VDF: Langsamer, aber steter Niedergang

Verband kann Mitgliederschwund nicht mehr kompensieren

Ein Kommentar von Ralf Schanze

Der Bundesverband des Deutschen Fliesenfachhandels e.V. (VDF) ist Geschichte. Nach über 40-jähriger Verbandstätigkeit für die Fliese beschließt der VDF zum Ende des Jahres seine Auflösung (siehe unser Bericht hier).

Der Schritt ist ebenso konsequent wie logisch. In den letzten Jahren waren dem Verband einfach zu viele namhafte Player aus dem Fliesenhandel von der Fahne gegangen. Die Misere begann bereits 2018, als fünf große Unternehmen – Mahler, Linnenbecker, Croonen, Baustoff Union Aachen und Köbig – gleichzeitig dem VDF den Rücken kehrten. Es folgte Saint Gobain und der Eindruck, das irgend etwas nicht stimmen kann, wenn so viele Unternehmen der Meinung sind, dass der Verband nicht mehr ihre Interessen vertritt.

Sicher: Der VDF war international bestens verknüpft. Vor allem mit dem italienischen Fliesenherstellerverband Confindustria Ceramica und dem spanischen Herstellerverband ASCER verband den VDF eine jahrelange Freundschaft und ein intensiver Austausch. Außerdem hat der VDF in den letzten Jahren mehrere Studien auf den Weg gebracht, die der Branche eine Menge interessanten Input für die tägliche Arbeit vermitteln konnten.

Doch vielen Mitglieder schien das wohl zu wenig zu sein, was sie für ihren Mitgliedsbeitrag erhielten. Darüber hinaus war es offensichtlich, dass zwischen einigen Mitgliedern und der Verbandsspitze die Chemie einfach nicht mehr stimmte. Und so ist das manchmal im Leben: Wenn man sich nicht mehr versteht wird eine Zusammenarbeit schwierig und eine Trennung ist der nächste logische Schritt.

Diesen Aderlass hat der VDF bis zuletzt nicht verkraftet, obwohl er sich mit viel Engagement gegen die Niedergang gewehrt hat. Dazu kam die Corona-Krise, so dass viele Verbandstreffen in den letzten beiden Jahren ersatzlos ausfallen mussten. Außerdem haben viele ehemaligen VDF-Mitglieder im Arbeitskreis Fliese des BDB inzwischen eine neue Verbands-Heimat gefunden, die zu funktionieren scheint. Viele waren und sind ohnehin bereits Mitglieder des BDB gewesen. Dieser Kreis wird sicherlich weiter an Bedeutung gewinnen, wenn die restlichen VDF-Mitglieder ihren Kollegen zum BDB folgen.

An den „Freundeskreis Fliesen“, den der VDF in seiner Presseinformation als lockere Nachfolgeschaft seiner selbst ausrief, sollte man nicht zu hohe Erwarten knüpfen. Denn konkrete Projekte wird man nicht von ihm erwarten dürfen, eher einen Wissensaustausch zwischen Gleichgesinnten. Die Fliesenbranche hat aber so oder so eine wichtige Stimme verloren, die sie lange geprägt hat.

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