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Bei einem Trend-Workshop in einer alten Keramikfabrik in Onda konnten die Journalisten selber mit den Fliesen Einrichtungstrends und Farbwelten kombinieren. Alle Fotos: Redaktion
Bei einem Trend-Workshop in einer alten Keramikfabrik in Onda konnten die Journalisten selber mit den Fliesen Einrichtungstrends und Farbwelten kombinieren. Alle Fotos: Redaktion

Time of Spain: Spaniens Fliesenindustrie organisiert sich neu

Nach dem Aus für die spanische Fliesenfachmesse Cevisama im Februar sucht Spaniens Fliesenindustrie nach einem neuen Taktgeber. Mit „Time of Spain“ bündelt der Herstellerverband ASCER erstmals Hausmessen, Branchenevents und internationale Besuche zu einem gemeinsamen Auftritt in Castellón. 1200Grad war vor Ort – und hat eine Branche erlebt, die sich neu sortiert und dennoch entschlossen nach vorne blickt.

Die Cevisama war jahrzehntelang für die Keramikindustrie ein Fixpunkt im europäischen Messekalender. Seit dem vergangenen Jahr findet sie jedoch nicht mehr als eigenständige Fachmesse im Februar in Valencia statt. Stattdessen wurde sie in die Möbel- und Einrichtungsmesse Feria Hábitat València im September integriert. Für Fliesenfachleute ist dieser Termin wenig attraktiv – nicht zuletzt, weil zeitgleich die Cersaie in Bologna stattfindet. Die Folge: Orientierungslosigkeit im Markt und viele individuelle Hausmessen ohne gemeinsames Dach. Genau hier setzt nun eine neue Initiative an.

Bei diversen Stadtrundgängen wurde den Journalisten aus der ganzen Welt die spanische Keramikkultur näher gebracht.

„Time of Spain“ bündelt die Kräfte in Castellón

ASCER Verbandspräsident Vicente Nomdedeu Peris.

Unter dem Namen „Time of Spain“ hat der spanische Herstellerverband ASCER kurzfristig ein Ersatzformat geschaffen. Ziel ist es, die letzten Februartage und die ersten Märztage als feste „Zeit der spanischen Keramikfliese“ zu etablieren. Über 60 renommierte spanische Fliesenhersteller haben sich an der Premiere beteiligt. Unterstützt wird die Initiative unter anderem von ICEX und IVACE, die internationale Händler- und Pressebesuche organisieren. Das Dach bildet die bekannte Exportmarke „Tile of Spain“.

Verbandspräsident Vicente Nomdedeu Peris betonte in der Pressekonferenz, dass „Time of Spain“ bewusst flexibel angelegt sei. Die Türen stünden weiteren Herstellern offen. Man habe das Projekt in weniger als zwei Monaten auf die Beine gestellt – auch als Signal in einer schwierigen Marktsituation. Gerade jetzt sei ein geschlossener Auftritt wichtiger denn je.

Programm zwischen Kultur und Konferenz

1200Grad war drei Tage in Castellón und Onda unterwegs. Der Auftakt begann mit einer „Ceramic Tour“ durch Castellón, gefolgt vom Empfang im Museum of Fine Arts – einem bewusst kulturellen Einstieg in die Keramikwelt der Region, die traditionell rund um Valencia und Castellon seit jeher eine wichtige Rolle spielt – als Arbeitgeber, Wirtschaftsmotor und auch kulturelles Vermächtnis.

Auf der internationalen Pressekonferenz wurden wie früher auf der Cevisama auch die Architekturpreise übergeben. Eine Podiumsdiskussion zur Situation der Fliesenbranche rundete die Veranstaltung ab.

Am zweiten Tag stand die internationale Pressekonferenz im Bellver Blue Tech Zone im Mittelpunkt. Diskutiert wurden aktuelle Branchendaten und Strategien für die kommenden Jahre. Es folgte die Verleihung der Tile of Spain Awards für diverse Architekturbüros.

Am Nachmittag öffneten Unternehmen wie Porcelanosa und Bestile ihre Showrooms und Werke für geführte Besichtigungen. Ergänzt wurde das Programm durch eine Ausstellung zu keramischen Stadtprojekten. Optional stand noch ein Besuch bei Natucer auf dem Programm.

Video-Interview mit Mireira Llinares, ASCER, zu Time of Spain:

Der dritte Tag führte nach Onda, inklusive Altstadtführung und einem Trend-Workshop „Ceramic tile trends for 2026“ in einer umgebauten historischen Keramikfabrik. Lutzía Ortiz und Ana Benavente vom Institut keramischer Technologie gaben den Zuhörern dort einen eindrucksvollen Blick in die aktuellen Keramiktrends (www.tileofspain.de/fliesentrends/trends). Brickformate, Used-Look, Pastelltöne – allen voran sanfte Grün- und Blautöne, organische Formen sowie natürliche Design und hapitsche Oberflächen mit raffinierten Glasureffekten prägen aktuell das Bild der spanischen Fliesenwelt.

Bei einem Trend-Workshop „Ceramic tile trends for 2026“ in einer umgebauten historischen Keramikfabrik in Onda erläuterten Lutzía Ortiz (vorne rechts) und Ana Benavente vom Institut keramischer Technologie die aktuellen Fliesentrends 2026.

Industrie zwischen Wachstum und Unsicherheit

Die spanische Industrie bewegt sich in einem Spannungsfeld. Die Instabilität der Bauwirtschaft, die Auswirkungen internationaler Konflikte und neue US-Zölle belasten die Märkte. 2025 sei ein Jahr der Unsicherheit gewesen, so der Tenor.

Dennoch konnten Umsatz und Absatz zuletzt wieder leicht wachsen. Die starke Exportorientierung der spanischen Hersteller sorgt für Resilienz. Neue Handelsabkommen und die breite internationale Aufstellung helfen, Schwankungen in einzelnen Märkten auszugleichen. Gleichzeitig will man Länder wie Indien oder China künftig noch stärker in den Fokus nehmen.

Die spanische Fliesenindustrie hat 2025 ein Produktionsvolumen von 427 Mio. qm erzielt (+2,7 %). Das entspricht einem Gesamtumsatz  von 4,8 Mrd. Euro (+1%). Der Verkauf in Spanien lag bei 1,3 Mrd. Euro (+3,1%), der Export bei 3,4 Mrd Euro. (+0,2%). Insgesamt beschäftigten die Werke im vergangenen Jahr 15.939 Mitarbeiter (+1,4 %).

Auf der Pressekonferenz wurden auch die Produktions- und Umsatzzahlen der spanischen Fliesenindustrie für 2025 präsentiert.

Die Exporte der spanischen Fliesenindustrie

Bei den Exporten nahm weiterhin Europa mit einem Anteil von 51 % den größten Anteil ein, gefolgt von Nord-Amerika mit 15,9 % und Asien mit 14,1 %.
Ein Blick auf die in Castellón präsentierte Grafik zu den Top-10-Exportmärkten 2025 zeigt folgende Verteilung: Wichtigster Absatzmarkt bleiben die USA mit 465,4 Mio. Euro (-1,0 %), gefolgt von Frankreich mit 379,2 Mio. Euro (-5,8 %). Das Vereinigte Königreich kommt auf 196,5 Mio. Euro (+2,5 %), Italien auf 150,5 Mio. Euro (-4,3 %). Deutlich gewachsen sind die Exporte nach Israel mit 141,7 Mio. Euro (+17,1 %) sowie nach Marokko mit 140,9 Mio. Euro (+13,2 %).
Auf den weiteren Plätzen folgen Deutschland mit 122,6 Mio. Euro (-3,2 %), Portugal mit 120,9 Mio. Euro (+6,4 %), Griechenland mit 85,9 Mio. Euro (+0,5 %) sowie Belgien mit 74,4 Mio. Euro (-0,1 %).

Damit zeigt sich ein differenziertes Bild: Während klassische Kernmärkte wie die USA und Frankreich leicht rückläufig sind, sorgen dynamisch wachsende Destinationen außerhalb der EU für wichtige Impulse im spanischen Exportportfolio.

Nachhaltigkeit als strategischer Vorteil

Ein weiteres Branchenthema bleibt die Nachhaltigkeit. Die spanischen Hersteller sehen die strengen Umweltauflagen nicht nur als Bürde, sondern langfristig als Wettbewerbsvorteil.

Firmen- und Werkbesuche bei Herstellern wie Porcelanosa und Bestile (Foto) rundeten das Programm für die Presse ab.

Der Ausbau von Photovoltaikanlagen ist weit fortgeschritten. Erste Elektroofen-Projekte sind installiert, auch Wasserstofftechnologien werden getestet. Allerdings appellierte Peris an die Politik, die Stromnetze schneller auszubauen. Die Industrie stoße bereits heute an Kapazitätsgrenzen. Ohne leistungsfähige Infrastruktur lasse sich die Transformation nicht stemmen.

Blick nach Deutschland – Cevisama-Rückkehr unsicher

Mit Blick auf den deutschen Markt zeigte sich ASCER vorsichtig. Der Rückgang von 3,2 % spricht für sich. In 2024 hatte der Rückgang sogar noch 9,9% betragen. Der Bausektor warte weiterhin auf Impulse im Neubau. Investitionen blieben verhalten, die Erholung lasse auf sich warten. Entsprechend wichtig sei es, den Dialog mit Handel und Planern aufrechtzuerhalten.

Auf die Frage von 1200Grad, ob die Cevisama als eigenständige Messe im Februar noch einmal eine Chance bekomme, reagierte Peris zurückhaltend. Der Fokus liege derzeit auf „Time of Spain“ als neuem Rahmenkonzept.

Blick in die Continua+ Produktion bei Porcelanosa.

Damit zeichnet sich ab: Die klassische Messebühne soll durch ein dezentrales Format mit Hausmessen ersetzt werden. ASCER setzt dafür die organisatorische Klammer mit einer Website www.timeofspain.com, auf der alle notwendigen Informationen für einen Besuch der teilnehmenden Firmen zu finden sind. Ob sich dieses Modell dauerhaft im internationalen Terminkalender der Fliesenwelt etabliert, wird sich zeigen.

Impressionen von Time of Spain:

 

Die teilnehmenden Firmen an Time of Spain

Adex, Alttoglass, Aparici, Apavisa, Arcana Cerámica, Argenta Cerámica, Arklam, Ascale, Azulejos Benadresa, Azulev, Azuvi, Baldocer, Bestile, Cerámicas Fanal, Cermer, Cerámica Da Vinci, Cerámica Saloni, Cerámica Vilar Álbaro, Cevica, Cicogres, Cifre Cerámica, Colorker, Cristacer, Decocer, Dune, Ecoceramic, El Barco, El Molino, Emotion Ceramics, Equipe, Estudio Cerámico, Etile, Exagres, Fabresa, Faveton, Gayafores, Geotiles, Gres Aragón, Grespania, Grupo Greco Gres, Halcón Cerámicas, Insca, ITT Ceramic, Keraben | Ibero | Metropol, La Platera, Livingceramics, Mainzu, Marazzi, Mayor, Natucer, Navarti, Onix, Oset, Pamesa Cerámica, Peronda Group, Porcelanite Dos, Porcelanosa Grupo, Prissmacer Cerámica, Proconcept, Realonda, Roca Tiles, Rocersa, SQ Mosaic, Superceramica, TAU Cerámica, Undefasa, Vives, WOW Design.

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