Noch näher am Markt und am Kunden

PCI Pressekonferenz in Augsburg informaiert über zukünftige Strategie

Mitte März hatte die PCI-Gruppe – mit den Marken PCI und Thomsit – zur Pressekonferenz nach Augsburg eingeladen. Wegen der Entscheidung, mit beiden Traditionsmarken der BAU-Messe fernzubleiben, hatte Marketingchef Stephan Tschernek die sonst übliche Messe-PK vorgezogen und an den Firmenstandort Augsburg verlegt.

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Interview mit Stefan Harder, Geschäftsführer PCI Augsburg:

Da das Interesse von Sika an der MBCC-Gruppe (und darin insbesondere PCI) seit langem branchenbekannt, die Transaktion seit November 2021 im Gange und die Zustimmung der europäischen Kommission zum Kauf der Gruppe längst erwartet worden war, hatten die anwesenden Journalisten damit gerechnet, dass dies das Thema der Pressekonferenz sein würde. War es natürlich auch – aber längst nicht nur.

Tschernek informierte denn auch auf der Konferenz, das bei der Messe eingesparte Geld in Kundenveranstaltungen vor Ort investieren zu wollen. „Wir werden uns in diesem Jahr auf Maßnahmen fokussieren, die sehr nah am Markt und am Kunden sind“, betonte der Marketingleiter und nannte unter anderem individuelle, regionale Verkaufsaktionen am Point of Sale bei den Händlern, Handwerker-Frühstücke, Profi-Treffs und zentrale plus dezentrale Schulungen sowie die dritte Auflage des PCI-Alpencups.

Nach einer Werksführung referierten CEO Stefan Harder, der technische Geschäftsführer Frank Rösiger, Marketingleiter Stephan Tschernek sowie der (seit Mitte Februar) neue Gesamtvertriebsleiter Holger Sommer über die Jahres-Schwerpunkte der Marken PCI und Thomsit hinsichtlich der Produkte sowie Vertriebs- und Marketingstrategien. Neben der oben erwähnten Neuausrichtung der Kundenansprache präsentierten Tschernek und Sommer – in einem kurzweiligen Ping-Pong-Vortrag – insbesondere die Fokusprodukte 2023.

Nicht von dieser Welt

Produktmäßig steht bei PCI die Exklusivlinie „Nano“ mit den drei neuen Produkten Nanorapid, Nanolight und Nanofug Premium im Mittelpunkt. Die Jahreskampagne „Nicht von dieser Welt“ mit dem Untertitel „Die Trilogie des Fliesens“ präsentiert diese zwei Klebstoffe und eine Fugenmasse in einer Verbindung zum Weltraum beziehungsweise der Raumfahrt. Die verwendeten Motive „Space Shuttle“ (Nanorapid), „Mann auf dem Mond“ (Nanolight – siehe Abbildung) und ein Gebinde in Ufo-Ansicht (Nanofug Premium) sollen „sinnbildlich für die technologische Fortschrittlichkeit der im Mittelpunkt der Jahreskampagne stehenden, hoch entwickelten PCI-Nano-Linie mit ihrem außergewöhnlichen Anwendungs- und Verarbeitungsprofil“ stehen, so die entsprechende Presseinformation.

Einer der Werbemotive aus der Raumfahrt, mit denen die PCI auch bei 1200Grad wirbt.
Einer der Werbemotive aus der Raumfahrt, mit denen die PCI wirbt.

Hinzu kommen drei neue Spachtelmassen, von denen die dritte, „Periplan Flow“ in diesem Jahr erst noch eingeführt werden wird – dann mit der besonderen CSA-Technologie. Diese von PCI zum Patent angemeldete CSA-Technologie zeichnet sich unter anderem dadurch aus, dass nach Aussage von PCI der Zement bei niedrigeren Temperaturen gebrannt und damit beim Herstellungsprozess deutlich weniger Energie verbraucht wird als bei herkömmlichen Produkten mit Portland-Zement. Der CO2-Fußabdruck werde so signifikant gesenkt. Zudem sorge der namensgebende Calcium-Sulfoaluminat-Zement (sog. CSA-Zement) für ein schnelleres Erstarren sowie eine höhere Frühfestigkeit, was wiederum den Baufortschritt beschleunige.

Auch der oben bereits erwähnte Fliesen-Schnellkleber PCI Nanorapid entstammt der CSA-Technologie, was laut PCI „den Verarbeitern auf der Baustelle ganz neue Möglichkeiten eröffnet: lange Verarbeitungs- und Korrigierzeit und gleichzeitig schnelle Abbindezeit. So können Bauvorhaben optimal geplant, Arbeitsabläufe beschleunigt und der Verarbeitungskomfort gesteigert werden. Gleichzeitig reduziert die CSA-Technologie den CO2-Fußabdruck des neuen Fliesen-Schnellklebers signifikant.“

Schließlich wird PCI in 2023 auch noch zwei Bodensanierungs-Produkte launchen, eine zementäre Beschichtung und einen Fließestrich-Fertigmörtel; dies vor dem Hintergrund einer veränderten Marktsituation: PCI erwartet eine weitere Verschiebung der Bauwirtschaft vom Neubau zur Renovierung, wo einzig noch Wachstumspotenzial gesehen wird.

Vermarktungsschwerpunkt Renovierung

Bei der Markenschwester Thomsit wird der Vermarktungsschwerpunkt noch eklatanter in Richtung auf Renoviersysteme verlagert. Holger Sommer präsentierte die Ergebnisse mehrerer Prognosen und Studien, die ein weiteres Nachlassen der Neubautätigkeit erwarten lassen, bei einem gleichzeitigen Zuwachs im Modernisierungsbereich – getrieben durch Maßnahmen zum Erreichen der Klimaziele. Die Genehmigungen sowohl für Eigenheime als auch für wohnähnliche Betriebsgebäude seien rückläufig, so Sommer. Zudem würden vor allem Wohnbau-Unternehmen viele Projekte stornieren.

Da aber bis 2027 insbesondere mit vermehrten Badrenovierungen und einem Zuwachs beim Austausch von Fußbodenbelägen zu rechnen sei, werde Thomsit seine im vergangenen Jahr gestartete Renoviersystem-Kampagne mit drei neuen Systemlösungen für typische Herausforderungen beim Renovieren und Sanieren ausweiten, flankiert von maßgeschneiderten kleineren Events (Roadtrip) „nahe am Kunden“. Hinsichtlich der Produktsegmente wird sich Thomsit auf die Parkettkleber konzentrieren und hierbei das Produktportfolio von bisher fünf auf drei Klebstoffe reduzieren – als Handelsvorteil und ohne erwartete Absatzverluste für die PCI-Gruppe.

Vorbereitung auf den Gesellschafterwechsel

Was die Integration der PCI-Gruppe in den Sika-Unternehmensverbund betrifft, berichtete Stefan Harder, dass die „europäische Kommission etwas mehr Zeit benötigt habe als erwartet worden war“, dass aber seit 9. Februar die Genehmigung der Transaktion vorliege. Am 3. Mai voraussichtlich erwarten seine Kollegen und er das „Closing“. Bis dahin – so Harder – stehe man indes noch im Wettbewerb und könne nichts Offizielles zur erwarteten Markenpolitik unter Sika-Leitung sagen.

Seiner persönlichen Erfahrung nach würden jedoch erfolgreich am Markt agierende Unternehmen behutsam mit starken Marken umgehen. Und sowohl PCI in der Fliesen- und Natursteintechnik als auch Thomsit bei den Verlegewerkstoffen für Bodenbeläge und Parkett gehören mit ihren Sortimenten zu den führend positionierten Marken. Man darf gespannt sein, was nach der Zusammenführung unter einem Dach mit der Sika-Marke Schönox passieren wird, die mit ihren Produkten sowohl im PCI- als auch im Thomsit-Markt aktiv ist.

Weitere Themenaspekte auf der Pressekonferenz waren die getätigten und noch zu tätigenden Investitionen: So erweiterte die PCI-Gruppe ihre Dispersionskleber-Anlage am Standort Augsburg sowie ihre Parkettkleber-Anlage am Standort Wittenberg und baut gerade die Siloerweiterung der Pulverfertigungsanlage 5 in Augsburg. Bei deren in Kürze zu erwartender Inbetriebnahme wird die PCA über die Fertigungsmöglichkeit der CSA-basierten Produkte verfügen.

Außerdem soll am Standort Augsburg zeitnah eine Photovoltaik-Anlage mit 2.396 Solarpaneelen errichtet werden, um zum einen die energetische Unabhängigkeit zu steigern und zum anderen den CO2-Fußabdruck der Gruppe zu verkleinern. Mit erwarteten 1.100 Megawattstunden selbst erzeugtem Strom pro Jahr soll die Anlage nach ihrer Fertigstellung im Oktober dieses Jahres zwischen etwa einem Drittel und zwei Fünfteln des bei PCI in Augsburg benötigten Stroms herstellen. Diese Maßnahme reiht sich ein in ein ganzes Bündel aus Nachhaltigkeitsanstrengungen, für das der technische Geschäftsführer Frank Rösiger die Gründung einer Task Force „Nachhaltigkeit“ vorstellte.

Die PCI-Gruppe soll künftig nach ESG-Prinzipien (Environmental, Social and Governance) geführt werden, wobei der Schwerpunkt ls Hersteller bauchemischer Produkte auf den Bereichen „nachhaltige Produktsysteme“ und „nachhaltige Werke“ liegen wird, wie Rösiger mitteilte. Als weitere Schritte – nach den bereits erfolgten (siehe Nachhaltigkeitsbericht der Gruppe) – kündigte Rösiger eine Reihe von Maßnahmen zur CO2-Reduzierung (mit Fokus auf Scope 1- und Scope 2-Emissionen) und verstärkte F & E-Anstrengungen für noch nachhaltigere Produktsysteme wie die vorgestellte CSA-Technologie an.

Blick in die PCI-Pressekonferen
Blick in die PCI-Pressekonferenz

PCI-Geschäftsausblick

Trotz eines schwierigen Marktumfeldes nach der Pandemie als großem „Game Changer“ und dem von Russland begonnenen Krieg in der Ukraine meldet die PCI-Gruppe für 2022 eine leichte Erhöhung der Netto-Umsätze. Laut Stefan Harder habe das in Deutschland fehlende Geschäft durch robustere Auslandsmärkte kompensiert werden können. Die Profitabilität sei nach wie vor gut, was angesichts der Energiekosten-Steigerung, dem noch extremeren Rohstoffkosten-Anstieg und der enorm nervös reagierenden Märkte ein gutes Zeichen dafür sei, dass die Aufgabe bewältigt werde, die starke Marktposition der beiden Marken bei nicht wachsendem Volumen zu behaupten.

Grundsätzlich erwartet man bei der PCI-Gruppe ein schwieriges Jahr 2023, sei aber gut für die sich stellenden Herausforderungen aufgestellt. Vom Marktumfeld erwarten Stefan Harder und seine Kollegen in diesem Jahr keinen Rückenwind; daher gelte es, bei rauer See weiterhin den Kurs zu halten.

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