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Steuler-Neuheiten: „Wir wollen den mittleren Trend treffen“

Neue Formate, neue Glasurtechnik, neue Holzfliesen, neue Feinsteinzeugkollektionen

Wenn Deutschlands aktuell größter Fliesenhersteller eine Woche vor der wichtigsten Fliesenfachmesse zur Präsentation seiner Neuheiten einlädt, darf man zu Recht gespannt sein. Eine Handvoll Fachjournalisten hatten kurz vor der Cersaie die Gelegenheit, im Werk Höhr-Grenzhausen einen Blick auf die kommenden Novitäten zu werfen und sich mit der Geschäftsleitung über die Ziele für das kommende Jahr zu unterhalten.

Bereits seit vier Jahren zeigt die Steuler Gruppe Marken übergreifend vor der Cersaie hausintern seine Neuheiten. Vor allem die eigenen Mitarbeiter und der Außendienst sollen so vor dem Event in Bologna auf dem Laufenden sein, was die Steuler Gruppe vor allem für ihre Marken Kerateam, Nordceram, Steuler Fliesen und Grohn in den nächsten Monaten in die Musterschränke packen möchte.

André Steiner mit der neuen Serie 06 Mono

Gemäß dem Motto „weniger ist mehr“ zeigte man am Standort Höhr-Grenzhausen, in dem vorrangig Spezial-Keramik für den Anlagenbau produziert wird, für jede Marke ca. 3-4 Neuheiten. Und wer nicht so viele Pfeile im Köcher hat muss erfahrungsgemäß besonders gut zielen. „Bei einer so überschaubaren Anzahl von Innovationen können wir uns eigentlich keinen Flop erlauben, so Stefan Zeidler, Geschäftsführer der NordCeram GmbH. Umso ausgiebiger wird im Vorfeld von den hauseigenen Designern nach den neusten Trends geforscht, werden technische Lösungen ausprobiert, Kunden befragt, Versuche gestartet.

Detailverbesserungen mit der digitalen Glasurtechnik

Beim Blick auf das Programm für 2019 scheint es so, als habe sich die Mühe gelohnt. Besonders die Detailverbesserungen, die Steuler mit der digitalen Glasurtechnik („Rocker Effekt“) vorgenommen hat, lässt die aktuellen Fliesenserien wertiger und nuancierter erscheinen.

Die neue Serie 06Kalkstein.

„Mit dieser neuen Technologie im Bereich der keramischen Dekoration ist es möglich, den bisher nur eindimensional, also glatten Digitaldruck, mit einem Relief zu kombinieren“, erklärt André Steiner, Marketingleiter der Norddeutsche Steingut AG. Mit den in die Fliese gepressten Strukturen waren auch früher bereits Vertiefungen möglich. Nun aber sind diese Effekte genau dort zu platzieren, wo das Motiv auch eine Unebenheit der Oberfläche optisch abbildet. So sind nicht nur Steinstrukturen, sondern auch Holzmaserungen und geometrische Formen mit „Rocker“ dreidimensional umsetzbar.

Darüber hinaus wurde das bisher sehr Steingut lastige Programm weiter um diverse Feinsteinzeuglinien in 6 mm ergänzt. Auch das aktuell stark gefragte 2 cm Format findet sich in verschiedenen Varianten im neuen Programm.

Möglich wurden diese Innovationen erst durch diverse Investitionen in die Produktionstechnologie, die die Gruppe in den vergangenen Jahren an verschiedenen Standorten getätigt hat. Besonders Kerateam wurde dabei berücksichtigt. So wurden am Standort in Leisnig nicht nur zwei neue Digitaldrucker in Betrieb genommen, sondern 2017 auch eine neue Rektifizierungsanlage.

Gelungene Marmor Imitation: die neue Serie Magna. Foto: Kerateam

Aufgrund dieser neuen Produktionstechniken und Veredelungsverfahren ist Kerateam heute in der Lage, dem Endverbraucher eine neue Vielfalt an anspruchsvollen Dekorationen anzubieten. Nach wie vor großer Nachfrage erfreuen sich die Interpretationen natürlicher Materialien wie Stein, Holz oder auch Textilien. Mit Magna bringt Kerateam aktuell eine Produktneuheit auf den Markt, die das Thema Marmor überzeugend umsetzt. Die rektifizierte Fliesenneuheit des sächsischen Herstellers wird im Format 30-60 cm angeboten.

Größenvergleich: Neben Marektingleiter Stefan Grimmeisen wird deutlich, welche Dimensionen das neue Super-Kingsize-Format hat.

Neues Super-Kingsize-Format 120 x 260

Mutig zeigt man sich auch bei den Formaten. Neben dem neuen Großformat der imposante Feinsteinzeugserie „Kalmit“ im Super-Kingsize-Format 120 x 260 cm in 6 mm Stärke (zugekauft) gab es bei einigen Serien neue Abmessungen (z.B. Paint 40 x 120 cm ) zu bewundern, die neu im Portfolio sind. Bei den Farben spiegelt die neue Kollektion den allgemeinen Trend des Marktes wieder: Dezente Grau, Weiß- und Beigetöne bestimmen auch bei der Steuler-Gruppe das Bild. Sie zeigen, so Peter Wilson, Geschäftsführer bei der Steuler-Fliesen GmbH, was sich Endkunden und somit der Handel von den Herstellern derzeit wünschen. „Wir wollen deshalb ganz bewusst den mittleren Trend treffen,“ so Wilson.

Zum mittleren Trend beziehungsweise zum guten Ton eines Sortiments gehören natürlich auch Holzfliesen-Imitationen. Hier spielt die neue digitale Glasurtechnik ihre Vorteile gekonnt aus, da sie es versteht, die aufgedruckten Holzmaserungen auch haptisch spürbar auf die Fliesenoberfläche zu übertragen. Mit „Hoy“ stellt Nordceram eine  gelungene keramische Interpretation des Themas Holz vor.

Eine farbige Ausnahme bildet die Steuler Neuheit Brush, die in pastelligen Grün- und Blautönen für einen der wenigen Farbtupfer im neuen Sortiment sorgt. Mit gleich drei starken Farben kommt die Steingutfliese „Brush“ im Format 30 x 60 cm im kommenden Januar in den Handel: mit einem stilsicheren Jade, einem frischen Maigrün und einem kühlen Nordisch-Blau.

Eine farbige Ausnahme bildet die Steuler Neuheit Brush, die in pastelligen Grün- und Blautönen für einen der wenigen Farbtupfer im neuen Sortiment sorgt.

Wie nahezu alle Wandfliesenserien in der neuen Steuler-Kollektion wurde auch „Brush“ in einer Materialstärke von nur sechs Millimetern produziert. „Mit dieser Umstellung haben wir unsere keramische Kompetenz nun auch auf unser Steingutsegment übertragen können“, ergänzt Peter Wilson. „Damit sind wir in der Lage, Fliesen aus Steingut und Feinsteinzeug in der gleichen Stärke aus einer Hand und somit untereinander kompatibel verlegbar anzubieten.“

Zeiten der Designführerschaft sind vorbei

Die Neuheiten der Steuler-Gruppen spiegeln damit auch eine Art von Minimalismus wider, der die gesamte Branche schon seit vielen Jahren durch diverse Messen und Kollektionen begleitet. Kaum einem Unternehmen geht es noch um die Design-Führerschaft. Die Zeiten, in denen fast jeder Aussteller in Bologna einen Eyecatcher im Portfolio hatte, scheinen endgültig vorbei. Da erinnern sich ältere Marktteilnehmer fast wehmütig an frühere Zeiten, als insbesondere die Steuler-Gruppe in Sachen Design immer für eine Überraschung gut war. „Nur Geld konnte man mit diesem extravaganten Design leider meistens nicht erwirtschaften,“ so Michael Steuler, Geschäftsführer der Steuler Gruppe.

Dennoch wird das Unternehmen auf der kommenden Cersaie ein Ausrufezeichen setzen. In diesem Jahr ist die Marke Steuler-Fliesen eigenständig hinsichtlich Team Steuler vor Ort auf dem Stand präsent. Darüber hinaus präsentieren sich Grohn und Nordceram mit einem Messestand. So möchte man großzügiger und fokussierter die Neuheiten für 2019 präsentieren. Die Darstellung soll darüber hinaus etwas mutiger sein: Das Unternehmen will bewusst auch einige ausgefallene Fliesen und Dekorationen zeigen, um neue Zielgruppen auf den Stand zu locken. Vor allem Architekten und Planer, aber ebenso Kontakte aus dem Export, stehen dabei im Mittelpunkt. Die Kunden aus dem deutschen Heimmarkt trifft die Steuler-Gruppe dann vorrangig bei den firmeneigenen Präsentationen in den einzelnen Standorten und bei den großen Hausmessen des Handels.

Bei der Entwicklung der neuen Steingutserie „Paint“ wurde die Kreativabteilung in Mühlacker inspiriert von der so genannten Rakeltechnik.Dieser kommt auf dem neu ins Programm aufgenommenen, rektifizierten Format 40 x 120 cm besonders gut zur Geltung. „Durch hochauflösendes Einscannen der Motive lässt sich eine Vielzahl von Bildern erzeugen, die wir im Digitaldruckverfahren wiedergeben können“, erläutert der Stefan Grimmeisen, Marketingleiter bei Steuler den aufwändigen Dekorationsprozess. Foto: Steuler

Background Steuler-Gruppe

Die Steuler-Gruppe ist heute ein international aufgestelltes Unternehmen, das bereits in 4. Familiengeneration geführt wird. Mit insgesamt 2600 Mitarbeitern erwirtschaftete die Gruppe, die neben dem Fliesengeschäft vor allem mit Spezialprodukten (Feuerfest-Steinen) im Anlagenbau ihr Geschäft macht, 2017 einen Gesamt-Umsatz von 433 Mio Euro. Daran hatten die Fliesenwerke einen Anteil von 136 Mio Euro. Für 2018 erwartet man einen Gesamtumsatz von 443 Mio. Euro (148 Mio Euro Fliesen). Weltweit verfügt die Steuler-Gruppe über insgesamt 25 Niederlassungen. Keramikfliesen gehören seit 1917 zum Portfolio des Unternehmens.

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