Mehr als 400 Mitarbeiter, rund 700 Großprojekte im Jahr, Niederlassungen in ganz Deutschland und ein Jahresumsatz von 75 Millionen Euro – Fliesen Röhlich gehört heute zu den größten Verlegeunternehmen Europas. Hinter diesem Wachstum steckt jedoch weit mehr als die nackten Erfolgszahlen. Wer den Stammsitz in Wendelstein besucht, erkennt schnell, dass Professionalität und Teamgeist hier den gesamten Betrieb prägt – von der Ausbildung, über die Digitalisierung bis zur Mitarbeiterführung. 1200Grad war vor Ort und lernte eine Erfolgsgeschichte im Handwerk kennen.

Martin Röhlich und seine Frau Carmen. Fotos: Redaktion
Alles begann jedoch mit einem traurigen Ereignis. Martin Röhlich musste im Jahr 2000 nach dem plötzlichen Tod seines Vaters die Geschäftsführung übernehmen. Zu dieser Zeit beschäftigte das Unternehmen rund 20 Mitarbeiter, seine Mutter unterstützte im Büro. „Das waren schon damals sehr gute Leute, auf die man sich verlassen konnte“, erinnert sich der Firmenchef.
Heute arbeiten mehr als 400 Mitarbeiter für Röhlich, hinzu kommen rund 400 Verleger langjähriger Partnerunternehmen. Rund 700 Projekte im Objektbereich werden jedes Jahr realisiert. Dass sich das Unternehmen in den vergangenen 25 Jahren so entwickelt hat, führt Martin Röhlich auf konsequente Verbesserungen in nahezu allen Unternehmensbereichen zurück – von der Organisation bis zur Digitalisierung.

Werkzeug aus dem Automaten: Wer sein Werkzeug vergessen oder „verlegt“ hat kann sich rund um die Uhr an einem Werkzeugschrank mit personalisiertem Zugang Ersatz besorgen.
Regionalität statt langer Montageeinsätze
Mit dem beeindruckenden Wachstum wurde auch der Stammsitz in Wendelstein mehrfach erweitert. Noch wichtiger war jedoch der Aufbau einer dezentralen Unternehmensstruktur. Heute verfügt Röhlich über Niederlassungen in München, Ulm, Freiburg, Frankfurt und seit 2026 auch in Hamburg und in den neuen Bundesländern. Jeder Standort besitzt eine eigene Leitung und betreut die Projekte in seiner Region.
„Ich halte es heute nicht mehr für zeitgemäß, Mitarbeiter wochenlang quer durch Deutschland auf Montage zu schicken. Die Menschen möchten möglichst abends wieder bei ihrer Familie sein. Wenn wir regional arbeiten, profitieren unsere Kunden genauso wie unsere Mitarbeiter.“ Die regionale Organisation verkürzt Anfahrtswege, erleichtert die Projektsteuerung und reduziert gleichzeitig den Reiseaufwand. Auch bei Ausschreibungen verschafft die regionale Präsenz dem Unternehmen Vorteile.

Die Handwerker-Urkunden der Mitarbeiter werden stolz im Verwaltungsflur präsentiert.
Professionalität beginnt im Büro
Auf die Frage nach dem Erfolgsrezept seines Unternehmens antwortet Martin Röhlich ohne zu zögern: „Professionalität entscheidet über den Erfolg. Und Professionalität beginnt nicht erst auf der Baustelle. Sie muss sich durch das gesamte Unternehmen ziehen.“
Dieser Anspruch zeigt sich auch in der Verwaltung. Statt klassische Bürostrukturen aufzubauen, beschäftigt Röhlich gezielt Spezialisten für kaufmännische Prozesse, IT und Projektmanagement. Entscheidungen werden auf Grundlage aktueller Unternehmensdaten getroffen. Die digitale Verknüpfung von ERP-System und Rechnungswesen sorgt dafür, dass Auftragsstände, Kalkulationen und Rechnungsstellung jederzeit transparent nachvollziehbar sind. Im eigenen Werteleitbild bringt das Unternehmen diesen Anspruch auf den Punkt: „Digital denken, praktisch umsetzen.“
Hinzu kommt eine Eigenkapitalquote von rund 78 Prozent. Sie verschafft dem Familienunternehmen die Freiheit, langfristig zu investieren und unabhängig zu handeln.

Alle Verlegemitarbeiter erhalten ein eigenes Fahrzeug. Foto: Oliver Heinl
Teamgeist als Teil der Unternehmenskultur
Mindestens ebenso auffällig wie die Unternehmensgröße ist die Verbundenheit der Mitarbeiter. Viele Beschäftigte arbeiten bereits seit Jahrzehnten bei Röhlich. Einige begannen als Auszubildende und tragen heute Verantwortung als Bau-, Projekt- oder Regionalleiter. „Wir können nur erfolgreich sein, wenn jeder bereit ist, sein Wissen weiterzugeben und Verantwortung zu übernehmen. Niemand verliert oder gewinnt hier alleine. Unsere Projekte funktionieren nur als Mannschaftsleistung.“
Trotz der Größe des Unternehmens wirkt die Atmosphäre familiär. Kurze Entscheidungswege, gegenseitige Unterstützung und ein respektvoller Umgang prägen den Arbeitsalltag – Gründe, warum viele Mitarbeiter Röhlich über Jahrzehnte treu bleiben und das Unternehmen eine hohe Arbeitgeberattraktivität ausstrahlt.

Bei der Bauchemie hat Röhlich auch eine Eigenmarke. Foto: Oliver Heinl
Ausbildung hat einen hohen Stellenwert
Um dem Fachkräftemangel zu begegnen, hat Röhlich früh in den eigenen Nachwuchs investiert. Herzstück ist die Röhlich Academy am Stammsitz in Wendelstein. Dort werden die Auszubildenden von einem eigenen Meister kontinuierlich geschult und mit neuen Materialien sowie modernen Verlegetechniken vertraut gemacht.
Ein besonderer Bestandteil der Ausbildung sind die sogenannten Azubi-Baustellen. Hier übernehmen die Nachwuchskräfte unter fachlicher Begleitung eigenständig Verantwortung für komplette Projekte. „Man kann jungen Leuten vieles erklären. Am meisten lernen sie, wenn sie selbst Verantwortung übernehmen dürfen.“
Die intensive Ausbildung spricht sich herum. Röhlich erhält nach eigenen Angaben regelmäßig zahlreiche Bewerbungen und kann seinen Nachwuchs weitgehend selbst ausbilden. Weiterbildung endet dabei nicht mit der Gesellenprüfung.

Ein eigener Meister kümmert sich um die Azubis. Foto: Röhlich
Mitarbeiterbindung durch Wertschätzung
Dass viele Beschäftigte Röhlich über Jahrzehnte die Treue halten, ist ebenfalls kein Zufall. Das Unternehmen investiert bewusst in gute Arbeitsbedingungen und moderne Ausstattung. Jeder Verleger erhält hochwertiges Hilti-Werkzeug sowie einen eigenen Transporter als Baustellenfahrzeug.
Ergänzt wird dies durch zahlreiche kleinere Maßnahmen wie einen Mitarbeitershop für Arbeitskleidung, ein Prämiensystem und Angebote zum Energiesparen. Für Martin Röhlich stehen dabei nicht einzelne Leistungen im Vordergrund. „Geld allein bindet heute keinen Mitarbeiter mehr. Die Menschen wollen gute Arbeitsbedingungen, eine hohe Flexibilität, moderne Ausstattung und das Gefühl haben, dass ihre Arbeit geschätzt wird.“

Im hauseigenen Zubehörshop können die Mitarbeiter mit Wertbons einkaufen.
Digitalisierung schafft Transparenz
Bei jährlich rund 700 Projekten sind digitale Prozesse zudem unverzichtbar. Deshalb verfügt Röhlich über eine eigene IT-Abteilung, die sich ausschließlich mit der Weiterentwicklung der Digitalisierung beschäftigt.
Alle Projektdaten laufen in einer zentralen digitalen Bauakte zusammen. Schriftverkehr, Fotodokumentationen und Bautagebücher stehen Projektleitern, Bauleitern und Verwaltung jederzeit zur Verfügung. Die Verknüpfung von ERP-System und Rechnungswesen ermöglicht zudem eine weitgehend automatisierte Rechnungsstellung sowie einen aktuellen Überblick über Auftragsbestand und Wirtschaftlichkeit. „Digitalisierung funktioniert nur dann, wenn sie den Menschen hilft. Unsere Mitarbeiter sollen weniger Zeit mit Suchen oder doppelter Arbeit verbringen und mehr Zeit für das eigentliche Projekt haben.“
Video-Interview mit Martin Röhlich:
Nachhaltigkeit ist Teil der Unternehmensstrategie
Seit 2023 ist Röhlich auch klimaneutral zertifiziert. Das Unternehmen setzt dabei auf konkrete Maßnahmen statt auf Einzelaktionen. Der Fuhrpark wurde fortlaufend auf Elektroantrieb umgestellt, die Firmengebäude in Holzbauweise errichtet und mit Geothermie sowie Photovoltaik ausgestattet. Auch die Mitarbeiter werden aktiv eingebunden. Schulungen zum sparsamen Umgang mit Energie und Anreize für wirtschaftliches Fahren gehören zum Alltag.
„Verantwortung beginnt bei unseren Mitarbeitern, setzt sich bei unseren Kunden fort und gilt genauso für unsere Partner und Nachunternehmer. Nur wenn alle fair miteinander umgehen, funktioniert ein Unternehmen langfristig.“

Eines der größten Röhlich Projekte: der Flughafen Frankfurt Main / Terminal 3 vor Eröffnung. Foto: Podehl Architekturfoto
Spezialist für anspruchsvolle Projekte
Röhlich realisiert jährlich rund 700 größere Bauvorhaben. Dazu gehören Einkaufszentren, Hotels, öffentliche Gebäude, Industrieobjekte und Autohäuser. Einen besonderen Namen hat sich das Unternehmen im Schwimmbadbau gemacht. Spezialisierte Kolonnen übernehmen dort auch anspruchsvolle Arbeiten wie Abdichtungen oder Epoxidharzfugen.
Die Referenzseite auf der hauseigenen Homepage scheint jedenfalls endlos. Zu den größten Referenzen zählt das neue Terminal am Frankfurter Flughafen. Dort verlegte Röhlich Fliesen, Naturstein und Betonwerkstein mit einem Auftragsvolumen von rund 25 Millionen Euro. Neben dem Objektgeschäft bietet das Unternehmen über eine eigene Abteilung auch Badsanierungen für Privatkunden an. Dieser Bereich macht zwar nur einen kleinen Teil des Gesamtgeschäfts aus, ergänzt das Leistungsportfolio aber sinnvoll.

Zu den Vorzeigeprojekten im Objektbau gehört auch die Zugspitzbahn. Foto: Oliver Heinl
Partnerschaften auf Augenhöhe
Bei Verlegewerkstoffen arbeitet Röhlich seit vielen Jahren eng mit Sopro Bauchemie und Codex zusammen. Im Fliesenbereich zählen unter anderem Buchtal, V&B und RAK zu den langjährigen Partnern. „Unsere Kunden erwarten Qualität und Termintreue. Das können wir nur gewährleisten, wenn wir mit Lieferanten zusammenarbeiten, auf die wir uns hundertprozentig verlassen können.“
Wer den Betrieb in Wendelstein besucht, merkt schnell, dass es kein einzelnes Erfolgsrezept gibt. Die regionale Organisation, die konsequente Nachwuchsförderung, moderne digitale Prozesse, hohe Investitionen in die Mitarbeiter und eine solide Finanzierung greifen wie Zahnräder ineinander. In den vergangenen 25 Jahren hat sich Röhlich so von einem regionalen Familienbetrieb zu einem der führenden Verlegeunternehmen Europas entwickelt. Beeindruckend sind dabei nicht nur Größe und wirtschaftlicher Erfolg. Bemerkenswert ist vor allem, dass sich das Unternehmen trotz seines Wachstums den Charakter eines Familienbetriebs bewahrt hat.





