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Foto Ralf grau dunkel

Iran-Krieg verschärft Krise in der Fliesenbranche

Der Krieg im Iran ist für viele noch eine geopolitische Nachricht aus der Ferne. Für die Bau- und Ausbaubranche in Deutschland ist er längst wirtschaftliche Realität. Für die Fliesenbranche eine erschreckende Realität!

Zuerst kam der Effekt an der Tankstelle an. Inzwischen schlägt die Entwicklung tiefer durch: Energiepreise steigen, Bauzinsen ziehen wieder an – und damit verschärfen sich genau die Faktoren, die den Wohnungsbau ohnehin seit zwei Jahren ausbremsen. Nach einer Analyse der FMH-Finanzberatung sind die Bauzinsen inzwischen wieder über die Marke von vier Prozent gestiegen. Was auf dem Papier nach einem überschaubaren Zinsanstieg aussieht, hat in der Praxis massive Folgen. Viele Projekte im Wohnungsbau wurden in einer Phase kalkuliert, in der Finanzierungen deutlich günstiger waren. Steigen die Zinsen, kippen Kalkulationen schnell. Projekte werden verschoben oder ganz gestrichen.

Damit trifft die aktuelle geopolitische Lage eine Branche, die ohnehin bereits unter massivem Druck steht. Der Wohnungsneubau in Deutschland ist eingebrochen, Projektentwickler halten sich zurück, Investoren warten ab. Für alle Gewerke rund um den Innenausbau bedeutet das weniger Volumen – und damit weniger Nachfrage.

Parallel verschärft sich die Situation auf der Kostenseite erneut. Steigende Gaspreise treffen besonders energieintensive Industrien. Die keramische Industrie gehört dazu. Fliesen werden in gasbefeuerten Brennöfen produziert – Energie ist damit ein zentraler Kostenfaktor. Wenn Gaspreise sprunghaft steigen, schlägt das unmittelbar auf die Produktionskosten durch.

Dass sich diese Entwicklung nicht auf einzelne Branchen beschränkt, beschreibt auch Evonik-Chef Christian Kullmann bei Spiegel Online sehr klar: „Der Anstieg der Gas- und Ölpreise wird sich durch die gesamte Wertschöpfungskette fressen.“ Gleichzeitig steige das Inflationsrisiko. Die Folgen sind absehbar: höhere Finanzierungskosten, verhaltene Investitionen und eine insgesamt schwächere Baukonjunktur.

Der aktuelle Konflikt wirkt dabei wie ein Verstärker bereits vorhandener Probleme. Kriege und damit auch Stimmungen können Konjunkturen beflügeln oder bremsen. Kullmann spricht davon, dass der Krieg die bestehenden wirtschaftlichen Schwierigkeiten „wie unter einem Brennglas“ sichtbar mache. Gemeint ist eine Mischung aus konjunktureller Schwäche, strukturellen Problemen am Standort Deutschland und steigenden Energie- und Lohnkosten.

Für energieintensive Produkte wie Keramikfliesen wird das zunehmend zum Standortproblem. „Produkte, die stark an Energie- und Lohnkosten gebunden sind, werden wir in Deutschland nicht verteidigen können“, warnt Kullmann. Die Produktion könne langfristig ins Ausland abwandern. Clemens Fuest, Präsident des Instituts für Wirtschaftsforschung (Ifo), meint sogar, dass die „energieintensive Industrie keine Zukunft bei uns hat!“

Für die Fliesenbranche entsteht daraus eine doppelte Belastung. Auf der einen Seite sinkt die Nachfrage, weil der Wohnungsbau massiv zurückgeht. Auf der anderen Seite geraten Hersteller durch steigende Energiekosten erneut unter Druck. Händler und Verarbeiter spüren die Folgen unmittelbar: weniger Projekte, härterer Wettbewerb und eine insgesamt angespannte Marktlage.

Viele Marktteilnehmer hatten gehofft, dass sich der Wohnungsbau und damit auch die Situation der Fliesenbranche spätestens 2026 stabilisieren könnte. Die aktuellen Entwicklungen sprechen allerdings eher für ein längeres Tal. Höhere Bauzinsen, volatile Energiepreise und eine unsichere geopolitische Lage sind keine Voraussetzungen für eine schnelle Erholung.

Die Realität ist daher nüchtern: Die Branche wird sich voraussichtlich auch in den kommenden Jahren auf ein schwieriges Marktumfeld einstellen müssen.

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