PDR sammelt gebrauchte PU-Schaumdosen

Dass die Ziele der Kreislaufwirtschaft, also einer Null-Abfall-Vision, auch mit Sonderabfällen erreicht werden können, stellt die PDR Recycling GmbH + Co KG unter Beweis. Seit 1994 nimmt das Unternehmen bundesweit gebrauchte PU-Schaumdosen von Hand- und Heimwerkern kostenfrei zurück und recycelt sie in ihrem Werk im oberfränkischen Thurnau. Die Verwertungsquote liegt bei über 95 Prozent, gut 80 Prozent davon entfallen auf die stoffliche Verwertung. Das heißt, aus diesen 80 Prozent entstehen wieder neue Produkte. Betroffen sind rund 25 Millionen Dosen, die jährlich in Deutschland verbraucht werden. Jetzt will das Unternehmen seine Aktivitäten ins europäische Ausland ausweiten.

Montage- oder Bauschaumdosen, wie PU-Schaumdosen auch genannt werden, finden in vielen Gewerken Verwendung. Eines der Haupteinsatzgebiete ist die Dämmung von Fenstern und Türen. Die vielfältige Verwendung bringt für das Recycling folgende Herausforderung mit sich: Es gibt relativ viele Anwender, die vergleichsweise geringe Mengen verbrauchen. Eine der Hauptaufgaben bei der Entwicklung des Recyclingsystems war deswegen der Aufbau einer wirkungsvollen Rückhollogistik, die heute über das unternehmenseigene Servicecenter gesteuert wird. Hierbei arbeitet PDR mit speziell ausgebildeten Logistikpartnern zusammen, die sich auf kleinteilige und serviceintensive Transporte spezialisiert haben.

Guter Service – einfache Rückgabe

Für den Handwerker ist die Teilnahme an dem Rücknahmeservice für PU-Schaumdosen einfach: Wer PU-Schaum kartonweise verarbeitet, stellt die Dosen nach Gebrauch zurück in den Originalverkaufskarton. Dieser dient gleichzeitig als Rücksendekarton. Danach genügen ein gebührenfreier Anruf (0800-7836736) oder Fax (0800-7836737), eine E-Mail (abholauftrag@pdr.de) oder der Klick auf den Button „Online Abholauftrag“ auf www.pdr.de. Damit ist der Auftrag erteilt. Im Anschluss kümmern sich die Recyclingspezialisten um Abholung und Recycling. Der Betrieb erhält eine Übernahmebestätigung, mit dem er die korrekte Entsorgung des Sonderabfalls gegenüber den Behörden nachweisen kann.

Bei Handelspartnern und kommunalen Sammelstellen geht der Service sogar noch einen Schritt weiter. Hier stellt das Unternehmen eine 240-Liter-Rückgabestation zur Verfügung, mit der sie die von den Kunden einzeln zurückgebrachten Dosen erfassen können. Auch hier genügt die formlose Auftragserteilung für die kostenlose Leerung und Abholung. So können auch Anwender, die nur mit einzelnen Dosen arbeiten, an dem Recyclingsystem mit einem vertretbaren Aufwand teilnehmen. Sie finden über eine Onlinesuchfunktion auf www.pdr.de Annahmestellen in ihrer Nähe. Dazu genügt die Eingabe der eigenen Postleitzahl und das System wirft die nächsten Rückgabemöglichkeiten bei Kommunen und Baumärkten aus.

Produkte durch Recycling

Sind die Dosen im Thurnauer Werk angekommen, folgt der technische Recyclingvorgang. In der weltweit einzigen Anlage für das Recycling von PU-Schaumdosen werden diese unter Sauerstoffabschluss mechanisch zerkleinert. Die flüssigen Inhaltsstoffe und Metallteile fallen in ein Lösemittelbad. Über eine Waschschnecke werden sie herausgefördert und mehrfach gewaschen. Ein Metallabscheider sortiert das gereinigte und getrocknete Aluminium und Weißblech. Das anfallende PU-Lösemittel-Gemisch wird mehrfach gefiltert und nach PU und Lösemittel getrennt. Die Treibmittel werden abgesaugt und unter Druck verflüssigt. Aus den Plastikkappen wird Mahlgut für die Kunststoffaufbereitung gewonnen. Am Ende des Recyclingvorgangs steht der Gewinn folgender Produkte und Rohstoffe: Die Prepolymere Prepur und Premod gehen zurück in die Polyurethanproduktion. Das Treibgasgemisch Trigas findet als technisches Gas Wiederverwendung. Kunststoffmahlgut PE/PP wird an Kunststoffhersteller verkauft. Weißblech und Aluminium gehen in die Verhüttung.

dsc_0129_ret_kleinRecycling, das sich lohnt

So viel zum Ablauf des Recyclingweges. Bleibt die Frage, ob sich der ganze Aufwand aus ökologischer Sicht tatsächlich rechnet. Werden durch das Recycling nicht viel mehr Ressourcen verbraucht als wiedergewonnen? Diese Frage beantwortet eine Ökobilanz aus dem Jahr 2012. Die Experten des auf Lebenszyklusanalysen spezialisierte Unternehmens PE International AG verglichen darin das herkömmliche Wiederaufbereitungsverfahren für gebrauchte PU-Schaumdosen mit dem Recycling nach dem PDR-System. Während ersteres lediglich die Verpackung stofflich verwertet, die Restinhaltsstoffe aber in der Müllverbrennung landen, gewinnt PDR neben den Metallteilen auch die Restinhaltsstoffe zurück. Die Studie belegt: Durch das PDR-Verfahren werden höchstmögliche Energie- und Rohstoffeinsparungen im Sinne einer nachhaltigen Kreislaufwirtschaft erzielt. Das liegt nicht zuletzt daran, dass sich in den PU-Schaumdosen in der Regel noch ein recht hoher Anteil an flüssigen Inhaltsstoffen befindet. Im Schnitt sind das ca. 80 Gramm PU-Prepolymer und 15 Gramm Druckgase, die energieaufwändig hergestellt wurden und nach dem Recycling wieder als Rohstoffe eingesetzt werden können. Deswegen ist im Falle von PU-Schaumdosen das stoffliche Recycling günstiger als die thermische Entsorgung. Die Vorgaben des Kreislaufwirtschaftsgesetzes und der Verpackungsverordnung verpflichten aufgrund dieser Ergebnisse zur stofflichen Verwertung der Bauschaumdosen inklusive ihrer Restinhalte.

Eine Branche mit Vorbildfunktion

„Mit ihrem ausgefeilten Rücknahmeservice und ihrer hohen stofflichen Verwertung ist PDR eine der ganz wenigen Branchenlösungen, die ihre Rücknahmepflichten über das die gesetzlichen Vorgaben hinaus erfüllen“, erläutert PDR Geschäftsführer Dr. Thomas Hillebrand. Bereits 1993 haben sich die führenden europäischen Hersteller von PU-Schaumdosen zusammengeschlossen, um für ihr Produkt eine umfassende Recyclinglösung im Sinne des damals noch nicht verabschiedeten Kreislaufwirtschaft- und Abfallgesetzes anzubieten. Dazu entwickelten die Hersteller eine Recyclingtechnologie mit hohen stofflichen Verwertungsquoten und gründeten mit PDR ein Gemeinschaftsunternehmen, an das sie ihre Rücknahme- und Recyclingaufgabe übertrugen. Seitdem wurde das System ständig verbessert. Heute zählen elf europäischen Unternehmen zu den PDR Gesellschaftern. Sie decken über 80 Prozent des Marktes der in Deutschland verkauften PU-Schaumdosen ab. Das System finanziert sich über Wertmarken, welche die Produzenten bei PDR kaufen und auf die Dosen aufbringen. Mit der Wertmarke sind Rücknahme und Recycling bereits beim Kauf bezahlt.

PU-Schaumdosenrecycling in Europa?

Das PDR System ist seit 1994 in Deutschland eingeführt und hat sich seitdem im Markt fest etabliert. Doch wie sieht es im europäischen Ausland aus? Im Prinzip sollten hier die gleichen gesetzlichen Vorgaben gelten wie in der Bundesrepublik. Trotzdem könnte die Umsetzung nicht unterschiedlicher sein. Neben den deutschen Dosen recycelt PDR solche aus den Niederlanden und Luxemburg, vereinzelt auch aus Österreich und der Schweiz.
Die Anlage im oberfränkischen Thurnau könnte auch gebrauchte Bauschaumdosen aus den benachbarten europäischen Ländern zurückholen. Es ist deswegen erklärtes Ziel von Geschäftsführer Dr. Thomas Hillebrand, auch Dosen von den mitteleuropäischen Nachbarn in Polen, Tschechien und der Slowakei nach Oberfranken zum Recycling zu bringen. Auch Dänemark und Schweden stehen auf der Expansionsliste des Spezialrecyclers. „Mit unserer speziellen Recyclinglösung möchten wir in Europa unseren kleinen Beitrag zur Umsetzung der Idee der Kreislaufwirtschaft leisten“, appelliert Hillebrand.

Background: Über PDR

PDR ist der Spezialist für stoffliches Recycling von gebrauchten Produkten und Produktionsresten. Mit innovativen Technologien und intelligenten Dienstleistungen erreicht der Spezialrecycler ein Optimum an stofflicher Verwertung. Gemeinsam mit ihren Kunden führt PDR die gewonnenen Produkte ressourcenschonend in den Produktionskreislauf zurück.

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