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Günter Broeks verabschiedet sich in den Ruhestand. Foto: Schlüter-Systems
Günter Broeks verabschiedet sich in den Ruhestand. Foto: Schlüter-Systems

33 Jahre für Schlüter-Systems: Günter Broeks blickt zurück

33 Jahre Leidenschaft rund um die Fliese: Seit seinem Eintritt in das Iserlohner Unternehmen hat Günter Broeks als langjähriger Gesamtvertriebsleiter und Prokurist die Vertriebsstrukturen des Weltmarktführers für Fliesenverlegezubehör kontinuierlich weiterentwickelt. Mit feinem Gespür für die Branche, einem ausgeprägten Marketingverständnis und großem persönlichen Engagement hat er die Entwicklung des Unternehmens wesentlich geprägt und maßgeblich zum internationalen Erfolg von Schlüter-Systems beigetragen.

Im Gespräch mit 1200Grad blickt er auf prägende Momente seiner Karriere zurück, spricht über den Wandel der Fliesenbranche und verrät, warum für ihn jetzt der richtige Zeitpunkt für ein neues Kapitel gekommen ist.

1200 Grad: Können Sie sich ein Leben ohne Schlüter-Systems überhaupt vorstellen?

Günter Broeks: Ja, natürlich! Nach 33 Jahren „24/7“ ist das nicht einfach und es bleibt selbstverständlich immer ein unvergesslicher, schöner Teil meines Lebens. Es war meine Entscheidung aufzuhören – nicht, weil ich müde bin, sondern weil es sich für mich einfach richtig anfühlt, jetzt aufzuhören und für Menschen mit neuen Ideen und Impulsen Platz zu machen. Und auch um ein neues Kapitel des Lebens aufzuschlagen.

Es war meine Entscheidung aufzuhören.

Was sind Ihre Pläne für den Ruhestand?

Zunächst freue ich mich darauf, mehr Zeit mit meinen Lieben zu verbringen. Und auch darauf, mit Freunden Fußball oder Tennis zu spielen und die eine oder andere Motorradtour zu machen. Einfach etwas Abstand zu gewinnen und mehr die Betrachter-Rolle einzunehmen. Dazu gibt es noch einige interessante Ideen im Schreibtisch.

Können Sie sich noch an Ihren ersten Arbeitstag bei Schlüter-Systems erinnern?

Ja, das war sehr schön. Ich hatte mir in meinen Einarbeitungsplan zunächst 14 Tage Lager und Kommissionierung eingetragen, habe also quasi als Lagerist angefangen. Schon interessant, was man so während des Tages und am Abend unter der Gemeinschaftsdusche über Produkte und Unternehmen mitbekommt. Da sind Freundschaften entstanden, die sehr lange gehalten haben.

Ich habe also quasi als Lagerist angefangen…

Welche Persönlichkeit aus der Branche hat Sie in den vergangenen Jahren am meisten beeindruckt?

Da muss ich nicht lange nachdenken. Das ist Werner Schlüter, und zwar mit großem Abstand. Er hat mit seinen Erfindungen nicht nur die Fliesenverlegung weltweit revolutioniert, sondern auch das „Schlüter-Systems-Marktsegment“ geschaffen. Damit hat er einen Milliarden-Euro- bzw. Milliarden-Dollar-Markt neben der Fliese entstehen lassen und Arbeitsplätze für Tausende von Menschen geschaffen. Das finde ich sehr beeindruckend. Erwähnen möchte ich aber auch noch Hans-Henrich Tintelnot, der mir besonders in den ersten Jahren sehr geholfen hat.

Welches Ereignis stellte für Sie und Schlüter-Systems in der Vergangenheit die größte Herausforderung dar?

Es gab sicherlich in dieser langen Zeit schon einige Schwergewichte zu lösen. Dazu gehörte zum Beispiel die Corona-Zeit. Wir mussten unseren Kunden in irgendeiner Form helfen, die Distribution unserer Artikel sicherzustellen. Das war über die Lager der Händler aufgrund von Kontaktsperren nicht möglich. Damals haben wir entschieden, alle Aufträge in Strecke zu liefern – kostenlos! Keiner konnte vorhersagen, wie lange wir diesen für uns sehr kostenintensiven Service aufrechterhalten mussten. Rückblickend würde ich es heute wieder so machen.

Inwieweit haben sich das Geschäft und der Markt im Vergleich zu früher verändert?

Wir haben die schönsten keramischen Fliesen aller Zeiten – und doch schwindet die Attraktivität, zumindest in Deutschland, jedes Jahr. Es ist mir zu einfach, das nur mit der anhaltenden Baukrise zu erklären. Ein Hauptgrund ist und bleibt die relativ aufwendige Applikation bei Neubau, Renovierung oder Sanierung im Vergleich zu alternativen Belägen. Der Fachkräftemangel erschwert zusätzlich die Situation. Die Kunden mögen es einfach, schnell und sicher und natürlich bezahlbar. Beläge für die Ewigkeit stehen aktuell nicht so hoch im Kurs.

Wir haben die schönsten keramischen Fliesen aller Zeiten – und doch schwindet die Attraktivität…

Eine weitere signifikante Veränderung gegenüber früher ist die digitale Transformation. Nachfragegenerierung läuft zu 70 % über die Social-Media-Plattformen. Die Kunden informieren sich sehr intensiv im Vorfeld. Ein Verkaufsgespräch dauert heute nur noch selten Stunden, eher Minuten oder nur noch einen Klick.

Wenn Sie der Branche für die Zukunft einen Rat geben dürften, was würden Sie sagen?

Ratschläge möchte ich an dieser Stelle keine geben und die Frage auf den „Marktplatz Fliese“ reduzieren. Manchmal hilft es, sich den Spiegel vorzuhalten. Würde ich bei mir kaufen? Entspricht mein Angebot meinen eigenen Käufererwartungen? In welchen Bereichen würde ich aktuell keramische Fliesen verlegen? Wir sollten mutig sein und mit offenen Augen und Ohren im Bekanntenkreis, bei Freunden oder auch bei Kindern und Jugendlichen nachfragen.

Als Händler richte ich mein Angebot allein auf die Nachfrage aus. The trend is your friend, das bedeutet, dass neben unserer geliebten keramischen Fliese auch kein Weg an alternativen Wand- und Bodenbelägen vorbeigeht – allen voran Alubond. Selbst die Cersaie hat auf der letzten Messe Holzparkett, Kunstharz, gebundene Keramik, Linoleum und Alubond stärker ins Licht gerückt. Und an der „Profi-Theke“ brauchen wir mehr denn je Fachberater, nach Möglichkeit mehrsprachig.

Manchmal hilft es, sich den Spiegel vorzuhalten. Würde ich bei mir kaufen?

Gab es einen Termin oder eine Messe, die Sie besonders gern besucht haben?

Die Cersaie in Bologna war für mich persönlich bis etwa 2015 immer das Highlight im Jahr. Viel internationales Fachpublikum, hohe Kundenfrequenz am Stand und italienisches Flair auf der Messe und auch am Abend. Schön war’s!

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