmte Berufsgruppen der beiden Konzerne Audi und Siemens arbeiten. Der Grund: Besserwisserei und mangeldne Zahlungsmoral der elitären Kundengurppe.

Nach einem Bericht des Nachrichten-Magazins Spiegel Online (siehe Bericht hier) sei “der Ausschluss  aus betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten und auf Grundlage von Erfahrungen, was Zahlungsmoral und Problemkunden betrifft”, bereits 2016 erfolgt. Die Kunden seien zudem arrogant und würden nicht umsetzbare Forderungen stellen, wie Fliesenbeläge ohne Fugen zu verlegen.

Für seine ebenso ungewöhnlichen wie mutigen Schritt hat Michael Schmidl viel Beifall bekommen, wahrscheinlich auch von anderen Fliesenleger-Kollegen. Wer kennt sie nicht, die Problemkunden, die es in jeder Branche gibt und die eigentlich immer was zu meckern haben, im schlimmsten Fall sogar rechtliche Schritte einleiten oder Geld zurückfordern. Solche Nörgler sind eine dumme Sache, kosten Zeit, Geld und vor allem Nerven.

Fast alle Handwerker können sich einen solche – manche würden nun wohl ebenfalls behaupten – “arrogante” Haltung leisten. “Die Auftragslage, vor allem für Betriebe des Bau- und Ausbauhandwerks, ist in Bayern derzeit sehr gut, die Auftragsbücher sind voll”, sagt Alexander Tauscher, Sprecher des Bayerischen Handwerkstags (BHT), im Spiegel-Artikel. Der Fachkräfte-Mangel hat inzwischen zu einer solche dramatischen Situation geführt, dass sich Handwerker ihre Kunden vielerorts aussuchen können, Kunden aber im Gegenzug manchmal Monate auf den Fliesenleger warten müssen. Wenn er denn überhaupt kommt: Kleine Privataufträge, bei denen nur ein paar Quadratmeter verlegt werden, sind den Handwerkern in der Regel heutzutage nicht mehr attraktiv genug. Die Folge: Sie lehnen gleich ab oder fordern so hohe Löhne, dass die Kunden abwinken. Als nächstes wird spätestens dann der “mobile Generalist” angerufen, der vielleicht schon morgen kommt und die Arbeit für die Hälfte macht.

So sehr man Herrn Schmiedl auch verstehen kann: Den aus den oben erwähnten Gründen angekratzten Ruf einiger Handwerker hat er damit nicht gerade verbessert. Schließlich kann man sich in anderen Berufsgruppen auch nicht aussuchen, für wen oder wo man arbeiten muss. Es bleibt zudem die Frage, ob man sich eine solche Haltung auch bei einer anderen Auftragslage leisten würde – oder könnte.

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