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links: Ralph Johann, rechts: Emanuel Schreiber
links: Ralph Johann, rechts: Emanuel Schreiber. Foto: Gutjahr

Gutjahr: Ralph Johann übergibt Ende 2026 an Emanuel Schreiber

Als Ralph Johann 1997 in die Geschäftsführung von Gutjahr eintrat, steckte das Internet noch in den Kinderschuhen. Heute beschäftigen Themen wie Digitalisierung und Künstliche Intelligenz die Baubranche – und auch bei Gutjahr stehen große Veränderungen an. Ende 2026 verabschiedet sich Johann nach 30 Jahren in den Ruhestand.

Mit ihm verlässt der letzte Vertreter der Gründergeneration die Unternehmensleitung. Sein Nachfolger Emanuel Schreiber ist bereits seit Anfang 2025 an Bord. Seitdem arbeiten die beiden eng zusammen und gestalten den schrittweisen Übergang.

Der Wechsel an der Spitze ist damit vorbereitet – und zugleich mehr als eine Personalie. Im Doppelinterview sprechen Ralph Johann und Emanuel Schreiber darüber, was Gutjahr in den vergangenen Jahrzehnten geprägt hat, was sich verändern wird und warum der Kern des Unternehmens trotzdem gleich bleibt.

Ralph Johann, Sie verlassen Gutjahr nach 30 Jahren in der Geschäftsführung. Fällt Ihnen der Abschied schwer?

Ralph Johann: Natürlich geht man nach so vielen Jahren nicht einfach zur Tür hinaus und sagt: „Tschüss“. Gutjahr hat mein Berufsleben geprägt, und auch in der Branche habe ich viele interessante Menschen kennengelernt. Gleichzeitig ist jetzt genau der richtige Zeitpunkt. Wir haben den Übergang lange vorbereitet, und ich übergebe das Unternehmen in die besten Hände. Das gibt mir ein gutes Gefühl.

Mit Ihnen verabschiedet sich der letzte Vertreter der Gründergeneration. Was bedeutet das für Sie?

Ralph Johann: Erfolg ist für mich immer Teamarbeit gewesen. Allen voran haben Walter Gutjahr, Wolfgang Brüll und viele andere engagierte Kollegen das Unternehmen zu dem gemacht, was es heute ist. Uns hat immer die Suche nach innovativen Lösungen angetrieben. Wir wollten echte Probleme auf der Baustelle lösen.

So sind unter anderem die kapillarpassive Flächendrainage und der erste auf der Baustelle kürzbare Drainrost entstanden. Darauf und auf vieles andere bin ich stolz. Aber jetzt ist die nächste Generation an der Reihe.

Emanuel Schreiber, Sie gehören seit Anfang 2025 der Geschäftsführung an. War der Einstieg leichter, weil Sie Gutjahr bereits so lange kennen?

Emanuel Schreiber: Auf jeden Fall. Eigentlich schließt sich für mich ein Kreis. Ich kenne Gutjahr seit rund 25 Jahren. Schon während meiner Zeit bei Ardex Österreich habe ich die Gutjahr-Systeme intensiv begleitet und enge Kontakte zum Team aufgebaut.

Dieser Kontakt ist auch nach meinem Wechsel in die Konzernzentrale nie abgebrochen. Über die Jahre haben wir immer wieder gemeinsame Projekte umgesetzt und wichtige Themen vorangetrieben. Deshalb waren mir bei meinem Start sowohl die Menschen als auch die Produkte bestens vertraut. Besser geht es eigentlich gar nicht!

Gibt es etwas, das Sie in den vergangenen anderthalb Jahren besonders beeindruckt hat?

Emanuel Schreiber: Ganz klar das Team. Besonders beeindruckt hat mich, wie sehr der Geist des Firmengründers das Unternehmen bis heute prägt. Seine Leidenschaft für Innovationen und seine Fähigkeit, aus Ideen erfolgreiche Lösungen zu entwickeln, sind bei Gutjahr immer noch spürbar.

Dieser Geist lebt durch die Menschen im Unternehmen weiter. Das hohe Fachwissen, die Verbundenheit vieler langjähriger Kollegen und die Offenheit für neue Ideen machen Gutjahr zu etwas Besonderem.

Gibt es also eine Art „Gutjahr-DNA“?

Ralph Johann: Genau, und das sind für mich drei Begriffe: einfach, sicher und innovativ. Wir haben nie Produkte entwickelt, nur damit wir etwas Neues haben. Sie mussten immer einen echten Mehrwert bieten und die Arbeit auf der Baustelle erleichtern.

Ich erinnere mich noch, als wir uns vor zehn Jahren mit dem Thema Stelzlager beschäftigt haben. Damals gab es bereits eine Menge Produkte am Markt. Aber keines hatte eine einfache und praxistaugliche Nivellierfunktion. Wir haben so lange getüftelt, bis wir eine Lösung gefunden hatten, die uns überzeugte.

Emanuel Schreiber: Das sehe ich genauso. Diese DNA wollen wir nicht verändern. Im Gegenteil: Sie bleibt weiterhin die Grundlage für alles.

Diese DNA wollen wir nicht verändern. Im Gegenteil: Sie bleibt weiterhin die Grundlage für alles.

Wird sich unter Ihrer Führung trotzdem etwas verändern?

Emanuel Schreiber: Natürlich werde ich eigene Akzente setzen. Nach mehr als 35 Jahren Erfahrung in der Bauindustrie bringe ich einen starken technischen Hintergrund mit. Mein Anspruch ist aber nicht, Gutjahr neu zu erfinden.

Mich begeistert die Vision des Unternehmens. Ich freue mich darauf, meine Erfahrung einzubringen, um Bewährtes weiterzuentwickeln und unsere Systeme fit für die Zukunft zu machen. Dabei denke ich insbesondere an Nachhaltigkeit, effiziente Abläufe und eine einfache Verarbeitung. Spannende Neuheiten für die kommenden Jahre haben wir bereits in der Pipeline. (lacht) Aber eines wird sicher anders sein: Ralph wird mir als Sparringspartner fehlen.

Mein Anspruch ist nicht, Gutjahr neu zu erfinden.

Gutjahr investiert trotz der schwierigen Situation in der Baubranche weiter – sowohl in neue Produkte als auch in den Standort. Ist das Teil Ihrer Strategie?

Emanuel Schreiber: In einem herausfordernden Marktumfeld kommt es mehr denn je darauf an, in die Zukunft zu investieren. Das tun wir: Wir investieren in Innovationen, in unsere Beschäftigten und in unseren Standort.

Das neue Lager ist dafür ein gutes Beispiel. Es verbessert die Abläufe, und unsere Kunden können schneller beliefert werden. Das ist eine Win-win-Situation. Gleichzeitig schaffen wir Platz für die eine oder andere Neuheit, an der wir gerade arbeiten.

Ralph Johann: Tatsächlich war das bei Gutjahr schon immer so. Wir haben nie nur bis zum nächsten Geschäftsjahr gedacht, sondern langfristig. Wenn wir überzeugt waren, dass eine Investition sinnvoll ist, haben wir sie auch getätigt.

Als wir 1999 das Grundstück kauften, wollten wir ursprünglich nur ein Verwaltungsgebäude bauen. Das Lager sollte später folgen. Die Zwischenzeit wollten wir mit einem Logistikdienstleister überbrücken. Doch die Leistungen entsprachen nicht unseren Vorstellungen. Deshalb haben wir uns kurzfristig umentschieden und Verwaltung sowie Lager gleichzeitig gebaut, um unseren Kunden den bestmöglichen Service bieten zu können.

Welche Rolle spielt die Zugehörigkeit zur Ardex-Gruppe?

Ralph Johann: Die Integration im Jahr 2014 war für beide Seiten ein großer Gewinn. Ardex ist in mehr als 50 Ländern aktiv. Gutjahr konnte innerhalb der Gruppe expandieren, zum Beispiel nach Nordamerika. Auf der anderen Seite ergänzt Gutjahr das Portfolio der Gruppe und bringt Technologie sowie Know-how ein.

Die Entwicklung aufeinander abgestimmter Systeme ist zwischen Schwesterunternehmen zudem deutlich einfacher als mit externen Partnern.

Emanuel Schreiber: Gutjahr bleibt Gutjahr. Das haben wir bereits betont. Aber ich kenne beide Unternehmen sehr gut. Deshalb bin ich überzeugt, dass wir die Zusammenarbeit noch intensivieren können. Wir bauen weiterhin auf die bewährten Stärken von Gutjahr und nutzen gleichzeitig die Chancen einer starken internationalen Gruppe.

Was wünschen Sie Gutjahr für die Zukunft?

Ralph Johann: Ich wünsche mir, dass das Unternehmen neugierig bleibt. Innovation war immer unser wichtigster Erfolgsfaktor. Und ich wünsche mir, dass wir, obwohl wir Teil einer großen Gruppe sind, weiterhin ein „Schnellboot“ bleiben, das auf Veränderungen schnell reagieren kann.

Emanuel Schreiber: Ich wünsche mir, dass wir uns diese besondere Kultur bewahren. Wir sind ein mittelständisches Unternehmen mit kurzen Wegen und einer starken Mannschaft.

Ralph Johann, welchen Rat geben Sie Ihrem Nachfolger mit auf den Weg?

Ralph Johann: Ich glaube nicht, dass Emanuel Ratschläge von mir benötigt. Aber vielleicht einen Tipp: Nicht jeden Trend mitmachen – aber immer genau hinschauen, wenn es auf der Baustelle ein Problem gibt. Denn genau daraus entstehen meistens die besten Ideen.

Nicht jeden Trend mitmachen – aber immer genau hinschauen, wenn es auf der Baustelle ein Problem gibt.

Emanuel Schreiber, was haben Sie in den vergangenen Monaten aus der Zusammenarbeit mit Ralph Johann mitgenommen?

Emanuel Schreiber: Vor allem, wie wichtig es ist, gründlich zu recherchieren, an die eigene Idee zu glauben und unbeirrt seinen Weg zu gehen. Ralph Johann hatte den Mut, auch abseits bekannter Lösungen zu denken und andere Ansätze zu verfolgen. Gleichzeitig war er immer nah an den Anwendern.

Die besten Ideen entstehen häufig im direkten Austausch auf der Baustelle. Und genau da gehört Gutjahr hin.

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