Die italienischen Fliesenhersteller standen mit der Pressekonferenz des Unternehmerverbands Confindustria Ceramica Anfang Juni 2026 im Fokus der traditionellen Bestandsaufnahme zur Jahresmitte mit den offiziellen Zahlen zum Vorjahr. 1200Grad Italienkorrespondentin Alexandra Becker war dabei. Auf Rückfrage der Redaktion wurden die Zahlen für Deutschland bekanntgegeben.
Export italienischer Fliesen nach Deutschland
Das erste Quartal ergab mit einem Zuwachs von 3 % bei den nach Deutschland verkauften Quadratmetern italienischer Fliesen und einem Plus von 1,8 % im Umsatz ein ähnliches Bild wie das Gesamtjahr 2025.
Mit einem Plus von 3,6 % nach Menge und einem 2,6 % nach Wert bestätigt auch der Blick auf die Exportstatistik der italienischen Fliesenwerke nach Deutschland für das Jahr 2025 im Vergleich zum Vorjahr einen Trend, der sich in der Branche insgesamt abbildet: Der erzielte Durchschnittspreis sinkt aufgrund der immer stärkeren internationalen Konkurrenz. Die hohen Energiepreise und das Emissionshandelssystem (ETS) machen den italienischen Fliesenwerken und den anderen europäischen Herstellern zu schaffen und stellen mittlerweile einen entscheidenden Wettbewerbsfaktor dar.
Präsident Augusto Ciarrocchi stellte gemeinsam mit dem Geschäftsführer Armando Cafiero die Daten der vom italienischen Statistikamt erarbeiteten Nationalen Statistischen Erhebung über Keramikfliesen und der 20. Nationalen Statistischen Erhebung über Sanitärkeramik vor.
Zahlen italienische Fliesenwerke gesamt
Mit dem Verkauf von 386,9 Millionen Quadratmetern erzielten Fliesen und keramische Beläge aus Italien im Jahr 2025 ein leichtes Plus von 2,3 % im Vergleich zum Vorjahr. Der Umsatz blieb dabei mit 6,0 Milliarden Euro und -0.4 % weitgehend stabil. Der Exportanteil lag bei 82 %.
Ein Teufelskreis entsteht, denn sinkende Margen führen auch zu einer verringerten Investitionsbereitschaft der Hersteller. Dies zeigt sich mit einem Rückgang von 16,1 % bei den Investitionen der italienischen Hersteller im Jahr 2025 im Vergleich zum Vorjahr.
Ökologisches und soziales Dumping
Augusto Ciarrocchi kommentierte: „Der internationale Handel sowohl mit Fliesen als auch mit Sanitärkeramik verzeichnet Importe aus Nicht-EU-Ländern, die staatliche Beihilfen erhalten und wirtschaftliches, ökologisches und soziales Dumping betreiben: Ich beziehe mich dabei auf Indien und China, aber nicht nur auf diese Länder. Auf dem europäischen Markt machen die über 50 Millionen Quadratmeter Keramikfliesen aus Indien mehr als 50 % aller europäischen Importe aus, wobei ihre Marktanteile besonders schnell wachsen. Es ist positiv, dass die Zölle von 13 % auf Geschirr auf 79 % angehoben wurden, da dies eine objektive Verzerrung der Marktbedingungen ausgleicht: Der Verband wird in dieser Richtung für alle seine Sektoren weiter vorgehen.“
Dabei handelt es sich bei der Baukeramik um eine Industrie, die bisher im Vergleich zu anderen Branchen mit 321 Millionen Euro noch 5,3 % investiert hat. Dies auch mit dem Ziel, die energieintensive Produktion diesbezüglich zu optimieren.
Wichtiger Arbeitgeber
In Italien gibt es 117 Unternehmen, die im Jahr 2025 insgesamt 390,9 Millionen Quadratmeter (+5,7 %) produziert haben und 17.676 Mitarbeiter beschäftigen. Vom Gesamtabsatz von 386,9 Millionen Quadratmetern blieben 85,2 Millionen Quadratmeter (+0,6 %) in Italien. Der Export nimmt weiterhin mit 301,7 Millionen Quadratmetern den Löwenanteil der Produktion auf und konnte trotz der schwierigen Marktlage ein Plus von 2,8 % verzeichnen.

Augusto Ciarrocchi Vorsitzender der Confindustria Ceramica Foto: Confindustria Ceramica
Augusto Ciarrocchi wiedergewählt
Im Rahmen der Generalversammlung der Confindustria Ceramica am 10.6.2026 wurden Augusto Ciarrocchi als Vorsitzender der Confindustria Ceramica ebenso wie die fünf Vizepräsidenten Vittorio Borelli, Luigi di Carlantonio, Giorgio Romani, Alberto Selmi und Graziano Verdi für die nächsten zwei Jahre in ihrem Amt bestätigt.





