Als Nachfolger von Isolde Keck galt es ja in „große Fußstapfen“ zu treten. Nachdem schon mehr als die obligatorischen 100 Tage verstrichen sind kann man wohl mit Fug und Recht sagen, dass Du Dich inzwischen in Deine neue Rolle gut eingefunden hast….
Danke der Nachfrage. Heute, nach über 2,5 Jahren bin ich – auch dank vieler toller Kolleginnen und Kollegen – sehr gut angekommen. In über 50 Jahren hat Frau Keck sehr viel für die Firma Köbig geleistet und die Sparte Fliese erfolgreich aufgebaut und geführt. In diese „Fußstapfen“ zu treten, war natürlich eine besondere Situation. Wir haben das erste Jahr praktisch parallel und eng abgestimmt miteinander gearbeitet, bevor sie sich im Jahr 2024 aus dem operativen Geschäft zurückgezogen hat. Seit dem 01.01.2025 befindet sie sich komplett im Ruhestand.
Welche strategische Ausrichtung verfolgt Köbig für die Zukunft, vor allem im Fliesensegment?
Die aktuelle Marktsituation gab es so wahrscheinlich noch nie. Wir werden bei Köbig weiter das Thema der Eigenmarken verfolgen und auch ausbauen. Hier ist, bei aller Vergleichbarkeit von Materialien, die Chance auf den Auftrag, übrigens gleichermaßen für unsere Kunden, erheblich höher. Wir haben zudem einen Produktausschuss installiert, der heute deutlich fokussierter und stringenter die Sortimente für unsere Ausstellungen sowie die Lagerhaltung definiert. Das erhöht zusätzlich den Lagerumschlag und ist einfacher in der Umsetzung. Grundsätzlich ist die Firma Köbig mit der Dreispartigkeit, also der Haustechnik, den Baustoffen sowie der Fliese, sehr breit und besonders im Sanierungsbereich, sehr gut aufgestellt.
Wir werden bei Köbig weiter das Thema der Eigenmarken verfolgen und auch ausbauen
Im Bereich Warenverfügbarkeit und Logistik steht der Handel vor großen Herausforderungen. Wie wird Köbig dem gerecht?
Wir arbeiten mit eigenen LKW verschiedenster Art, Auftragsspitzen decken wir über Speditionen ab. Um den Kunden kurzfristig Zugriff auf alle unsere Lager zu geben, gibt es eine sogenannte Rundtour, die es erlaubt, Waren von A nach B über Nacht zu versenden. Problematisch ist heute teilweise die Beschaffung der Waren von unseren Lieferanten, da die Kapazitäten von den Spediteuren knapp sind. Wir versuchen hier die Lagerhaltung immer an den Bedürfnissen unserer Kunden auszurichten, um mögliche Vorlaufzeiten gering zu halten.
Problematisch ist heute teilweise die Beschaffung der Waren von unseren Lieferanten, da die Kapazitäten von den Spediteuren knapp sind.
In den vergangenen Jahren gewinnen auch für den Handel Themen Marketing (Social media), Ausstellung, Warenpräsentation etc. an Bedeutung. Welche Strategie verfolgt Köbig in diesem Bereich?

Die Großhandels-Ausstellungen gewinnen an Bedeutung, hier ein Blick in die Fliesenausstellung von Köbig in Koblenz. Fotos: Köbig
Tendenziell wird die Anzahl der Ausstellungen, die unsere Handelskunden betreiben, immer geringer. Der Fokus auf die Ausstellung vom Großhandel wird also größer. Wir haben momentan ein Pilotprojekt in der Niederlassung Mainz gestartet, kurzum digitalisieren wir alle unsere Kojen inklusive Bilder und Detailinformationen zu den Artikeln und bieten unseren Kunden in der Beratung deutlich mehr Flexibilität und Möglichkeiten an. In der Logik wird sich zukünftig die Frage stellen, wie konkret sieht dann eine Ausstellung der Zukunft aus. Hier haben wir bereits erste Schritte und Abstimmungen vorgenommen.
Der Fokus auf die Ausstellung vom Großhandel wird größer.
Im Fliesenhandel gewinnen alternative Bodenbeläge, wie Parkett und Laminat, an Bedeutung. Ist es schlau, sich den keramischen Wettbewerb selber direkt ins Haus zu holen und wie geht Köbig damit um.
Ich bin ein „Kind“ der Fliese, nichtsdestotrotz ist die Bedeutung der sogenannten alternativen Beläge da. Köbig bietet diese Produkte an, um den Kunden im besten Fall alles aus einer Hand anbieten zu können und damit die Auftragssicherheit zu erhöhen.
In der Fliesen-Industrielandschaft hat es in den vergangenen Jahren große Veränderungen gegeben. Welche Auswirkungen hat das auf den Handel?
Einige Veränderungen gab es bei langjährigen Stammlieferanten von Köbig. Das führte natürlich dazu, dass wir „von heute auf morgen“ sämtliche Strategien im Produkt – sowie Lieferantenportfolie überdenken mussten bzw. müssen. Das kostet wertvolle Zeit, die wir lieber mit aktiver Marktbearbeitung verbringen würden. Allgemein gesprochen sind die Auswirkungen für den Handel massiv. Die Preisstrukturen, die z.B. vor Jahren in einer Pyramide nach Format/Oberflächen gut darstellbar waren, gibt es in dieser Form nicht mehr. Der Objektbereich steht mehr als wahrscheinlich je zuvor unter Preisdruck, aber auch der Endverbraucher ist deutlich preissensibler geworden. Die ursprüngliche, in vielen Bereichen sicher auch sinnvolle Auswahl an Stammlieferanten, wird neu und anders beleuchtet.
Der Objektbereich steht mehr als wahrscheinlich je zuvor unter Preisdruck, aber auch der Endverbraucher ist deutlich preissensibler geworden.
Wie beurteilst Du die generell die aktuelle Zusammenarbeit von Industrie und Handel – auch mit Sicht auf die AG Fliese?
Ich finde es wichtig, dass die AG Fliese existiert und die Interessen entsprechend vertritt. Schade ist, dass der Anteil vom Handel hier leider gering ist. Das ist kein neues Thema, scheint sich aber leider auch nicht wirklich zu verändern.
Die Fachmessen wie Cevisama und Cersaie verlieren zunehmend an Bedeutung, dafür werden Hausmessen des Handels immer wichtiger. Wie beurteilst Du diese Entwicklung?

Foto: Cevisama
Der Aufwand sowie die Kosten werden für uns höher, wenn wir nicht mehr in gebündelter Form alle Lieferanten und Produkte auf einer Messe sehen können. Große Hersteller lösen das mit eigenen Präsentationen im Werk, für kleine Produzenten ist das eine schwierige Entwicklung.
Der Fachkräftemangel ist nicht nur für die Industrie, sondern auch für den Handel inzwischen ein großes Problem. Wie geht Köbig damit um?
Köbig ist davon natürlich genauso betroffen, wie andere Marktteilnehmer auch. Wir haben aktuell eine Auszubildendenquote von 9 % bei Köbig. Es wird Jahr für Jahr nicht einfacher, interessierte Auszubildende zu finden, wir glauben dennoch daran, dass es der richtige Weg ist, die zukünftigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter selbst auszubilden und zu entwickeln.
Es wird Jahr für Jahr nicht einfacher, interessierte Auszubildende zu finden…
Neue Zielgruppen, wie mobile Generalisten, verlangen neue Zielgruppenansprachen. Gleichzeitig wird es immer wichtiger, Endverbraucher direkt anzusprechen. Wie hat sich Köbig darauf eingestellt?
Wir analysieren heute die Zielgruppen sowie deren Bedarf und richten danach die Kundenansprache aus. In unserem heutigen Geschäftsmodell ist der reine Privatkundenumsatz recht gering, wir beraten aber aktiv viele Endverbraucher, der Auftrag wird anschließend häufig vom Handwerker, der das Paket inklusive Verlegung anbietet, platziert.
Vita Christoph Krüger
- Ausbildung zum Groß-/Außenhandelskaufmann bei Raab Karcher
- Verschiedene Handelsstationen, Außendienst, über mehrere Führungspositionen zuletzt Vertriebsleitung West bei der Firma Linnenbecker, wo er 20 Jahre lang beschäftigt war.
- Berufsbegleitendes Studium
- Seit dem 01.01.2023 bei der Firma Köbig, Spartenleitung Fliese, seit dem 01.07.25 verantwortet Krüger zusätzlich die Sparte Baustoffe.





