Im Vorfeld des Sopro Profi-Tages 2026 hatte die Sopro Bauchemie Fachjournalisten zu einer Pressekonferenz an den Sopro Campus in Mainz-Kastel eingeladen. Die Geschäftsführer Sebastian Kammerer und Jens Schuchmann, die erst seit rund einem Jahr im Amt sind, eine Premiere. Sie gaben in Mainz einen umfassenden Einblick in Marktentwicklungen, strategische Entscheidungen und die Ausrichtung des Unternehmens in einem weiterhin schwierigen Umfeld.
Neben Journalisten waren auch ausgewählte Branchenvertreter anwesend. Sven Blümel, kommissarischer Vorsitzender des FFN, und Andreas Beyer, Teamchef der Fliesen-Nationalmannschaft, nutzten die Gelegenheit, den Journalisten die Tätigkeiten des FFN sowie der Nationalmannschaft vorzustellen.

Sven Blümel, kommissarischer Vorsitzender des FFN, berichtete über die Verbandsarbeit.
Kammerer machte zu Beginn deutlich, dass es Sopro wichtig sei, den Dialog mit der Branche zu suchen und Entwicklungen offen anzusprechen. Man wolle nicht nur auf das eigene Unternehmen schauen, sondern das Gesamtbild im Blick behalten – national wie international. „Es ist nicht alles rosig“, sagte Kammerer und setzte damit den Ton für eine Pressekonferenz, die von Realismus geprägt war.
Regulatorische Eingriffe und politische Rahmenbedingungen
Einen Schwerpunkt seiner Ausführungen legte Kammerer auf die zunehmenden regulatorischen Anforderungen, insbesondere aus Brüssel. Viele EU-Vorgaben seien gut gemeint, hätten in der Praxis jedoch weitreichende Konsequenzen für Hersteller, Handel und Handwerk. Als Beispiel nannte er die Mikroplastik-Verordnung, die dazu führte, dass Sopro seine Gitterfugen aus dem Sortiment nehmen musste, weil sie nicht mehr normkonform waren. Solche Eingriffe wirkten sich unmittelbar auf Produktstrategien und Entwicklungsarbeit aus.
Auch die politischen Bemühungen, das Bauen wieder günstiger zu machen, bewertete Kammerer differenziert. Zwar sei es richtig, die Baukosten senken zu wollen, doch selbst eine Halbierung der aktuell bei rund 5.000 Euro pro Quadratmeter liegenden Kosten würde das Bauen nicht automatisch wieder ankurbeln. Die Folgen seien bereits sichtbar: kleinere Wohnungen, weniger Flächen, weniger Fliesen und ein geringerer Bedarf an bauchemischen Produkten.

Sebastian Kammerer: „Wir mussten ziemlich viel strampeln, um auf das gleiche Ergebnis zu kommen“.
Schwacher Neubau, rückläufiger Markt
Die Zahlen unterstreichen diese Einschätzung. Die Zahl der Baugenehmigungen hat sich nahezu halbiert, das Bauhauptgewerbe verzeichnete ein Umsatzminus von 5,6 Prozent. Auch der Heimwerkerbereich blieb nicht verschont. In der Bauchemie ging der Markt um 1,6 Prozent zurück, wobei die Sopro-Marke Racofix dennoch Marktanteile gewinnen konnten.
Der deutsche Fliesenmarkt entwickelte sich 2025 ebenfalls rückläufig. Der Verbrauch sank um 3,4 Prozent auf 86,4 Millionen Quadratmeter. Besonders stark betroffen waren klassische Anwendungsbereiche, wobei Kammerer betonte, dass sich andere Bodenbeläge nicht besser entwickelt hätten als die Fliese. Der Markt insgesamt bleibt angespannt.
Video-Interview mit Sebastian Kammerer und Jens Schuchmann:
Sopro behauptet sich im schwierigen Umfeld
Vor diesem Hintergrund ordnete die Geschäftsführung die eigene Entwicklung ein. Der Umsatz von Sopro sei stabil geblieben, der Absatz habe sich im niedrigen einstelligen Bereich bewegt (leider gab Sopor in diesem Jahr keine konkreten Umsatz- und Absatzzahlen an). Für 2025 habe man bewusst auf Preiserhöhungen verzichtet. Diese Entscheidung habe zwar Druck auf die Ergebnisse ausgeübt, zugleich aber geholfen, Marktanteile zu gewinnen. „Wir mussten ziemlich viel strampeln, um auf das gleiche Ergebnis zu kommen“, sagte Kammerer rückblickend.
Für 2026 kündigte Sopro eine moderate Preiserhöhung von 2,8 Prozent an. Laut Kammerer sei diese im Markt auf Verständnis gestoßen. Gleichzeitig zeigte er sich vorsichtig optimistisch. Für 2026 wird mit einem Zuwachs des Fliesenverbrauchs von rund 3,1 Prozent gerechnet. Kammerer sprach davon, dass der Tiefpunkt der Bauwirtschaft möglicherweise erreicht sei, auch wenn der Neubau weiterhin ein Problemfeld bleibe.

Sebastian Kammerer und Jens Schuchmann gaben dabei einen umfassenden Einblick in Marktentwicklungen.
Fokus auf Renovierung und Sanierung
Entsprechend richtet Sopro seinen strategischen Fokus weiterhin stark auf Renovierung und Sanierung. In diesem Segment ist das Unternehmen traditionell gut aufgestellt und sieht auch künftig die größten Potenziale. Der Neubau dagegen bleibe ein Sorgenkind, das kurzfristig kaum für Entlastung sorgen werde.
Ein wichtiger Baustein der Weiterentwicklung ist die Integration von Rasco in die Sopro Bauchemie. Die Rasco Bitumentechnik GmbH mit Standort in Augustdorf wurde als übertragende Gesellschaft auf die Sopro Bauchemie GmbH verschmolzen. Damit erweitert Sopro nicht nur sein Portfolio, sondern auch seine Beratungskompetenz. Rund 80 neue Mitarbeitende kamen hinzu, insgesamt beschäftigt das Unternehmen nun über 500 Mitarbeiter. Im Rasco Standort Augustdorf gibt es nun eine zweite Heimat für Schulungen seitens der ProfiAkademie sowie für den Bereich F&E (Forschung und Entwicklung).
Vertrieb, Internationalisierung und Campus
Auch strukturell hat Sopro nachgeschärft. Der Vertrieb wurde neu organisiert (siehe Bericht hier), die Zahl der Vertriebsleiter erhöht, um gezielter auf Marktanforderungen reagieren zu können. In den Niederlanden wurde eine neue Geschäftsführung eingesetzt (wir berichteten bereits hier), das internationale Geschäft entwickelt sich laut Jens Schuchmann weiterhin dynamisch.

Jens Schuchmann erläuterte das internationale Geschäft der Sopro.
Eine zentrale Rolle spielt dabei der Sopro Campus in Mainz-Kastel. Er hat sich zu einem zentralen Ort für Schulung, Austausch und Kundenbindung entwickelt. Über die ProfiAkademie werden hier jährlich zahlreiche Fachhandwerker, Händler und Partner weitergebildet – ein wichtiger Faktor in Zeiten steigender technischer und regulatorischer Anforderungen. „Wir schulen mittlerweile zwischen 25.000 und 28.000 Menschen pro Jahr“, erklärte Mario Sommer, Leiter der Sopro Technik.
Innovation und Service
Mit Blick nach vorn stellte Kammerer klar, dass Sopro auch 2026 stark in Innovationen investieren wird. Schwerpunkte liegen unter anderem im Bereich Estrich, bei Bauwerksabdichtungen sowie im Clean-&-Care-Sortiment (wir werden über die Neuheiten noch ausführlich berichten).
Gleichzeitig betonte Kammerer die Bedeutung der Servicekompetenz. Sie sei ein echtes Differenzierungsmerkmal im Markt. Darüber hinaus richtete er einen klaren Appell an die Branche: Der Fliesenmarkt habe weiterhin großen Nachholbedarf, nicht nur wirtschaftlich, sondern auch im Selbstverständnis. Es brauche mehr Innovationskraft, produktivere Baustellen und einen stärkeren Schulterschluss. „Wir müssen uns besser und selbstbewusster darstellen“, so Kammerer.
Mario Sommer und Björn Rosenau, Leiter Sopro Objektberatung, beendeten die Pressekonferenz mit Vorträgen zur Akademie, Produktneuheiten und verschiedenen Referenzobjekten.

Mario Sommer, Leiter der Sopro Technik, informierte über die zahlreichen Schulungsaktivitäten.





