Der Branchentreff Cersaie in Bologna zieht die Fachwelt vom 21. bis zum 25. September zum 43. Mal nach Italien. Rund 597 internationale Aussteller aus 24 Ländern versuchen ebenso, wie die Besucher zu verstehen, wohin die Reise der Branche geht.
Dabei geht es längst nicht mehr nur um das Produkt an sich. Der Markt erlebt derzeit strukturelle Verschiebungen und Veränderungen, die sich in einem geopolitischen Spannungsfeld abspielen.
Energie und Wettbewerb
Die energieintensive Keramikindustrie fordert Maßnahmen auf nationaler und europäischer Ebene. Der Verband Confindustria Ceramica schlägt kurz vor der Cersaie erneut Alarm, denn die Energiekosten und die Belastungen, die sich aus der ausbleibenden Reform des ETS-Systems ergeben, erschweren die Wettbewerbsfähigkeit auf den internationalen Märkten. In einer Stellungnahme kurz vor der Cersaie äusserte sich der Vorsitzende von Confindustria Ceramica, Augusto Ciarrocchi, zu den sich verdoppelten Gaspreisen.
Risiken für die Fliesenindustrie
Er sieht Risiken für den Fortbestand der italienischen und europäischen Keramikindustrie.
„Die außer Kontrolle geratenen Energiekosten bedrohen die Wettbewerbsfähigkeit der italienischen Keramikunternehmen auf den internationalen Märkten. Da der Gaspreis dauerhaft über 70 Euro/MWh liegt, droht die Keramikproduktion in Italien unrentabel zu werden“, erklärt der Präsident von Confindustria Ceramica, Augusto Ciarrocchi. „Heute sind die Energiekosten etwa doppelt so hoch wie vor der Sperrung der Straße von Hormus, während ausländische Unternehmen aufgrund umfangreicher nationaler Gasfördermengen oder günstigerer inländischer Marktbedingungen von niedrigeren Preisen profitieren.“
„Weiterhin besteht das Problem auch darin, dass der Gaspreis die CO₂-Kosten in die Höhe treibt: Ein Instrument, das eigentlich den Energiewandel begleiten sollte, wird zu einem Faktor, der die Energiekosten in die Höhe treibt und die Wettbewerbsfähigkeit weiter beeinträchtigt.“
Positive Zahlen
In einem Gespräch vor der Messe mit dem Industrieverband Confindustria Ceramica erhielt 1200Grad Italienkorrespondentin Alexandra Becker Einblick in statistische Daten zur Entwicklung der italienischen Fliesenexporte nach Deutschland. Dabei entstand ein gemischtes Bild aus mengenmäβigem Wachstum und Preisdruck. Denn sowohl im Gesamtjahr 2025 (+3,6 %, 45,5 Millionen Quadratmeter) als auch im ersten Quartal 2026 (+ 2,9 %, 11,6 Millionen Quadratmeter) stiegen die Exportmengen nach Deutschland trotz anhaltender Herausforderungen in der Baukonjunktur.
Preisdruck steigt
Allerdings ergibt sich dabei ein rückläufiger Durchschnittserlös pro Quadratmeter. Denn 2025 hinkte der Erlöszuwachs mit +2,6 % der verkauften Menge hinterher. Und auch im ersten Quartal 2026 wuchs der Wert mit 1,7 % weniger als die Menge. Insgesamt zeigt sich zwar ein positiver Trend, der allerdings mit steigendem Preisdruck konfrontiert wird.
Italienische Keramikindustrie
Nach Angaben des Unternehmerverbands Confindustria Ceramica besteht die italienische Keramikindustrie aus rund 248 Unternehmen mit 26.211 Mitarbeitern und erwirtschaftet einen Umsatz von über 7,5 Milliarden Euro. Dabei sind die Bereiche Keramikfliesen, Ziegel, feuerfeste Materialien, Sanitärkeramik, Geschirr und technische Keramik berücksichtigt. Die Internationalisierung der Produktion in Europa und Nordamerika durch Tochtergesellschaften italienischer Keramikunternehmen erreicht einen Umsatz von fast einer Milliarde Euro (Daten von 2024).
Internationales Netzwerk mit Incoming-Programm
Mit über 340 ausgewählten Delegierten aus 45 Ländern (Vergleich 2025: 212 Teilnehmer) wächst das Cersaie Business Programm deutlich und möchte damit Möglichkeiten zum weltweiten B2B-Networking mit Architekten, Planern, Verlegern und Generalunternehmern bieten.
Fokus D-A-CH
Dabei besteht dieses Jahr ein Fokus auf den deutschsprachigen Markt: Die Messe unterstreicht die Bedeutung des deutschen und österreichischen Marktes für die italienische Keramikindustrie – unter anderem gestützt durch spezielle B2B-Promotions-Events, die im Juni 2026 in Deutschland und Österreich stattfanden. Der deutsche Baustoff-Fachhandel ist über den BDB (Bundesverband Deutscher Baustoff-Fachhandel e.V.) sowie den europäischen Dachverband EUF (European Union of National Tile Associations) dabei.






