Die Cevisama kann auf eine lange Tradition zurückblicken. Bereits 1983 wurde die erste Veranstaltung durchgeführt und entwickelte sich in den Folgejahren schnell zu einer interessanten und gut besuchten Alternative zur Cersaie in Bologna. Im Gegensatz zur Cersaie, die eine globale und internationale Ausrichtung hat, positionierte sich die Cevisama eher als europäischer Ableger für die Fliesenbranche. Die diesjährige Messe stand sogar unter dem Motto „Made in Europe“.
Auf Einladung in den Süden
Für den Erfolg der Cevisama in den vergangenen Jahrzehnten gab es viele Gründe. Das frühlingshafte Wetter in Spanien und die Attraktionen der Stadt Valencia lockten zahlreiche Architekten, Verleger und Händler in den Süden. Mit Fördergeldern von Staat und Regierung reisten viele Besucher zudem auf Einladung zur Cevisama. Und im März bzw. neuerdings im Februar hat man für solche Reisen auch noch Zeit, wenn die heimischen Baustellen auf Sparflamme laufen.
Zudem erwiesen sich die spanischen Hersteller als kreative Produktentwickler. In Valencia gab es nicht nur pfiffige Designs zu bewundern, sondern auch Glasurentwicklungen, die man sonst nur selten zu sehen bekommt. Zudem ist die Messe kleiner und übersichtlicher als in Bologna, was viele Besucher stets zu schätzen wussten.
Knick nach Corona
So entwickelten sich Besucher- und Ausstellerzahlen bis zur Corona-Krise kontinuierlich nach oben. Mit 92.000 Besuchern und über 800 Ausstellern erreichte die Cevisama 2020 einen Höhepunkt.
Doch Corona führte bei vielen Besuchern und Ausstellern zu einem drastischen Umdenken. So mancher stellte fest, dass Messen verzichtbar sind und eine Menge Geld aus dem Marketing-Etat auffressen, das man andernorts besser oder gezielter einsetzen kann. Immer mehr Hersteller, allen voran die großen spanischen Player Porcelanosa und Pamesa, investieren das Geld seitdem gezielt in eigene Hausmessen. Hier lassen sich die Kunden intensiver und gezielter ansprechen.

Wie aus Opas Party-Keller….
Mit dem Ergebnis, dass die Anzahl der Cevisama-Besucher auf 70.000 sank, auf Ausstellerseite zählte man sogar nur noch 260 Unternehmen. Noch schlimmer: Von den rund 100 Mitgliedsunternehmen des spanischen Herstellerverbandes ASCER waren in diesem Jahr nur noch 40 Unternehmen mit einem eigenen Stand auf der Cevisama präsent.
Trend zu Hausmessen
Der Trend zu den Hausmessen ist eine Entwicklung, mit der übrigens auch die Cersaie zu kämpfen hat, doch die Italiener haben eine wesentlich breitere Basis. Die Italiener registrierten 2024, trotz rückläufiger Zahlen und Corona, noch 95.000 Besucher und über 600 Aussteller, also einen Zuspruch wie die Cevisama in ihren besten Zeiten.
Wer mit den Ausstellern spricht, die noch mit einem Stand auf der Cevisama vertreten sind, stellt schnell fest, dass die verbliebenen Unternehmen mit dieser Entwicklung alles andere als glücklich sind und sich ebenfalls Gedanken darüber machen, ob es so für sie weitergehen kann oder soll. In der Konsequenz bedeutet das noch weniger Hersteller und damit gleichzeitig auch weniger Besucher.
Wie lange die Messeleitung diesem Treiben zuschaut, bleibt ungewiss. In diesem Jahr wurde hinter vorgehaltener Hand von vielen Ausstellern mehrfach über das Aus der Cevisama gesprochen, wenn die Entwicklung anhält.
Noch unternimmt die Messeleitung in Valencia große Anstrengungen, die Cevisama mit begleitenden Vorträgen, Kongressen, Ausstellungen und einer erweiterten Zielgruppe im Bereich Interieur (Habitat) aufzuwerten.

Innovative Designideen und ausgefeilte Glasurtechniken haben auf der Cevisama Tradition.
„Man kann niemanden zwingen“
Der spanische Fliesenverband ASCER hingegen ignoriert diese Entwicklung anscheinend. Schon im letzten Jahr haben wir auf der Pressekonferenz des Verbandes und der Messe nach dieser Entwicklung gefragt, aber nur ausweichende Antworten erhalten. „Man könne den Mitgliedswerken ja nicht vorschreiben, ob und wie sie die Messe besuchen wollen“, hieß es damals sinngemäß. In diesem Jahr fragte ein niederländischer Journalist nach dem gleichen Thema, erhielt aber ebenso nur eine ausweichende Antwort.
Recht unverschämt ist allerdings von einigen Herstellern und auch Besuchern, dass sich die Besucher zwar von der Messe nach Valencia einladen lassen, sprich Flug und Hotel gezahlt bekommen, dann aber gar nicht zur Messe erscheinen, sondern lieber zu ihren Stammlieferanten in die nahegelegenen Werke Richtung Castellon fahren.
Sollte die Messe wegfallen, wäre das für die gesamte Fliesenbranche ein herber Rückschlag. Auch viele Journalisten aus dem In- und Ausland schätzen die Cevisama als charmante Trendshow und würden es sehr bedauern, wenn es keine Messe mehr in Valencia geben würde.
Und auch der Handel reagierte inzwischen. Point.P, eine Tochtergesellschaft von Saint Gobain und führend im Keramikvertrieb, hat nach einem Bericht der Online-Portals „Economica Digital Comunidad Valencia (siehe Bericht hier) den Keramiksektor von Castellon gebeten, sein Engagement für die Showrooms zu überdenken und zur Cevisama zurückzukehren.

Cotto is back!
Trends: Zurück in die Siebzigerjahre
Neben diesem Plädoyer für die Cevisama wollen wir aber nicht vergessen, auch einen Rückblick auf die diesjährige Messe zu werfen. Ihrem Anspruch als Trendshow wurde sie auch in diesem Jahr wieder gerecht.
Auffallend war der Vintage-Look, also die Orientierung von Designs und Formaten an frühere Jahre. Manche Stände muteten so an, als wären sie den Siebzigerjahren entsprungen – natürlich erfrischend zeitgemäß neu interpretiert.

Alte Formate und Designs sind in
Des Weiteren gab es auffallend viele Neuheiten in Kleinformaten, die man als Dekorationsmöglichkeiten für die Flächen der Großformate wieder neu entdeckt hat. Ein Hersteller meinte sogar, dass er sich inzwischen darüber ärgern würde, dass er seine Öfen für Kleinformate abgestellt habe, denn aktuell lässt sich in diesem Segment anscheinend auch gutes Geld verdienen.

Sieht aus wie rustikales Pflaster für die Garten-Terrasse, ist aber modernes Feinsteinzeug.
Wer kein 20×20 oder 10×10 mehr herstellen kann, behilft sich mit Scheinfugen, die auf größeren Fliesen ein kleineres Format vorgaukeln und sich zudem schneller verlegen lassen. Apropos Schein: Einige Hersteller drucken inzwischen realitätsnahe Reliefs auf die Keramik, die von weitem wie 3-D-Designs aussehen und sich erst bei haptischer Überprüfung als gekonnte optische Täuschung herausstellen. Sogar der gute alte Cotto-Look feierte derweil eine Auferstehung, natürlich technisch up to date mit Feinsteinzeugtechnik produziert.

Kleinformate kommen groß raus.
Bei den Farben dominieren nach wie vor Grün- und Blautöne. Auch der Mix unterschiedlicher Stilrichtungen, wie Marmor- und Betonoptiken in einer Verlegung, gewinnt an Bedeutung.
Einige der hier vorgestellten Designtrend werden Sie auch in unserem Kurzvideo zur Messe „Impressionen Cevisama 2025“ wiederfinden. Über die Neuheiten der einzelnen. Firmen werden wir in den nächsten Tag noch in getrennten Beiträgen ausführlicher berichten.

Sieht aus wie ein 3D Design, ist aber nur eine optische Täuschung.








