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Die Keramika fand in diesem Jahr zum ersten Mal in der alten Lokhalle in Göttingen statt. Alle Fotos: Redaktion
Die Keramika fand in diesem Jahr zum ersten Mal in der alten Lokhalle in Göttingen statt. Alle Fotos: Redaktion

Keramika 2026: hagebau gibt der Fliese eine neue Plattform

Die Hausmesse der hagebau hat sich in den letzten Jahren zu einem wichtigen Termin im Kalender der Fliesenbranche entwickelt. In der Lokhalle Göttingen trafen sich nun wieder Handel, Handwerk, Industrie und erstmals auch Architekten, um an zwei Tagen Trends, Produkte und Konzepte rund um Keramik zu diskutieren. Für den ersten Tag wurden rund 750 Gäste begrüßt, für den Architektentag zählte man noch einmal etwa 400 zusätzliche Besucher.

Die Hausmesse der hagebau hat in ihrer Geschichte bereits einige Veränderungen erlebt. Ein Jahr musste die Veranstaltung pandemiebedingt pausieren, außerdem wechselte sie den Standort von Mainz nach Göttingen. Mit dem neuen Veranstaltungsort wurde auch das Konzept weiterentwickelt. Die Keramika fand in diesem Jahr zum ersten Mal in der alten Lokhalle in Göttingen statt. Eine gute Wahl: Die Halle hat mit ihrer nostalgischen Stahlträger-Konstruktion Atmosphäre und liegt strategisch günstig am Bahnhof und in der Nähe mehrerer Hotels.

Blick auf den Catering-Bereich.

Erstmals setzte man an den beiden Tagen unterschiedliche Schwerpunkte. Am ersten Tag richtete sich die Messe vor allem an Händler und Verarbeiter. Der zweite Tag war gezielt für Architekten und Planer konzipiert – eine Zielgruppe, die bei der Keramika erstmals stärker angesprochen wurde. „Wir wollten ein Format schaffen, das fachlich tief geht, aber gleichzeitig Begegnung ermöglicht“, erläuterte Andreas Wiemers, hagebau Bereichsleiter Fliese, gegenüber 1200Grad.

Fachvorträge als Impulsgeber

Begleitende Fachvorträge sorgten an beiden Tagen für zusätzliche inhaltliche Impulse. Die Themen reichten von neuen Badkonzepten über Flächenheizungen bis hin zum Einsatz von KI in der Fliesenbranche. Dinu Manns (Bluprint) und Ulrich Griesar beleuchteten in ihrem Vortrag „Next Level KI in der Fliesenbranche“ digitale Chancen und Game-Changer für das Handwerk. In ihrem spannenden Vortrag stellten sie den Besuchern auch gleich zehn Prompts zur Bedienung der KI zur Verfügung, mit denen sich in Sekundenschnelle professionelle Angebote erstellen lassen.

Stefan Bohlken, Fliesenlegermeister und bekannter Branchenbotschafter, sorgte mit seiner „Liebeserklärung an die Fliese“ für emotionale Momente

Stefan Bohlken, Fliesenlegermeister und bekannter Branchenbotschafter, sorgte mit seiner „Liebeserklärung an die Fliese“ für emotionale Momente: „Fliese ist mehr als Material – sie ist Ausdruck von Handwerksstolz und Gestaltungskultur,“ so Bohlken.

Auch der zweite Tag bot mit dem Keramik-Forum renommierte Architekten wie Sigurd Larsen, Paola Bagna und Hadi Teherani eine Bühne, die über Material, Raum und Atmosphäre sprachen. Diese Kombination aus Praxisbezug und gestalterischem Anspruch machte die Messe für viele Besucher besonders wertvoll.

Verhaltener Start – voller Nachmittag

Der Auftakt verlief zunächst etwas verhalten. Winterliches Wetter erschwerte vielen Besuchern die Anreise nach Göttingen. Entsprechend brauchte die Messe einige Stunden, bis sich die Hallen spürbar füllten. Am Nachmittag änderte sich das Bild jedoch. Die Stände waren besser besucht, Gespräche wurden intensiver und die Atmosphäre lockerer. Den Abschluss des ersten Tages bildete ein gemeinsamer Abend mit Musik, Wein und Bier.

Dinu Manns (Bluprint) und Ulrich Griesar (lks.) in ihrem Vortrag „Next Level KI in der Fliesenbranche“

In Göttingen setzte die hagebau bewusst auf einen klaren Produktschwerpunkt. Anders als bei vielen anderen Branchenveranstaltungen standen ausschließlich Fliesen und Zubehör im Mittelpunkt. „Wir wollten keine Messe machen, die alle Bodenbeläge umfasst, sondern ganz bewusst die Fliese in den Fokus stellen“, erklärte Wiemers. Ob das jetzige Konzept auch in Zukunft beibehalten wird, ließ er offen.

Der Hintergrund dieser Entscheidung liegt auch in der aktuellen Messelandschaft. Eine reine Fliesenfachmesse mit Relevanz für den deutschen Handel gibt es derzeit kaum noch. Selbst große Veranstaltungen wie die BAU können diese Rolle nur teilweise erfüllen, auch weil sie nur alle zwei Jahre stattfinden. Die spanische Cevisama pausiert derzeit, und viele italienische Hersteller reduzieren ihre Präsenz auf der Cersaie.

40 Aussteller und erste Trends für 2026

Insgesamt präsentierten in Göttingen rund 40 Aussteller ihre Produkte in der Lokhalle. Fliesenhersteller und Zubehöranbieter waren dabei ungefähr gleich stark vertreten. Viele Unternehmen zeigten nicht nur aktuelle Kollektionen, sondern auch erste Ausblicke auf kommende Entwicklungen. Besucher konnten Innovationen aus der letzten Cersaie sehen – teilweise sogar ergänzt durch Vorschauen auf das Jahr 2026.

Video-Interview mit Andreas Wiemers und Marc Dennis Nabenhauer über die Keramika:

Auch die hagebau selbst nutzte die Plattform, um ihre Eigenmarken zu präsentieren. Dazu gehören unter anderem IGA McTile und Wunderwerk. Parallel wurden Konzepte für digitale Showrooms vorgestellt, die den stationären Handel künftig unterstützen sollen.

Eigenmarken gewinnen weiter an Bedeutung

Die hagebau präsentierte auch ihre Eigenmarken.

Ein wichtiges Thema innerhalb der Kooperation bleibt der Ausbau der Eigenmarken. In den vergangenen Jahren ist ihr Anteil kontinuierlich gestiegen. Im Bereich Fliesen und Zubehör liegt er inzwischen bei rund 14 Prozent. Für die Mitglieder bieten diese Produkte mehrere Vorteile. Zum einen entstehen Preisvorteile durch den Zentraleinkauf. Zum anderen vergibt die hagebau teilweise regionale Exklusivrechte. Rund zwei Millionen Quadratmeter Fliesen werden jährlich im Eigenmarkensegment eingekauft. Für viele Händler ist das inzwischen ein wichtiger Bestandteil ihrer Sortimentsstrategie.

Hausmessen als wachsender Branchentrend

Die Keramika ist Teil einer ganzen Reihe von Veranstaltungen innerhalb der Kooperation. Die hagebau organisiert jährlich eine ganze Reihe diverser Messen für unterschiedliche Sortimentsbereiche – etwa Holz oder Tiefbau. Die Keramika nimmt dabei eine besondere Rolle ein. Sie ist die einzige Veranstaltung der Gruppe, die sich ausschließlich der Produktwelt Fliese widmet. „Hausmessen sind aktuell in der Fliesenbranche ein klarer Marketingtrend“, sagt Andreas Wiemers. „Mit der Keramika erreichen wir ein Publikum aus ganz Deutschland – das unterscheidet uns von vielen regionalen Veranstaltungen.“

Die Messe brauchte Wetter bedingt etwas Anlauf bis sie in Schwung kam, nachmittags waren die Ständer voller.

Dass die Messe gut besucht war, lag auch an der intensiven Bewerbung im Vorfeld. Über Social Media, Fachmedien und direkte Ansprache wurden Händler, Handwerker und Planer gezielt nach Göttingen eingeladen.

Am Ende zeigte sich: Das neue Konzept funktioniert, auch wenn man abwarten muss, wie die Idee des Architektentages von den Ausstellern und der hagebau im Nachgang bewertet wird. Die Keramika hat sich als kompakter Branchentreff etabliert – und könnte angesichts der dünner werdenden Messelandschaft weiter an Bedeutung gewinnen.

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