“Unser Geschäftsmodell ist grundsätzlich intakt”

Interview mit Dieter Schäfer, CEO Deutsche Steinzeug Cremer & Breuer AG

Herr Schäfer, die Deutsche Steinzeug musste Insolvenz anmelden. Ist das richtig?

Das ist korrekt. Wir haben am 21. Februar für die Deutsche Steinzeug Cremer & Breuer AG und für deren Tochter Agrob Buchtal Anträge auf Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung gestellt. Wir streben also nicht ein klassisches Insolvenzverfahren an, sondern eines in eigener Regie, das explizit auf die Sanierung unserer Unternehmen ausgerichtet ist. Denn das ist es, was wir erreichen möchten: Den Erhalt und die Neuausrichtung unserer Unternehmensgruppe, unserer Produktionsstandorte und natürlich unserer Arbeitsplätze. Noch hat das Gericht nicht abschließend über die Anträge entschieden, wir erwarten das aber für die kommenden Tage. Übrigens: Unsere Vertriebsgesellschaften im Ausland umfassen die Verfahren nicht.

Unsere Vertriebsgesellschaften im Ausland umfassen die Verfahren nicht.

Was bedeuten die Verfahren denn jetzt für die Unternehmen?

Das ist ein Schritt, der uns als Unternehmen alles andere als leichtfällt. In ein solches Verfahren geht man nur nach reiflicher Überlegung, denn es hat natürlich Rückwirkungen auf uns und unsere Geschäftspartner, die wir aber so klein wie möglich halten wollen. Die Entscheidung für die Verfahren haben wir deshalb erst nach sorgfältiger Prüfung aller wirtschaftlichen Rahmenbedingungen getroffen.

Das ist ein Schritt, der uns als Unternehmen alles andere als leichtfällt.

Wichtig ist: Die Produktion in allen Werken läuft ganz normal weiter. Alle Kunden werden wie vereinbart beliefert, neue Aufträge nehmen wir jederzeit entgegen. Wir führen derzeit viele Gespräche mit unseren Kunden und unseren Lieferanten. Ich erfahre dabei sowohl Verständnis für unsere Situation als auch eine große Unterstützung. Klar ist: Wir wollen so schnell wie möglich diese Neuaufstellung abschließen. Dafür werden wir in den kommenden Monaten für die Deutsche Steinzeug und die Agrob Buchtal die entsprechenden Pläne erarbeiten, zusammen mit unseren insolvenzrechtlichen Beratern. Diese stimmen wir dann mit den Gläubigern und dem zuständigen Gericht ab und setzen ihn um.

Wir wollen so schnell wie möglich diese Neuaufstellung abschließen.

Für die Mitarbeiter heißt das aber doch jetzt, dass sie um ihren Arbeitsplatz zittern müssen.

Wir haben uns direkt an dem Tag, an dem wir den Antrag bei Gericht gestellt haben, ausführlich Zeit genommen, um unsere Mitarbeiter über die aktuelle Situation und die nächsten Schritte zu informieren. Es gab an allen Standorten Betriebsversammlungen, in der wir die Situation erläutert haben und es Gelegenheit gab, Fragen zu stellen.

Wir haben auch deutlich gemacht, dass sich die Mitarbeiter im weiteren Verlauf der Sanierung jederzeit bei Fragen an uns wenden können. Natürlich ist die Stimmung etwas gedrückt, was ja auch verständlich ist. Aber wir haben schon in der Vergangenheit gezeigt, dass wir Herausforderungen meistern können: die Flut im Ahrtal, die anstrengenden Pandemiejahre, die Explosion der Energiepreise als Folge des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine. All das hatte Rückwirkungen auf uns als Unternehmen, aber wir haben gezeigt, dass wir kreativ genug sind, um dafür Lösungen zu finden.

Wir haben schon in der Vergangenheit gezeigt, dass wir Herausforderungen meistern können.

Ich bin sehr zuversichtlich, dass uns das auch dieses Mal gelingt. Der erste Schritt ist, dass die Löhne und Gehälter der Mitarbeiter über das Insolvenzgeld für drei Monate gesichert sind. Diese Zeit werden wir nutzen, um die Verfahren voranzutreiben. Nach den drei Monaten werden unsere Unternehmen wieder selbst die Löhne und Gehälter tragen und aus dem laufenden Geschäftsbetrieb erwirtschaften. Auch an den Urlaubsansprüchen oder den Arbeitsverträgen und -bedingungen ändert sich durch das Verfahren überhaupt nichts. Und ich bin sicher: Aus den Verfahren werden wir gestärkt hervorgehen und stabilere Arbeitsplätze haben als zuvor.

Ich bin sicher: Aus den Verfahren werden wir gestärkt hervorgehen.

Sie haben die Herausforderungen angesprochen: Energiepreiskrise, das Unwetter im Ahrtal und die Pandemie. Sind das auch die Gründe für die Insolvenz?

Das sind einige der wesentlichen Gründe, die uns in der Vergangenheit sehr beschäftigt haben. Sie haben Umsätze und damit Liquidität gekostet, Aufmerksamkeit benötigt und Ressourcen gebunden. Hinzu kommen jetzt noch die konjunkturellen Herausforderungen in der Bau- und Immobilienbranche insgesamt. Wir bewegen uns aktuell in einem sehr herausfordernden Marktumfeld.

Wegen der Inflation und der Zinswende verschieben gerade private, aber eben auch gewerbliche Bauherren ihre Projekte nach hinten oder sagen sie ab. Dann gibt es eben kein neues Bad im Moment. Auch das bekommen wir zu spüren. Es wird weniger gebaut, deshalb wird auch weniger bei uns bestellt. Die entstandenen Lücken in der Auslastung der Produktion konnten wir mit anderen Aufträgen nicht im erforderlichen Umfang schließen – gerade auch, da die Aufträge unserer Objekt- und Key-Account-Kunden in der Regel große Volumina haben. Mit all diesen Herausforderungen konnten wir jedoch irgendwie umgehen.

Entscheidend war aber eine Veränderung in der Tilgung unserer Kredite…

Entscheidend war aber eine Veränderung in der Tilgung unserer Kredite, die unser Unternehmen erhalten hatte. Diese Forderung kam gerade zu einer Zeit, in der ich eine Zwischenfinanzierung final ausgehandelt hatte und uns diese dringend benötigte Liquidität zufließen sollte. Die Lösung wurde durch die Tilgungsforderung zunichtegemacht und so waren wir gezwungen, die Anträge zu stellen.

Wie geht es mit dem Unternehmen jetzt weiter?

Wir werden wie erwähnt die Sanierungspläne erstellen und haben uns dafür mit der Kanzlei Schultze & Braun erfahrene Sanierungsexperten an die Seite geholt. Wir stellen einen Fahrplan auf, der uns aus der aktuellen Situation herausführen soll. Noch kann ich da keine Details nennen, weil dazu noch viele Gespräche notwendig sein werden. Aber ich kann heute schon versichern: Wir verstehen uns als keramische Lösungsanbieter für unsere Kunden – und daran wird sich auch in Zukunft nichts ändern.

Ich vertraue auf unsere Innovationskraft und unsere Erfahrung.

Ich vertraue auf unsere Innovationskraft und unsere Erfahrung. Wir haben auch schon früh damit begonnen, die Produktionskapazitäten und -prozesse an den ausbleibenden Markt anzupassen. Diese Maßnahmen werden wir fortführen und sie zu einem erfolgreichen Abschluss bringen. Unser Geschäftsmodell ist grundsätzlich intakt.

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