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Italien im Ausnahmezustand – Logistikbranche mit großen Problemen

Italien befindet sich im Ausnahmezustand. Alle Geschäfte sind geschlossen, die Menschen dürfen nur noch auf die Straße um zur Arbeit, zum Einkaufen oder zum Arzt zu gehen. Das komplette Leben ist in Italien zum  Stillstand gekommen. Das geht nach Angaben unserer Italien-Korrespondentin Alexandra Becker sogar soweit, dass nicht einmal mehr Beerdigungen und Hochzeiten zelebriert werden können.

Auch die Wirtschaft leidet. Die am stärksten betroffenen italienischen Regionen Lombardei, Venezien und Emilia Romagna zählen europaweit zu den Topregionen in Bezug auf Industrie, Forschung, Infrastruktur und medizinischer Versorgung. Besonders betroffen ist nach Angaben des Industrieverbandes Confindustria die Transport und Logistikbranche: 83 % der dort befragten Betriebe klagen bereits über erhebliche Umsatzeinbrüche, die ihre Existenz bedrohen.

Die Regierung will der angeschlagenen Wirtschaft bis zu 25 Mrd. Euro an Hilfen zur Verfügung stellen. Ein Tropfen auf dem heißen Stein. Zudem Geld, das der hochverschuldete italienische Staat eigentlich gar nicht hat. Es darf deshalb bezweifelt werden, ob die Gelder jemals an der richtigen Stelle angekommen und den betroffenen Firmen wirklich helfen werden.

Der Coronavirus wird auch um die Italienischen Fliesenhersteller keinen Bogen machen.  Marazzi hat die Produktion bereits in allen italienischen und spanischen Werken für eine Woche runtergefahren. Es ist deshalb absehbar, dass es auch hier – trotz aller Bekundungen, dass der Betrieb normal weiterläuft – zu Engpässen kommen wird. Entweder weil Fabrikarbeiter nicht mehr an ihrem Arbeitsplatz erscheinen können, und/ oder weil die hergestellte Ware nicht weitertransportiert werden kann. Darauf sollten sich auch die Kunden in Deutschland mittelfristig einstellen. Es gab erste Ansätze für Streiks, da sich die Arbeiter in der Produktion mancher Unternehmen nicht ausreichend vor Ansteckung geschützt fühlten. Nach einem 18-stündigen Verhandlungsmarathon der Region mit den Gewerkschaften und Industrieverbänden am 13.3.2020  konnte eine Einigung auf weitere Massnahmen gefunden werden.

Kaum besser sieht es in Spanien aus. Hier spielt das Thema Logistik ohnehin ein noch stärkere Rolle, denn die spanischen Werke sind nicht nur weiter entfernt vom deutschen Markt, sondern logistisch auch nicht so gut angebunden wie die Italiener.

Und es ist absehbar, dass der Verlauf in Deutschland eine ähnlich dramatische Entwicklung nehmen wird wie in Spanien, Italien und auch Frankreich!

So entsteht eine Kettenreaktion: Weil die Hersteller nicht liefern können, kann der Handel seinerseits seine Handwerker nicht bedienen, diese wiederum an der Baustelle nicht weiterarbeiten. Man muß kein Prophet sein um festzuhalten, dass für die Fliesen- und Baubranche – wie für alle – schwierige Zeiten anbrechen werden. Die Coronakrise wird, wie schon die Wirtschaftskrise vor mehr als 10 Jahren, zu einer Bereinigung des Marktes führen. Nur die finanzstarken Betriebe werden auf Dauer bestehen können.

Auf der nächsten Cersaie wird sicher der eine oder andere Hersteller deshalb nicht mehr auftauchen. Wann immer auch eine Cersaie stattfinden wird. Denn auch die Messegesellschaften sehen sich vor großen Problemen – und die Cersaie 2020 steht ebenso in den Sternen.

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