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„Wir brauchen einen stärkeren gemeinsamen Willen zur Fliese!“

André Hornemann: Plädoyer für die Fliesen und das Fliesenleger-Handwerk

„Den Berufsstolz der Verarbeiter zu fördern, neue Ideen und Impulse für das Handwerk zu bieten und das Image des Fliesenlegers in der Öffentlichkeit aufzuwerten“: so die Motivation für die beispielhafte Initiative, die „Fliesenleger-Championship“ ins Leben zu rufen. Mit diesem Wettbewerb setzten die beteiligten Unternehmen Sika Deutschland mit der Marke Schönox und die Firmen Collomix, Blanke Systems, Villeroy & Boch, Lux Elements und Karl Dahm ein starkes Ausrufungszeichen. Am Rande des Finales der „Fliesenleger-Championship“, die in diesem Frühjahr zum zweiten Mal ausgetragen wurde, sprachen wir mit André Hornemann, Vertriebsleiter Fliesen- und Baustoffhandel des Geschäftsbereiches Sika Handel Bau, über den Wettbewerb, aber auch über weitere, die Branche beherrschenden Themen wie die Wiedereinführung des Meisterzwangs.

Herr Hornemann, Schönox ist gewissermaßen die „Keimzelle“ der „Fliesenleger-Championship“. Was waren die Beweggründe, diesen Wettbewerb ins Leben zu rufen?

Andre´ Hornemann: Es geht uns, den beteiligten Unternehmen, zuallererst darum, den Stolz des Verarbeiters und das Selbstbewusstsein eines Handwerks zu fördern. Denn der Kernpunkt ist doch der: Wir haben hier ein attraktives und anspruchsvolles Handwerk, das Gestaltung, Design und technisches Können in perfekter Weise miteinander vereint. Aber „nach draußen“ wird das viel zu wenig kommuniziert. Weite Teile der Bevölkerung sehen im Fliesenleger heute jemanden, der schnell – und billig – mal ein paar Quadratmeter Keramik an Wand oder Boden klatscht. Und die immer zahlreicher werdenden Kleinstbetriebe ohne verbriefte Qualifikation tun ihr Übriges, um das Image einer ganzen Berufsgruppe in Frage zu stellen. Wir setzen uns dafür ein, den Stolz und die Leidenschaft für ein Handwerk wiederzuentdecken – und das wollen wir mit diesem Wettbewerb kommunizieren.

Die Idee entstand eher zufällig am Rande eines Handballspiels in Flensburg. Dort saßen wir mit einigen Kollegen befreundeter Industrieunternehmen zusammen. Auch Peter Blanke war dabei, der sich bekanntermaßen schon seit längerem für die Qualifizierung und das Image des Fliesenleger-Handwerks engagiert. Schnell waren alle Feuer und Flamme, wir trafen uns mehrere Male, stellten ein Konzept auf die Beine und fanden den geeigneten Namen mit der „Fliesenleger-Championship“. Im vergangenen Jahr war dann Premiere. Seitdem sind alle mit großem Enthusiasmus und Leidenschaft dabei.

Wie stellt sich aus Ihrer Sicht die gegenwärtige Situation im Fliesenleger-Handwerk dar?

Hornemann: Das Fliesenlegerhandwerk ist ein äußerst spannender Beruf. Hier sind Akteure gefragt, die sowohl kleine, filigrane Aufgabenstellungen lösen als auch sehr große Objekte umsetzen können. Der Anspruch an ihre technischen Kenntnisse und deren qualitätsvolle Umsetzung – also ihr Können – steigt mit der Komplexität der zu verarbeitenden Produkte sowie der Ansprüche der Kunden stetig. Dabei ist unsere Branche sehr heterogen. Aber vom Großbetrieb bis hin zum Einzelunternehmer ist allen Agierenden eines gemeinsam: sie liefern eine tolle Arbeit ab. Sie haben die Teilnehmer ja selbst über mehrere Tage beobachten können: Das sind wahre „Meister ihres Fachs“, auch wenn der eine oder andere als Geselle ohne Meisterbrief unterwegs ist. Sie alle sind extrem routiniert ans Werk gegangen und haben am Ende eine eindrucksvolle Vorstellung ihres beruflichen Könnens abgeliefert. Und dass sie jeden Tag einen guten Job machen, zeigt die Wertschätzung, die sie als Angestellte in ihrem Unternehmen erfahren bzw. die unzweifelhaft gute wirtschaftliche Situation der selbstständigen Unternehmer.

Nach der Premiere im vergangenen Jahr ist nun das Finale der „zweiten Runde“ der “Fliesenleger-Championship“ über die Bühne gegangen. Wie lautet ihr Fazit?

Hornemann: Sie haben ja selbst erlebt, mit welchem Enthusiasmus sowohl die Teilnehmer als auch wir, die Veranstalter, bei der Sache sind. Neben unserer Grundintention, das Image eines Berufes aufzuwerten, spielt auch das Networking der Teilnehmer untereinander sowie der ständige Dialog mit uns Industrievertretern eine große Rolle. In den gemeinsamen Tagen sind neue Kontakte, sogar Freundschaften entstanden. Die Idee, diesen Wettbewerb auf die Beine zu stellen, ist nach wie vor gut. Davon sind wir hier alle überzeugt. Ein Wermutstropfen ist sicherlich, dass wir bei den Vorausscheidungen die geplanten Höchstteilnehmerzahlen nicht ganz erreicht haben. Das lag nicht am Konzept, sondern war eindeutig auch der Tatsache geschuldet, dass die Fliesenlegerbetriebe hierzulande bis zur Grenze ausgelastet sind und auf den Baustellen jede Hand gebraucht wird. Da müssen es sich kleinere Betriebe schon gut überlegen, ob sie sich den „Luxus“ einer derartigen Veranstaltung leisten können. Immerhin waren in diesem Frühling einige „Wiederholungstäter“ dabei, ein untrügliches Zeichen dafür, dass sie von der „Championship“ überzeugt sind. Neben den bereits erwähnten Kontakten schätzen die Teilnehmer auch den Wettbewerbsgedanken und wollen sich im fairen Wettstreit mit anderen messen. Und last but not least generierte der eine oder andere aus seiner Bekanntheit als Sieger oder Zweitplatzierter ganz konkrete Aufträge, heißt also: er profitiert auch wirtschaftlich von dieser Veranstaltung.

Abgesehen vom Image des Fliesenlegers, das einer dringenden Aufwertung bedarf – wo sehen Sie akuten Handlungsbedarf beim zu verarbeitenden Material, der keramischen Fliese?

Hornemann: Wir – und dabei meine ich vor allem die Industrie – müssen deutlicher über das reden, was die Fliese alles kann! Leider muss ich bei der Lektüre von Wohn- und Hochglanz-Einrichtungsmagazinen Tag für Tag feststellen: die Fliese hat sich von anderen Wand- und vor allem Bodenbelägen den Schneid abkaufen lassen. Die Medien sind voll von Belägen, die technisch nicht die Perfektion eines Fliesenbelags erreichen. Die Fliese kann viel mehr, als bei den Verbrauchern in deren Wahrnehmung ankommt.

“Wir müssen deutlicher über das reden, was die Fliese kann!”

Ich würde es begrüßen, wenn die Fliesenindustrie hier neue Designs entwickelt und etwas typisches, unverwechselbar in Keramik kreiert. Heute werden alle denkbaren Materialien imitiert. Hier erwarte ich eine sich auf die eigenen Stärken besinnende Industrie, die selbstbewusst aufzeigt, was die Fliese kann, auch in Puncto eigenständiges Design. Und auch den Handel sehe ich hier in der Pflicht, der beispielsweise hochwertige Materialien wie Keramik und Echtholzparkett verstärkt zusammenbringt oder auch noch mehr auf die neuen Heizsysteme in Kombination mit Fliesen hinweist. Denn gerade auch hier sind wir heute ganz weit vorn.

Ich habe den Eindruck, dass sich die Bauchemie- und Zubehörhersteller mit großer Leidenschaft diesem Thema stellen. Wir sollten hier mit den Fliesenherstellern an einem Strang ziehen und den gemeinsamen Willen zum Belag unterstreichen. Ein weiterer Kritikpunkt aus meiner Sicht ist, dass viele Hersteller und Fliesenleger sich auf die großen Projekte fokussieren und dabei den „kleinen“ Privatkunden, den Häuslebauer und Modernisierer, vernachlässigt haben. Aber gerade bei dieser Zielgruppe liegt der Hauptteil der Möglichkeiten. Die Privatkunden gehören deutlich mehr in den Fokus, denn über ein funktionierendes „Empfehlungsmanagement“ – früher sagte man „Mund zu Mund-Propaganda“ – spricht sich schnell herum, wer einen guten Job macht. Und der braucht sich um Folgeaufträge keine Sorgen zu machen. Ich verweise da gern auf „Typen“ wie Stefan Bohlken, der pragmatisch an die Sache herangeht. Denn oft sind wir viel zu technikverliebt und zu wenig lösungsorientiert. Wir brauchen Lösungen statt Probleme. Und wir haben ein tolles Handwerk mit unendlichen Möglichkeiten.

Welche Position nehmen Sie in der aktuellen Diskussion um die Wiedereinführung des Meisterzwangs ein? Und wie bewerten Sie die Berufsgruppe der so genannten Mobilen Generalisten/White Van Men in diesem Szenario?

Hornemann: Ich war lange skeptisch, was die Wiedereinführung des Meisterzwangs angeht. Aber jetzt steht die Ampel wohl auf „grün“. Und für diejenigen, die heute nicht als Meister unterwegs sind und gute Arbeit abliefern, ist ein „Bestandsschutz für Altgesellen“ dringend erforderlich. Dennoch muss man in dieser Diskussion auch die immer wieder gern zitierten „White Van Men“, also die „Mobilen Generalisten“ ohne „verbriefte Qualifikation“ im Auge behalten – und sie nicht ausschließlich zum Feindbild machen.

“Der Meister bringt Vertrauen in unsere Branche zurück. Aber auch die Generalisten dürfen wir nicht verlieren.“

Denn trotz vieler Reklamationsfälle gerade bei dieser Gruppe sind auch wirklich Gute darunter, die die gestellten Aufgaben sehr gut lösen. Die dürfen wir bei einer Wiedereinführung der Meisterpflicht nicht verlieren. Immerhin sind sie für einen erheblichen Teil der verlegten Flächen hierzulande verantwortlich. Idealerweise sollte man die Generalisten in eventuelle neue Strukturen mit einbinden – was zugegebener Weise eine echte Herausforderung wäre. Zusammenfassend kann man hier sagen: Der Meister bringt Vertrauen in unsere Branche zurück. Aber auch die Generalisten dürfen wir nicht verlieren.

In welcher Weise sehen Sie sich als Hersteller „in der Pflicht“, sich in Sachen Aus- und Weiterbildung, Imagepflege und „Nachwuchsgenerierung“ zu engagieren?

Hornemann: Neben unserem großen Seminarangebot im eigenen Schulungszentrum sind wir als Sika an den Schulen und Bildungseinrichtungen sehr präsent und werben für das Fliesenlegerhandwerk. Denn diesen Beruf muss man richtig lernen, das fliegt einem nicht einfach so zu. In den ländlichen Regionen klappt das meiner Wahrnehmung nach mit dem Nachwuchs deutlich besser als in den Städten. Ich hoffe, dass sich in den Köpfen der jungen Leute die „Weisheit“ wieder mehr festsetzt, dass „Handwerk goldenen Boden“ hat. Das hatte zu den meisten Zeiten Gültigkeit, und heute mehr denn je…

Hintergrund: Sika Deutschland GmbH

Schönox ist eine Marke der Sika. Sika ist ein Unternehmen der Spezialitätenchemie, führend in der Entwicklung und Produktion von Systemen und Produkten zum Kleben, Dichten, Dämpfen, Verstärken und Schützen für die Bau- und produzierende Industrie. Sika ist weltweit präsent mit Tochtergesellschaften in 101 Ländern und produziert in über 200 Fabriken. Ihre mehr als 20000 Mitarbeitenden haben 2018 einen Jahresumsatz von 7,1 Mrd. CHF erwirtschaftet. In Deutschland ist Sika mit der Sika Deutschland GmbH und 1500 Mitarbeitern vertreten. Die Sika Deutschland GmbH hat es sich zudem zur Aufgabe gemacht, Wege und Lösungen aufzuzeigen, die nachhaltiges Bauen ermöglichen – im Hinblick auf Wassermanagement, Energieeinsparung und Klimaschutz. Seit 2010 ist Sika Deutschland Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB).

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