Ein neu entwickeltes Bodensystem aus Spanien setzt auf eine kleberlose Montage von Keramikbelägen. Die Entwickler versprechen kürzere Einbauzeiten, geringere Renovierungskosten und weniger Bauschutt. Ob sich das Konzept langfristig im Markt etabliert, wird sich allerdings erst im Praxiseinsatz zeigen.
Aus der spanischen Keramikregion l’Alcora kommt ein neues Verlegesystem, das die Verarbeitung keramischer Bodenbeläge vereinfachen soll. Die beiden Unternehmer Jordi Peñarrocha und Guillem Vicent haben mit „Ondablock“ ein System entwickelt, bei dem Keramikplatten bereits werkseitig mit einer Trägerschicht aus recyceltem Thermoplast verbunden werden.
Dadurch entfällt die klassische Verklebung mit Fliesenkleber. Die Elemente werden stattdessen über ein Steck- beziehungsweise Klickprinzip miteinander verbunden. Ziel ist es, die Verlegung schneller und sauberer zu gestalten und gleichzeitig den Material- und Arbeitsaufwand zu reduzieren.
Vorteile insbesondere bei Sanierungen
Nach Angaben der Entwickler können bei Renovierungsprojekten Einsparungen von mehr als 40 Prozent erzielt werden. Im Neubau wird das Potenzial mit rund 30 Prozent angegeben. Zudem sollen Verlegeleistungen von 25 bis 30 Quadratmetern pro Stunde möglich sein.
Ein weiterer Vorteil besteht darin, dass bestehende Bodenbeläge in vielen Fällen nicht entfernt werden müssen. Das spart Zeit, reduziert Abbrucharbeiten und verringert die Menge an Bauschutt. Auch spätere Reparaturen sollen einfacher ausfallen, da einzelne Elemente gezielt ausgetauscht werden können.
Nachhaltigkeit und Fachkräftemangel als Treiber
Die Entwickler sehen ihr System als Antwort auf mehrere Herausforderungen der Bauwirtschaft. Steigende Baukosten, der zunehmende Fachkräftemangel und der Wunsch nach ressourcenschonenden Bauprozessen erhöhen den Druck, Arbeitsabläufe effizienter zu gestalten.
Einsatzmöglichkeiten sehen die Spanier vor allem im Wohnungsbau, in Bürogebäuden, im Einzelhandel sowie im Sanierungsbereich. Gerade bei Umbauten im laufenden Betrieb könnten schnelle und saubere Verlegeverfahren zusätzliche Vorteile bieten.
Erste Referenzen und weitere Bewährungsproben
Ein erstes Projekt wurde bereits in Turin realisiert. Dort diente die Anwendung als Praxistest für das junge Unternehmen. Nun wollen die Entwickler ihre Lösung in weiteren europäischen Märkten etablieren.
Ob sich das System dauerhaft durchsetzen kann, wird jedoch von weiteren Erfahrungen im Baustellenalltag abhängen. Neue Bodensysteme müssen sich insbesondere unter wechselnden Temperatur- und Feuchtigkeitsbedingungen bewähren. Auch Aspekte wie Langzeitstabilität und Belastbarkeit spielen dabei eine entscheidende Rolle.
Kleberlose Systeme sind kein völlig neues Thema
Der Ansatz der trockenen beziehungsweise kleberlosen Verlegung ist auch in Deutschland bereits bekannt. Verschiedene Hersteller bieten seit einigen Jahren entsprechende Lösungen an. Gemeinsam ist diesen Konzepten das Ziel, die Montage zu beschleunigen, Schmutz zu reduzieren und vorhandene Untergründe möglichst weiter zu nutzen. Vergleichbare Systeme diverser Anbieter auf dem deutschen Markt konnten sich bislang nicht auf breiter Front durchsetzen.
Vor dem Hintergrund steigender Kosten und begrenzter Personalressourcen könnte die Nachfrage nach solchen Systemen künftig weiter zunehmen.
Quelle: Nach Informationen von Focus Online unter Berufung auf das spanische Medium „El Periódico“.





