Der russische Raketenangriff Anfang August hat die Keramikproduktion der ukrainischen Epicentr Group schwer getroffen. Dies berichtet u.a. auch das LinkedIn Portal Tile War. Nach Angaben des Unternehmens wurden das Fliesenwerk sowie Logistikbereiche massiv beschädigt. Die Fertigung musste vorerst eingestellt werden. Epicentr rechnet damit, dass der Wiederaufbau mindestens 18 bis 24 Monate in Anspruch nehmen wird. Um bestehende Kunden weiter beliefern zu können, sollen Teile der Produktion an andere Standorte verlagert werden.
Vom Fliesenhändler zum Industriekonzern
Epicentr gehört zu den größten Handels- und Industriekonzernen der Ukraine. Gegründet wurde das Unternehmen 2003 von Oleksandr und Halyna Hereha. Den Anfang machte ein kleiner Handel mit Keramikfliesen in Kiew. Heute betreibt die Unternehmensgruppe mehr als 70 Bau- und Einrichtungsmärkte im Land, einen der größten ukrainischen Online-Marktplätze sowie umfangreiche Logistikzentren. Hinzu kommen ein Agrarunternehmen mit rund 167.000 Hektar landwirtschaftlicher Fläche und weitere Geschäftsbereiche, darunter der Betrieb der Intersport-Landesgesellschaften in der Ukraine und in Polen.
Modernes Keramikwerk bei Kiew
Die Fliesenproduktion ist in der Epicentr Ceramic Corporation gebündelt. Das Werk in Kalyniwka bei Kiew zählt zu den modernsten Keramikfabriken Europas und arbeitet mit Produktionstechnik italienischer Hersteller wie SACMI, System und BMR. Gefertigt werden Feinsteinzeug, Wand- und Bodenfliesen, Großformate, Fassadenplatten sowie technische Keramik. Die Jahreskapazität liegt bei rund zwölf Millionen Quadratmetern. Nach Unternehmensangaben stammt damit etwa ein Viertel der in der Ukraine produzierten Keramikfliesen aus diesem Werk.
Export in zahlreiche europäische Länder
Epicentr produziert unter den Eigenmarken Allore und TEO Ceramics. Gleichzeitig fertigt das Unternehmen auch für internationale Handelsmarken und Industriepartner. Zu den genannten Kunden zählen unter anderem Castorama, Enmon, Villeroy & Boch, Stargres und Zeus Ceramica. Rund 20 Prozent der Produktion gehen in den Export. Deutschland gehört ebenso zu den wichtigsten Absatzmärkten wie Polen, Frankreich, Belgien, die Niederlande, die Schweiz, Großbritannien, Irland, Rumänien und die Vereinigten Arabischen Emirate.
Für den europäischen Fliesenmarkt hat sich Epicentr in den vergangenen Jahren zu einem ernst zu nehmenden Anbieter entwickelt. Während die eigenen Marken in Deutschland bislang nur vereinzelt präsent sind, tritt das Unternehmen zunehmend als OEM-Produzent und Lieferant für Handelsmarken in Erscheinung. Der Ausfall des Werks dürfte deshalb nicht nur den ukrainischen Markt treffen, sondern auch Auswirkungen auf einzelne Lieferketten in Europa haben.





