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Nachwuchsgenerierung: Linnenbecker mit Präsenz in den Sozialen Medien

Kommunikation auf Augenhöhe: Begeisternd, authentisch und identitätsstiftend

Auf der CeramVision 2019 fiel im Februar der Startschuss für das Linnenbecker-Azubi-Projekt „Youngsters on Tour“. Aufgrund von „Impulsen“ an die Marketing-Abteilung entstand die Idee, als Unternehmen eine deutlich stärkere Präsenz in den sozialen Medien zu zeigen. Die Azubis Ilona Heinrichs, Djuna Hochsattel, Denis Welland, Hayman Haji, Marvin Münchow, Benjamin Hirsch und Luka-Leon Huxhold gehen hierbei wortwörtlich „mit dem Bulli auf Tour“ und filmen selbst an verschiedenen Orten; sie interviewen Geschäftspartner und Mitarbeiter und nehmen dabei die Zuschauer mit auf ihre Reise: ein in der Branche bislang einzigartiges und wegweisendes Projekt. Für uns Anlass genug, das Thema „Ausbildung bei Linnenbecker“ in allen seinen Facetten zu beleuchten. Über Nachwuchsgenerierung, Ausbildungsmarketing, Employer Branding, das spezielle Azubi-Schulungskonzept und natürlich über die „Youngsters on Tour“ sprachen wir mit der verantwortlichen Personalreferentin Ausbildung, Christine Lenniger.

Christine Lenniger (31) ist seit 2015 als Personalreferentin Ausbildung in der Unternehmensgruppe Linnenbecker tätig. Ihre Ausbildung begann sie bei Linnenbecker als Kauffrau im Groß- und Außenhandel mit integriertem BA-Studium „Europäische BWL“, berufsbegleitend erwarb sie von 2014 bis 2017 den M.A. Sales and Marketing. Nach ihrer Ausbildung in 2011 war sie bis Ende 2014 Produktmanagerin Fliese und hier verantwortlich für die Auslandssortimente und die Eigenmarke. Federführend baute sie das Schulungskonzept/Ausbildungskonzept bei Linnenbecker auf. Seit 2014 ist Christine Lenniger Ausbilderin und Mitglied im Prüfungsausschuss der IHK.Fotos: Linnenbecker

Frau Lenniger, aktuell werden in der Unternehmensgruppe Linnenbecker 85 junge Leute in verschiedenen Berufen ausgebildet. Um welche Berufe handelt es sich dabei?

Christine Lenniger: Im Fachhandel bilden wir vorrangig in den Berufen Kaufmann im Groß- und Außenhandel und Fachkraft für Lagerlogistik bzw. Fachlagerist aus. Vereinzelt sind auch Kaufleute für Büromanagement vertreten. In unseren hagebaumärkten wiederum werden Kaufleute im Einzelhandel ausgebildet. Dazu kommen punktuell duale Studenten aus dem betriebswirtschaftlichen Bereich, die entweder neben ihrer Ausbildung bereits das Studium absolvieren oder uns in ihren Praxisphasen unterstützen und so unserem Unternehmen langfristig erhalten bleiben.

Welche schulischen Voraussetzungen bzw. Abschlüsse sind erforderlich, um bei Linnenbecker eine Ausbildung beginnen zu können?

Lenniger: Die schulischen Voraussetzungen sind abhängig vom gewünschten Ausbildungsberuf. In den kaufmännischen Berufen sollte es aber mindestens die Fachoberschulreife sein; Fachabitur oder höhere Handelsschule wären natürlich ideal, weil man dabei bereits mit einigen Ausbildungsinhalten in Berührung kommt. Im Bereich Fachlagerist/Fachkraft für Lagerlogistik kann es auch ein guter Hauptschulabschluss oder eben die Fachoberschulreife sein. Für die Studenten gilt: Volle Fachhochschulreife oder Abitur, damit die Studienvoraussetzungen eingehalten werden. Weitere Voraussetzungen bei allen Ausbildungsberufen sind die Freude an der Arbeit mit (vielen) Menschen, Flexibilität, Offenheit, Serviceorientierung und Interesse an unserer Branche.

Auf der CeramVision 2019 fiel der Startschuss für das Linnenbecker-Azubi-Projekt „Youngsters on Tour“. Foto: Redaktion/Rottstegge

„Passt“ bei Ihnen das Verhältnis zwischen Angebot und Nachfrage? Haben Sie deutlich mehr Bewerber als freie Stellen? 

Lenniger: Über die gesamte Unternehmensgruppe betrachtet erhalten wir schon genügend Bewerbungen, für einige Standorte gezielt würden wir uns aber durchaus über mehr Bewerbungen freuen. Es ist spürbar, dass die Bewerber sich mittlerweile aussuchen können, zu welchem Unternehmen sie gehen.

Stellt sich die Situation an den einzelnen Standorten in Nordrhein-Westfalen, Berlin, und Mecklenburg-Vorpommern differenziert dar? Ist es für Sie beispielsweise in Bad Salzuflen einfacher, die geeigneten Nachwuchskräfte zu finden als in Stralsund?

Lenniger: Tatsächlich ist es regional sehr unterschiedlich ausgeprägt, wie viele Bewerbungen eingehen und es ist ein Unterschied zwischen Ballungszentren und ländlicheren Gebieten erkennbar. Andererseits sagt die Quantität eingehender Bewerber nicht unbedingt etwas über die Eignung aus. Die Herausforderung, die „richtigen“ Auszubildenden zu finden, ist überall gegeben. Bisher sind wir aber sehr zufrieden mit unseren Auszubildenden.

Wie hoch ist die Übernahmequote nach der Ausbildung? Und wie sehen die Karrierechancen im Unternehmen aus?

Lenniger: Linnenbecker bildet grundsätzlich für den eigenen Bedarf aus, die geplante Übernahmequote liegt also bei 100 Prozent. Letztlich kommt es dann natürlich darauf an, ob unsere Auszubildenden sich vorstellen können, die angebotenen Stellen auszufüllen. Wer wirklich möchte, hat im Unternehmen viele Karriereperspektiven, angefangen bei unserem Führungskräfteentwicklungsprogramm Li.FE, mit dem der Grundstein für leitende Positionen gelegt wird. Viele der Kollegen in den Führungs-Positionen sind „Linnenbecker-Eigengewächse“, die über verschiedene Funktionen im Innen- und Außendienst nun z. B. die Team- oder Niederlassungsleitung übernommen haben.

Kundenberatung in der Fliesenausstellung mit Djuna Hochsattel und Marvin Münchow (Mitte, rechts), Hayman Haji spielt den Kunden.

Unternehmen präsentieren sich heute als attraktiver Arbeitgeber, um junge Leute auf sich aufmerksam zu machen. Wie ist Linnenbecker hier aufgestellt, welche Formen der Ansprache, welche Kanäle nutzen Sie?

Lenniger: Zunächst einmal nutzen wir neben unserer eigenen Website ganz klassisch die Onlineangebote der IHK und der Agentur für Arbeit sowie die lokalen Jobbörsen. Neben unserer Präsenz auf Jobmessen oder Karrieretagen in den Schulen bieten wir auch die Möglichkeit, ein Praktikum zu absolvieren. Momentan überarbeiten wir zudem unser Social-Media-Konzept, um uns künftig noch stärker auf Facebook und Instagram zu präsentieren. Ein weiterer wichtiger Faktor ist zudem die Weitempfehlung durch Azubis und Kollegen, der dafür sorgt, dass Bewerbungen eingehen.

“Momentan überarbeiten wir unser Social Media-Konzept, um uns künftig noch stärker auf Facebook und Instagram zu präsentieren.”

Welche Form der Kommunikation wählen Sie, um das „Employer Branding“ langfristig zu stärken?

Lenniger: Intern nutzen wir neben Newslettern zu bestimmten Themenschwerpunkten unsere Mitarbeiterzeitung Li.View, in der unsere Standorte und die zentralen Abteilungen über aktuelle Projekte und Veranstaltungen informieren oder neue Kolleginnen und Kollegen, die standortübergreifend tätig sind, vorgestellt werden. Besonders gespannt werden z. B. die jährlichen Infoseiten zu unseren neuen Auszubildenden erwartet. In der externen Kommunikation starten wir gerade neu durch.

Der Auszubildende zur Fachkraft für Lagerlogistik, Eugen Khlyzov aus Lemgo, beim Kommissionieren.

Haben sich die Bedürfnisse der jungen Leute der so genannten „Generation Y“ verändert im Vergleich zu früheren Generationen – was deren Vorstellungen vom beruflichen Werdegang angeht?

Lenniger: Aus eigenen Beobachtungen und Erzählungen von Kollegen kann man sagen, dass sich die Prioritäten definitiv verschoben haben. Wo vor einigen Jahren die Karriere im Vordergrund stand, geht es heute mehr um eine ausgewogene Work-Life-Balance und Anerkennung für die eigenen Leistungen.

Wie hebt sich Linnenbecker in Sachen „Employer Branding“ von anderen Unternehmen ab?

Lenniger: Zum Beispiel mit unserem Ausbildungs- und Schulungskonzept Li.GA oder weiteren Projekten unserer Azubis, wie z.B. dem innovativen Azubi-Vlog der „Youngsters on Tour“.

Welchen Vorteil haben junge Schulabgänger, wenn sie ihre Ausbildung bei Ihnen absolvieren?

Lenniger: Linnenbecker bietet ein umfangreiches Schulungskonzept speziell für Auszubildende – Li.GA: Linnenbeckers gemeinsame Ausbildung. Im Rahmen dieser Schulungen treffen sich die Auszubildenden innerhalb ihrer Lehrjahre oder auch übergreifend und verarbeiten in Praxisschulungen die Produkte, die wir verkaufen; sie lernen mehr über die einzelnen Produkte und Anwendungsbereiche und beschäftigen sich mit rechtlichen Vorschriften zu den einzelnen Artikelgruppen. Außerdem gibt es beispielsweise Verkaufstrainings, Softwareschulungen und ein Unternehmensplanspiel, in dem unsere Auszubildenden an drei Tagen in die Rolle der Entscheider schlüpfen und ein Projekt von A-Z organisieren müssen. Alle Schulungen sind auf die jeweiligen Zielgruppen zugeschnitten; das bedeutet beispielsweise, dass sich unsere Lagerlogistiker zudem speziell mit Themen aus ihrem Arbeitsalltag beschäftigen.

In den Standorten stehen Ausbilder als Ansprechpartner für alle Themen rund um die Ausbildung mit Rat und Tat zur Seite. Und sollte doch mal ein Ansprechpartner fehlen, bin ich auch noch da. Außerdem werden unsere Auszubildenden von Beginn an aktiv in die jeweiligen Abteilungen und Arbeitsabläufe integriert und packen selbst mit an.

Welche Rolle spielen Themen wie „Social-Media-Recruiting“ und „Influencer Marketing“ bei der Gewinnung von Nachwuchskräften?

Lenniger: Wer heutzutage „gesehen“ werden will, muss auch im Bereich Social-Media präsent sein. Besonders mit unserem Azubi-Projekt erhoffen wir uns, das Unternehmen als Arbeitgeber auch für Nachwuchskräfte attraktiv darzustellen. Sprich: „Von Azubis – für potenzielle Neu-Azubis und neue Kolleginnen und Kollegen“. Das Thema „Influencer Marketing“ kann ebenfalls ein Mittel sein. Allerdings liegt die Schwierigkeit hier in der Authentizität, da durch die derzeitige „Überflutung“ in diesem Bereich vieles zu sehr gekünstelt wirkt.

“Wer heute ,gesehen´ werden will, muss im Bereich Social Media präsent sein. Aber durch die derzeitige Überflutung in diesem Bereich wirkt vieles zu sehr gekünstelt.”

Was bedeutet für Linnenbecker in diesem Zusammenhang „Kommunikation auf Augenhöhe” mit den jungen Leuten?

Lenniger: Wir möchten interessierten Jugendlichen auf den Kanälen, auf denen sie ihre Informationen üblicherweise sammeln, begegnen und ihnen das zeigen, was sie auch wirklich interessiert. Wenn wir auf Jobmessen oder Karrieretagen in Schulen unterwegs sind, sind unsere Auszubildenden immer dabei – oft werden ihnen Fragen gestellt, die an die Ausbilder nicht gerichtet würden.

Das „Youngsters on Tour“-Team: V. l. Luka-Leon Huxhold, Djuna Hochsattel, Ilona Heinrichs, Benjamin Hirsch, Denis Welland, Hayman Haji. Nicht auf dem Foto: Marvin Münchow. Foto: Redaktion/Rottstegge

Und welche Bedeutung messen Sie hier dem Begriff „Authentizität“ zu?

Lenniger: Teilweise übernehmen unsere Auszubildenden die Kommunikation, immer in Zusammenarbeit mit unserer Marketing-Abteilung. Wir fragen unsere Auszubildenden „Was hättest Du vor Ausbildungsbeginn wissen wollen? Welche Themen waren für Dich bei der Entscheidung für unser Unternehmen wichtig?“ und informieren dann gezielt darüber. Ideen für die Umsetzung neuer Themen sind dabei immer herzlich willkommen. Hinzu kommt, dass die Verantwortlichen im Marketing-Team ebenfalls jung und in den Sozialen Medien zuhause sind.

Auf der CeramVision 2019 fiel der Startschuss des Linnenbecker-Azubi-Projektes „Youngsters on Tour“. Können Sie unseren Lesern einmal erläutern, worum es bei diesem Projekt geht?

Lenniger: Im Rahmen dieses Projektes besucht eine Gruppe unserer Auszubildenden verschiedene unserer Niederlassungen, um so die Standorte oder Dienstleistungen unserer Unternehmensgruppe allen Interessierten in einem Videoblog nahezubringen. In diesem „Vlog“ geht es darum, der Außenwelt, aber auch unseren neuen Kolleginnen und Kollegen und Auszubildenden zu zeigen, was die Unternehmensgruppe Linnenbecker ausmacht.

“Es geht darum, der Außenwelt, aber auch unseren neuen Kolleginnen und Kollegen zu zeigen, was die Unternehmensgruppe Linnenbecker ausmacht.”

Wie kam es zu diesem Projekt? Was gab hier den Anstoß?

Lenniger: Entstanden ist die Idee durch Impulse und Hinweise an unsere Marketing-Abteilung, u. a. eine stärkere Präsenz in den sozialen Medien zu zeigen. Unsere Marketingleiterin Andrea Siekmann hat daraufhin nach einer Möglichkeit gesucht, das Unternehmen auf interessante Art zu präsentieren – und hatte die Idee zu „Youngsters on Tour“.

Was passiert bei diesem Projekt?

Lenniger: Unsere Azubis gehen wortwörtlich „mit dem Bulli auf Tour“ und filmen in Eigenregie an den einzelnen Standorten; sie interviewen Geschäftspartner oder Mitarbeiter und nehmen die Zuschauer mit auf ihre Reise. Im Vorfeld müssen sie in Workshops ein Konzept erarbeiten, d. h. welche Inhalte sollen in welcher Episode gezeigt werden, wer wird interviewt, welche Requisiten werden benötigt? Sie müssen die entsprechenden Termine selbstständig organisieren und vereinbaren, die Verantwortlichkeit für die verschiedenen Aufgaben untereinander koordinieren usw.

Ilona Heinrichs beim telefonischen Kundenservice (Auftragssachbearbeitung), Kauffrau im Groß- und Außenhandel.

Wie sind die ersten Erfahrungen? Sowohl im Team, aber auch das Feedback „von außen“?

Lenniger: Bisher gab es ausschließlich positive Äußerungen – den Auszubildenden macht es riesig Spaß, sie freuen sich über die große Akzeptanz des Projektes und unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind neugierig und begeistert, was die jungen Leute so auf die Beine stellen. Und auch unsere Geschäftspartner sind beeindruckt – alle haben uns auf der CeramVision in jeglicher Hinsicht während der Dreharbeiten unterstützt und sich auch gerne als Interviewpartner zur Verfügung gestellt. Aber machen Sie sich doch einfach selbst ein Bild – die erste Episode ist nun online.

Was sind Ihre Erwartungen an dieses Projekt?

Lenniger: Wir wollen die Menschen „da draußen“ mit den Videos begeistern, authentische Einblicke in die „Linnenbecker-Welt“ gewähren und Interesse für unser Familienunternehmen wecken. Gleichzeitig erhoffen wir uns bei unseren teilnehmenden Auszubildenden durch das Projekt und die Nähe zu anderen Standorten eine stärkere Identifizierung mit Linnenbecker. Außerdem verbessern sie quasi spielerisch ihre organisatorischen Fähigkeiten und stärken ihr Selbstbewusstsein. Vor der Kamera zu stehen oder als Regisseur dahinter, das muss man sich schließlich auch erst mal trauen…

Last but not least bekommen durch die „Youngsters on Tour“ auch alle Kolleginnen und Kollegen einen noch umfassenderen Blick auf unser Unternehmen und lernen die anderen Standorte und Menschen kennen, die gemeinsam mit ihnen für Linnenbecker stehen. Und all das aus der Perspektive der neuen Generation, die alles mit frischem Blick wahrnimmt und möglicherweise ihren Fokus ganz anders setzt.

Christine Lenniger (M.): “Wir erhoffen uns bei unseren teilnehmenden Auszubildenden durch das Projekt und die Nähe zu anderen Standorten eine stärkere Identifizierung mit Linnenbecker.”

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