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Sind vom Potential ihres RaumCheck-Roboters überzeugt (v.l.n.r.): Dipl. Bau-Ing. Jan Grünewald, Geschäftsführer der Tilution GmbH,  Dipl. Wirtsch.-Ing. Wiebke Schumann, die als CEO die zukünftigen Geschicke von Raumcheck leiten soll, und Dr. Adrian Krzizok, Professor für Informatik an der FOM. Alle Fotos Redaktion
Sind vom Potential ihres RaumCheck-Roboters überzeugt (v.l.n.r.): Dipl. Bau-Ing. Jan Grünewald, Geschäftsführer der Tilution GmbH, Dipl. Wirtsch.-Ing. Wiebke Schumann, die als CEO die zukünftigen Geschicke von Raumcheck leiten soll, und Dr. Adrian Krzizok, Professor für Informatik an der FOM. Alle Fotos Redaktion

RaumCheck: Der Fliesen-Roboter der Zukunft

Mit dem „RC1“ hat RaumCheck auf den Sopro Profitagen einen Messroboter vorgestellt, der Innenräume automatisiert digitalisiert. Das System soll präzise Aufmaße liefern, Fehler reduzieren und die Grundlage für eine digitale Vorgewerksprüfung schaffen. 1200Grad unterhielt sich dazu mit den Erfindern und Machern des innovativen Roboters.

Was war der Anstoß bzw. die Motivation für die Entwicklung von Raumcheck?

Jan Grünewald: Vorgewerksprüfungen, Bedenkenanzeigen, Aufmaße und Nachtragsmengen führen im Baugewerbe immer wieder zu Streitigkeiten. Der Handwerker ist in der Beweislast und hat aufgrund fehlender oder ungenauer Dokumentation oft das Nachsehen. Handwerkerrechnungen werden deshalb oft gekürzt. Viel Geld, Zeit und Nerven gehen verloren. Außerdem sind im Baugewerbe die meisten Prozessschritte manuell: Räume vermessen, Fliesen zuschneiden auf den Baustellen, Fliesen positionieren, dokumentieren, …

Wiebke Schumann habe ich für die Tilution GmbH beauftragt hierfür nach Lösungen zu suchen, die einfach zu bedienen sind und gleichzeitig genau genug messen, um den Herausforderungen im Fliesenhandwerk gerecht zu werden. Die am Markt bestehenden Systeme konnten leider unsere Bedürfnisse nicht erfüllen, deshalb haben wir uns mit Prof. Dr. Adrian Krzizok und Dr. Michael Kleinkes zusammengetan, um eine Lösung zu entwickeln, die die Anforderungen im Handwerk erfüllt.

Der Handwerker ist in der Beweislast und hat aufgrund fehlender oder ungenauer Dokumentation oft das Nachsehen. Handwerkerrechnungen werden deshalb oft gekürzt.

Wer steckt hinter Raumcheck?

Dipl. Wirtsch.-Ing. Wiebke Schumann: Wir sind ein Team von 4 IngenieurInnen, die alle bereits lange unternehmerisch tätig sind:

Jan Grünewald. Foto: privat

Dipl. Bau-Ing. Jan Grünewald als Initiator, Bauprofi und Geschäftsführer der Tilution GmbH. Er ist in 2. Generation im Fliesenhandwerk tätig und bringt neben über 20 Jahren Erfahrung in Fliesenprojekten jeglicher Art auch Erfahrung in der Gründung eines Start Ups mit.

Dr. Adrian Krzizok. Foto: privat

Dr. Adrian Krzizok ist Professor für Informatik an der FOM, war jahrelang für Vermessungen von Industriehallen im In- und Ausland tätig und entwickelt federführend den RC1 – unseren Messroboter – und unsere Software.

Dr.-Ing. Michael Kleinkes hat in Robotik promoviert, ist ebenfalls Experte für Messtechnik und bringt u.a. Vertriebs-Know-How aus dem Bereich Bildverarbeitung mit. Beide befassen sich schon länger mit Künstlicher Intelligenz.

Wiebke Schumann. Foto: privat

Ich, Dipl. Wirtsch.-Ing. Wiebke Schumann, habe über 15 Jahre Erfahrung in der Leitung von großen Industrie- und Bauprojekten im In- und Ausland, sowie in der Optimierung und Digitalisierung von Geschäftsprozessen bei großen und mittelständischen Unternehmen.

Zusammen sind wir SiteExperts.

Ihr habt den Roboter ja bereits kurz auf den diesjährigen Sopro Profitagen vorgestellt. Wie war dort die Resonanz?

Jan Grünewald: Sehr positiv. Wir konnten vom Sopro-Profi-Tag viele Impulse und Ideen, Kontaktdaten von Interessenten und wertvolle Marktdaten aus unseren Umfragen mitnehmen. Der Tenor war einstimmig, dass der Weg richtig und sinnvoll ist. Ca. 65 % der Befragten hatten Interesse an einer Nutzung, was aus unserer Sicht das Potenzial klar bestätigt.
Herzlichen Dank nochmal an alle Teilnehmenden und besonders an Mario Sommer und die Sopro!

Video-Interview zum Mess-Roboter RaumCheck:

Ca. 65 % der Befragten hatten Interesse an einer Nutzung, was aus unserer Sicht das Potenzial klar bestätigt.

Wann ist das System marktreif und wie wollt Ihr das System bzw. seine Leistungen am Markt anbieten und vermarkten?

Wiebke Schumann: Wir planen die breite Markteinführung Anfang 2027. Zuvor werden wir schon einige ausgewählte Einsätze machen. Wir planen zunächst 2 Angebote:

Dauermiete + Preis pro Scan: Der Messroboter inkl. Software wird bei uns zu einem erschwinglichen Grundpreis pro Monat gemietet und der Kunde zahlt pro gescannten Raum einen Betrag.

Service: Bei unseren Umfragen hat sich ergeben, dass viele das System gerne auf der eigenen Baustelle erst einmal als Service testen würden, ohne sich länger zu verpflichten, genau dafür soll das Service-Angebot dienen.

Wir planen die breite Markteinführung Anfang 2027.

Können sich auch kleinere Betriebe den Einsatz leisten und was kostet ein solcher Einsatz?

 Jan Grünewald: Ja, denn, um unsere Kunden nicht mit einem großen Anfangs-Investment zu belasten, haben wir genau die oben beschriebenen Angebote strukturiert. Unser System wird sich zum Start nicht für das einzelne Standard-Badezimmer im Privatbereich rechnen. Ab 4-5 Räumen pro Einsatz wird es beim Service interessant. Bei größeren Objekten, wie z.B. Hotels, Krankenhäusern etc. wird der Einsatz sehr attraktiv.

Ab 4-5 Räumen pro Einsatz wird es beim Service interessant.

Kann jeder mit dem System umgehen und was passiert, wenn es mal hakt?

Die Bedienung des Roboters erfolgt über ein handelsübliches Tablet und ist kinderleicht.

Prof. Dr. Adrian Krzizok: Ja, die Bedienung des RC1 ist bewusst sehr einfach gestaltet. Mit einer kurzen Demonstration ist das System auch für ungelernte Mitarbeitende nutzbar. Auch die Bedienung der Software ist bewusst intuitiv strukturiert. Online wird es Videos und andere Materialien geben, die die Nutzung erklären, auch für die nicht alltäglichen Situationen auf der Baustelle. Unser Service kann die Geräte problemlos via Fernwartung erreichen und so Probleme schnell beheben, ohne jedes Mal lange anfahren zu müssen. Die Software läuft in unserer Cloud, so dass der Support bei Bedarf direkt helfen kann.

Die Bedienung des RC1 ist bewusst sehr einfach gestaltet.

Was passiert nach dem Scannen der Räume? Wo wandern die Daten hin und wie können sie eingesetzt bzw. weiterverarbeitet werden?

Prof. Dr. Adrian Krzizok: Die Daten werden auf dem RC1 zwischengespeichert und parallel in unsere Cloud hochgeladen. Unseren Server betreiben wir selbst in Deutschland, so können wir die Datensicherheit voll gewährleisten. Hier erfolgt auch die Verarbeitung automatisiert. Dazu zählen aktuell: Die Vorgewerksprüfung nach DIN 18202 inkl. Ebenheit und Winkligkeitsprüfung, Min-Max-Auswertungen für Wände und Fußboden, KI-Erkennung von Elementen wie Steckdosen, Anschlüssen etc. und Vergleiche mit 3D-Zeichnungen, soweit diese vorhanden sind.

Die vom Roboter ermittelten Daten können vielfältig weiterarbeitet werden.

Die Ergebnisse können über eine Weboberfläche via Internet eingesehen werden – auf der Baustelle oder im Büro. Dadurch ist weder ein Transport von Speichermedien noch eine bestimmte Hardware notwendig. Jeder Nutzende hat immer die aktuelle RaumCheck-Version zur Verfügung. Die Ausgabe ist als PDF – auch direkt als Bedenkenanzeige – oder .ifc-Format für BIM-Anwendungen implementiert. Schnittstellen zum ERP-System können ebenfalls programmiert werden.

Jeder Nutzende hat immer die aktuelle RaumCheck-Version zur Verfügung.

Was ist der Unterschied zu bereits existierenden Scan-Systemen im Markt?

Prof. Dr. Adrian Krzizok: Aus Handwerker-Sicht gibt es 3 Arten von Messsystemen am Markt: einfache Messsysteme, punktuelle Messsysteme und Laserscanner. Die einfachen Messsysteme arbeiten über Lidar-Sensoren oder Fotogrammmetrie teilweise reicht hierfür ein Handy. Sie sind gut für eine schnelle, grobe Erfassung des Raumes geeignet, z.B. für ein Bestellaufmaß oder eine Kundenvisualisierung. Leider haben diese einfachen Messsysteme nicht die erforderliche Genauigkeit für Vorgewerksprüfungen, die Berechnung von Volumina, Vorfertigung etc.

Punktuelle Messsysteme sind bereits recht genau, allerdings muss ein Nutzer einzeln und zeitaufwendig die benötigten Messpunkte antasten. Dazu muss die Person wissen, welche Punkte wichtig sind, wie z.B. ein ausgebildeter Handwerker. Wenn Punkte vergessen werden, wird es kritisch und Volumina können nur sehr ungenau geschätzt werden. Laserscanner vermessen den gesamten Raum mit einer Genauigkeit von ca. 2-5 mm. Sie werden typischerweise von Messingenieuren eingesetzt, da die Systeme von Hand umgesetzt werden müssen und hierbei gibt es vieles zu beachten.

Unser System ist genauer als alle aktuell am Markt erhältlichen Systeme und dabei leicht zu bedienen.

Die Auswertung danach ist sehr zeitaufwendig und kostspielig und wird z.B. von einem technischen Zeichner mit einem speziell lizenzierten Programm durchgeführt. Die fehlende Genauigkeit und der Aufwand disqualifizieren daher auch Laserscanner für alltägliche Bau-Aufgaben gerade im Fliesenbereich. Hier setzten wir an. Unser System ist genauer als alle aktuell am Markt erhältlichen Systeme und dabei leicht zu bedienen.

Welche Rechtssicherheit bietet das System im Falle eines Konfliktes mit der Bauleitung bzw. dem Auftraggeber?

Prof. Dr. Adrian Krzizok: Die Messdaten werden mit Abschluss der Messung mit einem Prüf-Code versehen und zentral gespeichert. Jede Manipulation würde daher auffallen, sodass die Messdaten auch in einem potenziellen Rechtsstreit belastbar sind.

Die Messdaten sind auch in einem potenziellen Rechtsstreit belastbar.

Welchen Erfolg bzw. Absatzchancen erwartet ihr von Eurem System? Können auch Verleger im Ausland RaumCheck einsetzen?

In Scheden wurde eine Muster-Baustelle mit zahlreichen Kniffen und schwierigen Einbausimulationen errichtet, um den Roboert realitätsnah mit Daten zu füttern.

Wiebke Schumann: Wir schätzen das Marktpotential weit über 1.000 Geräte über die verschiedenen Bauakteure und Gewerke allein im deutschen Markt. Hier sind wir zu Hause, hier planen wir unseren Markteintritt zuerst, auch weil wir hier die Gesetzgebung und Normenlandschaft am besten kennen. Die Physik funktioniert zum Glück überall gleich, sodass eine Expansion ins Ausland ebenfalls attraktiv für uns ist. Unsere Angebotsstruktur haben wir bewusst so gestaltet, um möglichst viele potenzielle NutzerInnen zu überzeugen.

Wir schätzen das Marktpotential weit über 1.000 Geräte allein im deutschen Markt.

Welche weiteren Angebote und Dienstleistungen sind im Rahmen einer modernen, digitalen Baustelle denkbar, die an die Leistungen des Roboters anknüpfen?

 Jan Grünewald: Hier bietet sich enormes Potenzial: Millimetergenaue Fliesenverlegeplanung, automatisiertes Vorschneiden von Löchern und Fliesenanschnitten vor Anlieferung an die Baustelle, überhaupt die Optimierung der gesamten Logistikkette zur Bauwertschöpfung bis hin zu automatischen Verlegesystemen und automatischer Dokumentation der Arbeit. Wir von SiteExperts sind auch nach dem RaumCheck noch lange nicht fertig. Die Zukunft wird sehr spannend! Alles startet mit einer sehr guten Datenbasis, und die liefern wir!

 

Roboter scannt typische Baustellensituationen

Am Firmenistz von Tilution in Scheden bei Göttingen hat man diverse Räume aufgebuat, die typische Baustellensituationen nachstellen – darunter Duschnischen, Bodenabläufe, Unterputzarmaturen, unterschiedliche Wand- und Deckenaufbauten sowie bewusst eingebaute Mängel, wie unebene Wände oder fehlerhafte Estriche. Ziel ist es, dass der Roboter verschiedene Materialien, Einbauten und Oberflächen sicher erkennt und korrekt interpretiert und dessen KI darauf trainiert wird.

 

Vollständige Digitalisierung in unter 15 Minuten

Gesteuert wird der rund 20 Kilogramm schwere Roboter über ein iPad. Nach einer ersten 360-Grad-Erfassung navigiert das Gerät selbstständig durch den Raum. Dabei werden Wände, Boden und Decke schrittweise mit mehreren Sensorsystemen digitalisiert. Laut den Entwicklern entstehen pro Raum rund 15 Millionen Messpunkte bei einer Datenmenge im Gigabyte-Bereich. Die komplette Digitalisierung eines Badezimmers soll weniger als 15 Minuten dauern.

 

Zwei Sensorsysteme für hohe Genauigkeit

Für die Messung kombiniert der RC1 einen 3D-Wandscanner mit einem separaten Bodenscanner. Dadurch sollen im Abstand von ein bis vier Metern Genauigkeiten von bis zu 0,5 Millimetern möglich sein. Nach Angaben von Prof. Dr.-Ing. Adrian Krzizok liegt die Präzision damit deutlich über vielen bestehenden Systemen. Perspektivisch soll der Roboter zudem kompakter und leichter werden.

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