Die Auswirkungen der EU-Klimapolitik auf die Wettbewerbsfähigkeit der Keramikindustrie sorgen weiterhin für Kritik aus der Branche. In einem Gastbeitrag für die italienische Wirtschaftszeitung „Il Sole 24 Ore“ argumentieren Graziano Verdi, Geschäftsführer der Italcer Group und Präsident des Europäischen Verbands der Keramikfliesenhersteller (CET), sowie Wirtschaftswissenschaftler Alberto Forchielli, dass das EU-Emissionshandelssystem (ETS) europäische Hersteller benachteilige, während Importe aus Ländern mit geringeren Umweltauflagen weiter zunähmen.
Nach Ansicht der Autoren führe dies nicht zu einer globalen Reduzierung der CO₂-Emissionen, sondern verlagere die Produktion ins Ausland und schwäche die europäische Industrie. Besonders kritisieren sie die aus ihrer Sicht intransparente Berechnung der ETS-Benchmarks für kostenlose Emissionszertifikate. Die Europäische Kommission habe selbst eingeräumt, dass die Keramikbranche durch den derzeitigen Benchmark überproportional belastet werde und ein sektorspezifischer Referenzwert erforderlich sei.
Sollte die Kommission dennoch keinen eigenen Benchmark für die Keramikindustrie einführen, kündigt der Europäische Verband der Keramikfliesenhersteller an, den Rechtsweg zu beschreiten. Nach Auffassung der Autoren steht damit nicht nur die Zukunft der europäischen Fliesenindustrie, sondern auch die Glaubwürdigkeit der europäischen Klimapolitik auf dem Prüfstand.





