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VDF: Mit Zuversicht und Optimismus in die Zukunft

Satzungsänderung öffnet Verband für neue Mitglieder – Interessante Jahresversammlung mit spannenden Vorträgen

Von Zuversicht und Optimismus war die diesjährige Jahreshauptversammlung des Bundesverbandes des Deutschen Fliesenfachhandels (VDF) in Berlin geprägt (siehe auch unser Interview mit dem VDF Vorsitzenden Michael Zink). Genährt von einem neuen Mitglied (Orion) und einer großen Teilnehmerzahl blickt der Verband positiv auf die Zukunft.

Interview mit Michael Zink, Vorsitzender der Bundesverbandes des Deutschen Fliesenfachhandels (VDF) anlässlich der Jahreshauptversammlung 2019 in Berlin:

Dabei hatte sich noch Ende 2018 ein düsteres Szenario zusammengebraut. Die fünf Fliesengroßhändler Mahler, Linnenbecker, Croonen, Baustoff Union Aachen und Köbig traten aus dem VDF aus (Mahler mit der Option, die Kündigung wieder rückgängig zu machen). Kurz darauf überraschte Saint-Gobain mit der Nachricht, sich im Rahmen einer Umstrukturierung von der Saint-Gobain Building Distribution Deutschland GmbH zu trennen. Der Verkauf der Handelssparte, zu der mit Raab Karcher der größte deutsche Fliesenfachhändler gehört, soll bis Ende 2019 abgeschlossen sein. Einen mit der Umstrukturierung möglicherweise verbundenen Austritt von Raab Karcher aus dem VDF dürft der Verband wohl nur schwer verkraften.

Orion neues VDF-Mitglied

VDF Vorsitzenden Michael Zink

Doch von Trübsal blasen gab es in Berlin keine Spur. Im Gegenteil: Der VDF hat mit einer Satzungsänderung die Weichen gestellt, um sich in den folgenden Monaten neu zu positionieren. So können jetzt auch Kooperationen oder deren Fachgruppen als Mitglieder mit vollem Stimmrecht aufgenommen werden. Des weiteren dürfen Unternehmen der herstellenden Industrie Mitglied werden, die im weitesten Sinne der Fliesenbranche zuzuordnen sind. Diese können eine Hersteller-Partner-Mitgliedschaft erwerben, die jedoch nicht mit einem Stimmrecht verbunden ist. Last not least dürften auch Verbände und Organisationen, die im weitesten Sinnen der Fliesenbranche zuzuordnen sind, eine kostenfreie Verbands-Partner-Mitgliedschaft erwerben, ebenfalls ohne Stimmrecht. „Damit haben wir die Voraussetzung geschaffen, den VDF breiter aufzustellen als früher“, erklärte Michael Zink gegenüber 1200Grad in Berlin. Als Folge der neuen Regelung konnte der VDF mit der Orion gleich ein neues Mitglied in seinen Reihen begrüßen.

Fernab von der Verbandspolitik ist die VDF-Jahreshauptversammlung ein interessanter Event. In Berlin treffen sich nicht nur hochkarätige Gesprächspartner aus Industrie und Handel, sondern es lockt auch ein Rahmenprogramm mit spannenden Vorträgen. So waren in diesem Jahr u.a. wieder die Vorstände des italienischen Herstellerverbandes Confindustria Ceramica sowie des spanischen Herstellerverbandes ASCER in der Hauptstadt präsent, zu denen der VDF traditionell seit vielen Jahren sehr gute und enge Beziehungen unterhält.

Neue Werbekampagne für die Fliese

Giovanni Savorani, Präsident der italienischen Confindustria Ceramica

Giovanni Savorani, Präsident der italienischen Confindustria Ceramica, referierte über die Entwicklung des italienischen Fliesenmarkts, für den Deutschland der wichtigste Exportmarkt ist. Aktuell kommen 53 % aller in Deutschland verkauften Fliesen aus Sassuolo und Umgebung. Dabei zeigte er eine Entwicklung auf, wie sich der Markt in den vergangenen Jahren immer mehr großformatigen Feinsteinzeugfliesen zugewendet hat. Aktuell haben rund 77 % der italienischen Produkte einen Seitenlänge von mehr als 50 cm, 25 % sogar eine Seitenlänge von mehr als 80 cm. Mit rund 88 % hat zudem das Feinsteinzeug einen dominanten Anteil an der italienischen Produktion.

Savaroni wies in seinem Vortrag zudem darauf hin, dass die Keramik mittlerweile durch andere Belagsarten – vor allem Vinylböden – starke Wettbewerber habe. In Deutschland haben keramische Fliesen nur einen Anteil von 24 % am Gesamtmarkt. Deshalb hat der italienische Herstellerverband unter dem Motto „Keramik. Eine schöne Wahl“ eine neue Kampagne ins Leben gerufen, die zunächst in Italien, später aber in ganz Europa für Fliesen werben sollen. Kernelement sind Videos, die die verschiedenen Vorzüge der Keramik vorstellen. Flankiert wird diese Aktion von diversen Social-Media-Aktivitäten, um mit dem Budget von 100.000 Euro eine möglichst breite Zielgruppe zu erreichen. Ziel ist es in Deutschland, so Elena Romani, Marketingleiterin bei der Confindustria Ceramica, über 1,3 Mio. Kontakte zu generieren. In Italien ist die Kampagne schon mit großem Erfolg angelaufen. „Wir finden es fantastisch, dass diese Kampagne jetzt bei uns gestartet wurde,“ so Michael Zink zu dieser Aktion. Weitere Informationen dazu vermittelt die Seite www.ceramica.info.

Vittorio Borelli, ehemaliger Präsident des italienischen Verbandes.

Auch Vittorio Borelli, ehemaliger Präsident des Verbandes, hatte wieder den Weg nach Berlin gefunden. Nicht nur, weil er die zahlreichen Kontakte auf der VDF-Versammlung schätzt. Borelli präsentierte auch das Konzept der kommenden Cersaie. Die wichtigste Fliesenfachmesse in Bologna will mit dem Slogan „Open Cersaie“ neue Zielgruppen zur Messe locken. Dafür wurde u.a. eine neues Messelogo entworfen, Hallen renoviert und eine neue Website gebaut. Ziel ist es, einen leistungsstarkes Netzwerk aus Händler, Herstellern, Verlegern und Planern aufzubauen.

Spanier fördern Studien über die Vorteile der Keramik

An der Werbekampagne „Keramik. Eine schöne Wahl“ ist übrigens auch der spanische Herstellerverband ASCEr beteiligt. Dessen Vize-Präsident Ismael Garcia Peris unterstrich in Berlin die guten und freundschaftlichen Beziehungen, die man seit vielen

ASCER Vize-Präsident Ismael Garcia Peris (Mitte), David Portalés von der spanischen Wirtschafts- und Handelsabteilung in Düsseldorf, und Ana Martínez, Kommunikation und Produktmarketing ASCER.

Jahren zum VDF unterhalte. Nach einem kurzen Einblick in die Entwicklung der spanischen Fliesenindustrie in den letzten Jahren verwies Peris ebenfalls auf die Bedeutung des deutschen Marktes für die spanischen Hersteller, der auf Rang fünf des Exportranking der ASCER-Mitglieder steht.

David Portalés von der spanischen Wirtschafts- und Handelsabteilung in Düsseldorf skizzierte, dass die spanischen Hersteller mit dem VDF den Austausch von Artikelstammdaten forciert und zahlreiche Maßnahmen angeschoben haben, um die Fliesen im Wettbewerb gegen konkurrierende Materialen besser zu positionieren. So beteiligt sich der ASCER nicht nur an der Werbekampagne der Italiener, sondern hat auch wissenschaftliche Studien in Auftrag gegeben, in der die Vorteile der Keramik gegenüber anderen Materialien weiter untersucht werden sollen. Einige der Argumente hat man schon auf der Seite www.solconcer.es zusammengestellt (zur Zeit leider nur auf Spanisch).

Werke des BkF verlieren weiter Anteile

Neben den Marktzahlen des spanischen und italienischen Verbandes hab es natürlich auch wieder ein umfangreiches Zahlenwerk von Carlo Cit, Hansa Unternehmensberatung. Nach seinen Untersuchungen (wir werden noch ausführlich berichten) zeigt sich der deutsche Markt mit knapp über 133 Millionen Quadratmeter relativ stabil und auch in 2019 dürften sich nur geringfügige Veränderungen ergeben.

Carlo Cit, Hansa Unternehmensberatung

Auffallend findet Cit jedoch die positive Entwicklung der italienischen Werke auf dem deutsche Markt sowie die starken Verluste der deutschen Werke. So haben die Mitglieder des Bundesverbandes Keramische Fliesen (BkF) nach Cits Angaben letztes Jahr einen Umsatz-Verlust von -4,2 % hinnehmen müssen. Das Preisniveau bliebt nach seiner Meinung weiter unter Druck. „Zudem wird der Verkauf der Handelssparte von Saint Gobain mit der Raab Karcher Gruppe erhebliche Veränderungen für den deutschen Markt mit sich bringen“, so Cit weiter.

Ein wichtiges Anliegen war es Cit auch, auf den Fachkräftemangeln und die damit verbundenen Auswirkungen hinzuweisen. So habe sich der Anteil der Generalisten auf ca. 35 %, also ca. 38-39 Mio. qm, erhöht. „Ohne die Generalisten würde es aufgrund des Handwerkermangels in unserer Branche gar kein Wachstum mehr geben“, so Cit. Allerdings verwies er auch darauf hin, dass durch die wachsende Zahl der Generalisten der Anteil an Reklamation so hoch wie nie sein und die Schwarzarbeit mit eine Anteil von 29-30 Mio. qm ein neues Rekordhoch erreicht habe.

Ziemiak anstatt Kramp Karrenbauer

Paul Ziemiak, Generalsekretär der CDU

Neben den Marktzahlen gab es in Berlin jedoch noch eine Menge weiterer interessanter Vorträge. Zwar war musste der geplante Auftritt der CDU-Vorsitzenden Annegret Kramp Karrenbauer entfallen, doch dafür standen mit Paul Ziemiak, Generalsekretär der CDU, sowie Kai Wegner, Sprecher der CDU/CSU-Fraktion für Bauen, Wohnen, Stadtentwicklung und Kommunen, zwei prominente Politiker dem VDF-Auditorium Rede und Antwort.

Die Themen Fliesen und Zubehör wurde durch die Vorstellung der Unternehmen Meissen Keramik, Schomburg, der Warmup PCL Heizsysteme und Reimbold & Strick (chemisch-keramische Produkte, wie Fliesen-Glasuren) behandelt. Eine interessante Analyse elastischer Bodenbeläge wurde durch die Werner Hageman (ö.b.u.v. Sachverständiger) und Friedrich Höltkemeyer (Geschäftsführer Säurefliesnerverband) vorgestellt und diskutiert.

Die Trendstudie des VDF von Prof. Dr. Markus Beinert über „die Zusammenarbeit von Großhandel und Handelskunden“ war ebenfalls ein Vortragsthema. Die Ergebnisse der Studie bringen den VDF-Mitglieder wichtige Erkenntnisse für ihre tägliche Arbeit. Deshalb soll eine Anschluss-Studie folgen, die die Kaufgewohnheiten des Endkunden genauer unter die Lupe nimmt.

Thomas Jaraczewski, Leiter Verkauf Fliesenzubehörsysteme bei Blanke

Auch „Der König der Baustelle“, ein Konzept der Firma Blanke über die Ausbildungssituation im Fliesenhandwerk, war Thema auf der VDF-Versammlung. Inzwischen hat die im letzten Jahr auf der VDF-Versammlung vorgestellt Initiative, die sich um die Nachwuchswerbung für das Fliesenlegerhandwerk kümmern will, über 160 Partnerbetriebe gefunden, wie Thomas Jaraczewski, Leiter Verkauf Fliesenzubehörsysteme bei Blanke, erläuterte.

Ein viel beachtetes Referat kam zudem von Stephan Tromp, stellvertretendem Geschäftsführer des Hauptverband des Deutschen Einzelhandels (HDE), der über die Digitalisierung im Handel sprach. Sein Ausflug in die Welt von Amazon, Google und Co. konnte den Zuhörern schon ein wenig Angst und Bange werden lassen, welche Marktmacht die Riesen des Internets inzwischen erlangt haben. Gleichzeitig wies Tromp auch auf die Chancen und Möglichkeiten hin, die sich auch für mittelständische Unternehmen durch die Digitalisierung ergeben können.

Fazit: Die VDF-Versammlung ist immer eine Reise nach Berlin wert. Oder wie formulierte es einer der Teilnehmer zum Abschluss: „Wenn es das VDF-Treffen nicht schon so gäbe müsste man es erfinden.“

Über einige der Vorträge werden wir zu einem späteren Zeitpunkt noch ausführlicher berichten.

Impressionen von der Jahreshauptversammlung des VDF 2019 in Berlin:

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