Die diesjährige ordentliche Gesellschafterversammlung der Eurobaustoff stand im Spannungsfeld zwischen Risiken und Chancen für die Branche und die Gesellschafterhäuser.
Pünktlich eröffnete Boy Meesenburg als Vorsitzender des Aufsichtsrates die diesjährige ordentliche Eurobaustoff Gesellschafterversammlung vor den dicht besetzten Reihen im Saal des RheinMain Congress Center in Wiesbaden. Insgesamt waren 93,24 Prozent der 435 stimmberechtigten Gesellschafterhäuser nach Wiesbaden gekommen oder hatten eine Vollmacht erteilt, um sich über die aktuelle Marktlage und über die Themen und Maßnahmen, mit denen sich die Kooperation befasst, zu informieren.

Dr. Eckard Kern, Vorsitzender der Eurobaustoff-Geschäftsführung.

Holger Reviol, Geschäftsführer Geschäftsbereich II Finanzen.
Ein großer Bogen von Aktivitäten, Veränderungen, Herausforderungen und Neuem spanne sich von Gesellschafterversammlung zu Gesellschafterversammlung, sagte Boy Meesenburg zur Begrüßung. „Ich bin mir sicher, dass es Dr. Eckard Kern, Holger Reviol und erstmals Patrick Dietrich ebenso wie den Jungunternehmerinnen und Jungunternehmern wieder gelingen wird, einen neuen Bogen hin zur nächsten Gesellschafterversammlung zu spannen, die 2027 in Dresden stattfinden wird.“
Bauwirtschaft stellt Gesellschafter vor Herausforderung
Ebenso stellte er fest, dass die Zeit seit der vergangenen Tagung 2025 in Hamburg gerast sei. „Was leider nicht rast, ist die Entwicklung der Bauwirtschaft. Und damit werden wir Gesellschafter mit immer größeren Herausforderungen konfrontiert. Umso positiver ist die Erkenntnis, dass, wenn jemand die Krise durchsteht, dann der Mittelstand, weil er flexibler, schneller, manchmal auch genügsamer und innovativer ist, aber nur mit einer starken Kooperation im Hintergrund. Und die haben wir mit der Eurobaustoff“, führte er weiter aus. Deshalb sei es nicht verwunderlich, dass immer wieder neue Gesellschafter zur Eurobaustoff finden. Im Jahr 2025 waren es sieben neue Gesellschafter, die er nachfolgend in Wiesbaden willkommen hieß.
Grußwort von Katharina Metzger
Anschließend übernahm Georg Böcking als Aufsichtsratsmitglied für die Region Mitte und das Grußwort aus der Region das Mikrofon, bevor Katharina Metzger als Präsidentin des Bundesverbandes Deutscher Baustoff-Fachhändler (BDB) an das Rednerpult trat. Sie informierte die Teilnehmer in ihrem Bericht aus dem BDB über die Lage des Baufachhandels und der Bauwirtschaft in Deutschland.
Die nachfolgenden Tagesordnungspunkte gehörten traditionell zunächst der Geschäftsführung der Kooperation. Den Anfang machte Holger Reviol in seiner Verantwortung als Geschäftsführer des Bereichs II – Finanzen – mit der Erstattung des Geschäftsberichts 2025 und dem dahinterstehenden Zahlenwerk. Für das Geschäftsjahr 2025 hat die Eurobaustoff ein Einkaufsvolumen von 7,6 Mrd. Euro abgerechnet und damit ein Plus von 1,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr erreicht. Mit Blick auf das laufende Geschäftsjahr hat die Eurobaustoff per 31. Mai 2026 beim zentral abgerechneten Einkaufsvolumen ein Plus von 3,16 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum erzielt und liegt damit weiterhin im Plan.

Die Rede der Jungunternehmerinnen und Jungunternehmer (v. l.): Pia Beinkofer-Edlinger, Felix Ziegler und Philipp Middelkamp.
Strategische Antworten auf eine Branche im Wandel
Dr. Eckard Kern als Vorsitzender der Geschäftsführung hatte unter der Überschrift „Krise am Bau: Spannungsfeld zwischen Chancen und Risiken“ ein umfangreiches Themenportfolio mit nach Wiesbaden gebracht. Dabei veranschaulichte er dem Plenum zunächst, wie sich der Baufachhandel von einer Ära der Planbarkeit von 2010 bis 2020 in eine Ära der Unsicherheit seit 2021 bis heute verwandelt habe. Doch neben den damit verbundenen steigenden Risiken seien nach wie vor Chancen vorhanden, die es zu nutzen gelte. Damit schlug er zugleich eine Brücke zur Eröffnungsrede von Boy Meesenburg und stellte die Gründe vor, warum sich mittelständische, inhabergeführte Baufachhändler in Krisenzeiten häufig resilienter zeigten.
„campus360°“: ein neues Kennzahlen-Tool
Passend dazu gab Dr. Kern den Anwesenden kurz- und mittelfristige Handlungsempfehlungen für unsichere Zeiten mit auf den Weg und stellte mit „campus360°“ ein neues Kennzahlen-Tool vor. Ziel ist es, mit dem Tool den Gesellschafterhäusern eine bessere Orientierung zu geben, die Kostenstruktur zu prüfen und Effizienzpotenziale zu erkennen. Als ebenso wichtig betrachtete Dr. Kern den Umgang mit dem Thema „Künstliche Intelligenz“, denn KI mache Unternehmer leistungsfähiger und sorge bei richtiger Anwendung für bessere Entscheidungen. „Einfach anfangen“ laute daher die Devise und mit kleineren Projekten erste Erfahrungen zu sammeln.
Wie der Vorsitzende der Geschäftsführung im Anschluss weiter ausführte, sei es in Krisenzeiten wie diesen für die Kooperation unerlässlich, sich auch intensiver mit dem steigenden Insolvenzrisiko zu beschäftigen. Dazu gehöre in erster Linie das rechtzeitige Erkennen von Handlungsbedarf sowie der Ausbau von Frühwarnsystemen. Auch die Verbesserung der Risikoabsicherung und die damit verbundene Aufstockung des Risikofonds durch Ergebnisrücklagen seien vor diesem Hintergrund ein wichtiges Handlungsfeld. Diese Ansicht wurde im Gesellschafterkreis geteilt und noch vor Ort der Beschluss gefasst, den Risikofonds aufzustocken.
Partnerschaft mit der Mittelstands-Allianz Haustechnik
Als abschließenden wichtigen Punkt auf seiner Agenda stellte Dr. Kern ein neues strategisches Geschäftsfeld mit Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik vor, das sich durch die neue Partnerschaft mit der Mittelstands-Allianz Haustechnik (mah) aus Lünen entwickelt hat und neue Wachstumschancen für die Kooperation eröffnet: „Wir freuen uns sehr, die mittelständisch geprägte Allianz ab 2027 in unseren Reihen begrüßen zu dürfen. Die Partnerschaft stärkt nicht nur unsere Gemeinschaft, sondern eröffnet uns zugleich neue Perspektiven, um Baustoffe, Holz, Fliesen und Haustechnik noch stärker aus einer Kooperation heraus zu denken und gemeinsam erfolgreich zu gestalten“, führte Dr. Kern zum Abschluss seines Vortrags aus.

Patrick Dietrich, Geschäftsführer Geschäftsbereich III Beschaffungsmanagement.
Warenbereiche behaupten sich in bewegten Zeiten
Patrick Dietrich, Geschäftsführer Beschaffungsmanagement, nutzte anschließend unter der Überschrift „Gemeinsam stark trotz Turbulenzen“ die Gesellschafterversammlung, um sich den Gesellschafterinnen und Gesellschaftern mit seinen Themen sowie neuen Lösungen und Konzepten nach seinen ersten fünf Monaten in der Kooperation zu präsentieren. Zunächst stand die volatile Situation auf den Energiemärkten und deren Auswirkungen auf die Warenbereiche nach den deutlichen Preiserhöhungen und verlängerten Lieferzeiten zu Beginn der jüngsten Eskalation im Nahen Osten im Fokus.
„Trotz dieser vielfältigen und kurzfristigen Herausforderungen ist es den Warenbereichen mit einem abgestimmten Vorgehen gelungen, eine positive Leistungsbilanz vorzuweisen“, sagte Dietrich. Zumal sich die Situation mit Blick auf die Preisentwicklung und Warenverfügbarkeit in den meisten Bereichen wieder beruhigt habe.
Indikatoren in allen Warenbereichen zeigen nach oben
Vor diesem Hintergrund ging der Geschäftsführer im Anschluss auf die Entwicklung der einzelnen Warenbereiche im laufenden Geschäftsjahr ein. Wie er weiter ausführte, zeigten die Indikatoren in nahezu allen Warenbereichen nach oben. Der Bereich Fachmarkt/Baumarkt und Ausstellung konnte sich dabei nicht von dem negativen Konsumklima in Deutschland abkoppeln und verbuchte in den ersten fünf Monaten des Geschäftsjahres ein leichtes Minus.
Mit einem ergänzenden Blick auf die Eurobaustoff Österreich und die Eurobaustoff Schweiz konnte Dietrich für die ersten fünf Monate des laufenden Geschäftsjahres für beide Ländergesellschaften auf ein deutliches Plus verweisen. Unter dem Stichwort „Chancen nutzen“ zeigte Patrick Dietrich dem Plenum abschließend auf, an welchen Stellschrauben gedreht werden kann, um Kosten zu sparen und die Marge für die Gesellschafterhäuser zu erhöhen. Dazu zählen unter anderem die Teilnahme an Einkaufsaktionen, um Erträge zu steigern, die Beschäftigung mit der Handelsmarke Prima, um nachhaltiges Wachstum zu erzielen, und die verstärkte Nutzung des Technischen Einkaufs, um Kosten zu sparen.

Der neue Aufsichtsrat (v. l.): Gerhard Hornung (Region Mitte), Mag. Thomas Mayr (Österreich), Anke Fink-Stauf (Region Rheinland), Torsten Hamann (Region Ost), Ulrich Bückle (Region Süd), Erwin Stang (Region Bayern), Baier (Region Westfalen) und Boy Meesenburg (Region Nord).
Aufsichtsratswahlen in Wiesbaden
Als Sprecherinnen und Sprecher des Jungunternehmerforums lenkten Philipp Middelkamp (Bergmann), Pia Beinkofer-Edlinger (Beinkofer) und Felix Ziegler (Luschka + Wagenmann) im Anschluss den Blick auf die Themen Nachfolge und aktive Mitarbeit in der Kooperation, bevor mit den Aufsichtsratswahlen für die Regionen Bayern, Mitte, Nord, Ost, Rheinland und Süd der Höhepunkt des Tages auf der Agenda stand.
Neben Boy Meesenburg (Region Nord) bestätigten die Gesellschafterinnen und Gesellschafter die auf den Regionalversammlungen im Frühjahr dieses Jahres nominierten Aufsichtsräte Anke Fink-Stauf (Region Rheinland), Gerhard Hornung (Region Mitte), Ulrich Bückle (Region Süd), Torsten Hamann (Region Ost) und Erwin Stang (Region Bayern) in Wiesbaden. Dieter Kömpf (Süd), Benedikt Uhle (Rheinland) und Georg Böcking (Mitte) sind aus dem Aufsichtsrat ausgeschieden und wurden von Boy Meesenburg und dem Plenum gebührend verabschiedet.
Die nächste Eurobaustoff-Gesellschafterversammlung findet vom 17. bis 19. Juni 2027 in Dresden statt.





