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Unterstützung für den anspruchsvollen Berufsalltag

Ottobock Industrials stellt in München eine „Revolution für das Bauhandwerk“ vor

Als „Revolution für das Bauhandwerk“ präsentierte der Hersteller Ottobock sein Exoskelett „Paexo“ auf der BAU. „Der Mangel an Fachkräften in Kombination mit einer alternden Belegschaft stellt das Bauhandwerk vor zunehmende Herausforderungen“, so Dr. Sönke Rössing, Leiter des Geschäftsbereichs Ottobock Industrials, während eines Pressemeetings am Rande der Messe. Speziell die Arbeit über Kopf sei in vielen Gewerken eine große Belastung für die Mitarbeiter, zum Beispiel beim Trockenbau oder der Elektro-, Sanitär- und Heizungsinstallation. „Daraus resultiert ein Bedarf an vollkommen neuartigen Hilfsmitteln, die es Menschen ermöglichen, ihrem anspruchsvollen Berufsalltag langfristig gesundheitsschonend nachzugehen. Aus diesem Grund haben wir das Exoskelett ,Paexo´ entwickelt“, so Rössing.

Dr. Sönke Rössing: „Exoskelette haben das Potenzial, das Bauhandwerk zu revolutionieren.“

„Paexo“ ist ein passives Exoskelett, das keine Energiezufuhr benötigt. Deshalb sei es besonders leicht – mit 1,9 Kilogramm Gewicht sogar das leichteste Exoskelett seiner Art. Der Mitarbeiter trägt es, ähnlich wie einen Rucksack, eng am Körper. Das Gewicht der erhobenen Arme wird über die Armschalen mithilfe einer mechanischen Seilzugtechnik auf die Hüfte abgeleitet. Das schont die Muskeln und Gelenke im Schulterbereich spürbar, und Tätigkeiten über Kopf lassen sich deutlich komfortabler ausführen. Dabei orientiert sich das Design an den natürlichen Bewegungen des Menschen. Nutzer können mit dem Exoskelett gehen, sitzen und auch Gegenstände aufheben. Es lässt sich in unter 20 Sekunden An- und Ablegen und bequem mehr als acht Stunden tragen.

Deutliche Entlastung für das Muskel-Skelett-System

„Exoskelette haben das Potenzial, das Bauhandwerk zu revolutionieren“, sagte Rössing. Denn „Paexo“ reduziere die kritische physische Beanspruchung während der Arbeit deutlich. Solch eine präventive Entlastung reduziere arbeitsbedingte Muskel-Skelettale-Erkrankungen im Schulterbereich. Diese sind in Deutschland und Europa der häufigste Grund für Arbeitsunfähigkeit und damit ein bedeutender Kostenfaktor für Unternehmen und Gesundheitssysteme. Etwa 27 Prozent der Arbeitsunfähigkeitstage in der Baubranche wurden 2017 durch Erkrankungen des Muskel-Skelett-Systems verursacht. Auffallend hoch sind diese Zahlen für Berufe mit einem üblicherweise großen Anteil von Überkopf- und Überschulterarbeit: Aus- und Trockenbau (33,2 %), Bauelektrik (29,7 %) und Hochbau (29,4 %).

Das Exoskelett habe aber nicht nur gesundheitliche Vorteile für den Mitarbeiter. „Uns wird immer wieder berichtet, dass sich der Einsatz auch positiv auf die Qualität der Arbeit selbst auswirkt“, ergänzte Rössing. „Ungenauigkeiten bei Tätigkeiten über Kopf werden verringert, weil Arme und Schultern weniger schnell ermüden. So können zum Beispiel Lötnähte im Industrierohrbau in bester Qualität hergestellt werden.“

Im Praxistest bewährt

Das Industriemontage-Unternehmen Thor testete „Paexo“ im November 2018 auf seinen Baustellen. Dabei kam das robuste Exoskelett in verschiedenen Gewerken zum Einsatz, zum Beispiel beim Heizungs-, Elektro- und Rohrleitungsbau. „Unsere Mitarbeiter waren begeistert von der sofortigen Entlastung der Muskulatur, zum Beispiel bei Lötarbeiten über Kopf oder Verkabelungen unter der Decke“, berichtete Kersten Thor, Geschäftsführer des Unternehmens mit 1100 Mitarbeitern und fünf Standorten. „Mein Eindruck ist auch, dass Exoskelette die Attraktivität von Arbeitsplätzen in der Industriemontage steigern. Sie können helfen, Mitarbeiter zu binden und neue Kollegen zu gewinnen. Wir planen derzeit einen breiteren Einsatz von Paexo auf unseren Baustellen.“

Für die unterschiedlichsten Branchen geeignet

Der Einsatz von „Paexo“ in ganz unterschiedlichen Branchen zeigt das Potenzial des Exoskeletts, zum Beispiel bei Luftfahrt- und Automobilunternehmen, in der Lebensmittelindustrie, bei Werften und vor allem auch auf dem Bau. Ottobock forscht seit 2012 an innovativen Lösungen, mit denen sich Arbeitsplätze in Handwerk, Industrie und Logistik ergonomischer gestalten lassen. Hierfür hat das Medizintechnikunternehmen Anfang 2018 den Geschäftsbereich Ottobock Industrials gegründet. Bei der Entwicklung neuer Produkte greift das Team auf die fast 100-jährige biomechanische und orthopädische Expertise des Unternehmens zurück. „Dazu kommt ein tiefes Verständnis für die Bedürfnisse von Handwerksbetrieben, denn wir sind seit der Gründung stark im orthopädietechnischen Handwerk verwurzelt“, betont Dr. Sönke Rössing. „Unsere Orthopädietechniker nutzen „Paexo“ mittlerweile auch, zum Beispiel beim Fräsen von Gipsmodellen in Schulterhöhe.“

Die Pressevertreter hatten in München die Gelegenheit, „Paexo“ vor Ort zu testen. Dr. Sönke Rössing (r.) und Kersten Thor (l.) gingen beim Anpassen des Exoskeletts zur Hand.
Foto: Rottstegge

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