Keramische Beläge effektiv reinigen

Im Jahr 2012 wurden in Deutschland keramische Bodenbeläge im Wert von ca. 540 Millionen Euro verkauft. Charakteristische Eigenschaften der Keramik sind unter anderem ihre Langlebigkeit und Reinigungsfreundlichkeit. Aus diesem Grund kommen keramische Beläge häufig bei Anwendungen zum Einsatz, bei denen besondere Anforderungen an die Haltbarkeit und Hygiene gestellt werden. Also auch genau dort, wo intensiv und professionell gereinigt wird. Ein guter Grund, mehr über diese Beläge zu erfahren.

Reinigung Großküche

Am Anfang einer jeden Reinigung steht die Bestandsaufnahme. Durch die Prüfung einiger Parameter wird die maximale Handlungssicherheit erreicht. Die Reinigungsmittel, -geräte und -methoden müssen individuell auf den Belag, die Verfugung und die Art der Verschmutzung abgestimmt werden. Bei einer nicht fachgerechten Reinigung können Fugen angegriffen und sogar der komplette Belag zerstört werden. Auch durch eine wiederkehrende, nicht fachgerecht durchgeführte Unterhaltsreinigung können die Eigenschaften keramischer Beläge nachhaltig verändert werden. Speziell bei Bodenbelägen, an die besondere Anforderungen der Trittsicherheit gestellt werden, ist die Wahl des richtigen Reinigungsmittels besonders bedeutend. Durch filmbildende Produkte wird die Trittsicherheit herabgesetzt. Eine erhöhte Unfallgefahr und ein daraus resultierendes Haftungsrisiko für die ausführenden Reinigungsunternehmen können die Folge sein. Sind die Böden erst einmal ruiniert, können diese nur sehr aufwändig instand gesetzt und müssen in extremen Fällen sogar erneuert werden. In diesem Fall steigen die Sanierungskosten schnell an. Oft ist die nötige Sensibilität der Beteiligten für das Bauteil Bodenbelag nicht vorhanden. Müssen diese saniert werden, hat dies meist eminente Störungen der Betriebsabläufe zur Folge und zieht im Normalfall hohe Kosten nach sich.

Zementäre Fugenmörtel

Fugen sind ein unverzichtbarer Bestandteil eines jeden keramischen Belags. Sie gleichen materialbedingte Toleranzen aus, kompensieren Spannungen und verbinden die einzelnen Fliesen zu einem optisch homogenen und leicht zu reinigenden Belag. Daneben bieten sie eine Vielzahl an gestalterischen Möglichkeiten. Während der keramische Belag sich meist durch eine hohe Resistenz gegenüber Reinigungsmitteln auszeichnet und nur durch den Einsatz hoch aggressiver Chemikalien, wie zum Beispiel Flusssäure, zerstört werden kann, bildet die Fuge die Achillessehne des Belags. In den allermeisten Fällen wird man in der Praxis mit zementgebundenen Fugen konfrontiert, die je nach ihrem Verwendungszweck unterschiedlich rezeptiert wurden.

Wissen sollte man in diesem Zusammenhang, dass es sich bei Zement um ein hydraulisches Bindemittel handelt, also um einen Stoff, der mit Wasser reagiert. Interessant für die Reinigung ist die Tatsache, dass die Zemente zum Großteil auf Calciumverbindungen (Kalk) aufbauen, also genau aus den Bestandteilen, die im Zuge der Reinigung von Sanitär- und Feuchträumen oftmals zu entfernen sind. Dies erklärt auch, warum alle Reinigungsprodukte die Kalkablagerungen entfernen, gleichzeitig auch zementaggressiv wirken können.

Reinigungsgeräte auf den Belag abstimmen

Aus diesem Grund sollten bei der Reinigung von zementären Fugen und der Verwendung von sauren Reinigern einige einfache Verhaltensregeln beachtet werden. Grundsätzlich ist der zu reinigende Belag mit klarem Wasser vorzunässen. Hierdurch werden die Kapillarporen der Fugen gesättigt und die Eindringtiefe der Säuren, wie Reinigungsmittel, reduziert. Um die negativen Effekte der Säuren auf ein Minimum zu begrenzen, sollten kurze Einwirkzeiten gewählt werden, die durch den Einsatz mechanischer Hilfsmittel wie Bürsten und Pads unterstützt werden. Eventuell verwendete Reinigungsgeräte müssen auf den Belag abgestimmt sein und dürfen keine abrasiv wirkenden Schleifmittel enthalten. Die Reinigungsprodukte sollten nur in der vom Hersteller vorgegebenen Verdünnung zur Anwendung kommen. Im Anschluss an den eigentlichen Reinigungsvorgang werden etwaige, auf dem Belag verbliebene Säurereste mit klarem Wasser abgewaschen und damit neutralisiert.

Speziell im Bereich der Bauendreinigung, der sogenannten Grundreinigung, müssen meist stark anhaftende Rückstände aus Verlege- und Fugenmörteln entfernt werden. Hierfür haben sich in der Praxis säurehaltige Reiniger gut bewährt. Bei der Anwendung muss allerdings das noch junge Alter der Beläge besonders berücksichtigt werden. Es ist heute durch die Verwendung moderner Schnellbausysteme möglich, Beläge innerhalb kürzester Zeit fertigzustellen und an den Bauherren zu übergeben. Problematisch hierbei ist jedoch, dass die Fugen zwar bereits nach 1-2 Tagen mechanisch belastbar sind, aber noch nicht soweit hydratisieren konnten, um optimale Resistenzen gegenüber säurehaltigen Reinigern auszubilden. Die Erhärtung des Zementes läuft in Abhängigkeit des verwendeten Fugenmaterials und den Umgebungsbedingungen, wie Temperatur und Luftfeuchte, über einen Zeitraum von mehreren Wochen ab.

Irreparable Schäden durch Säuren

Durch die frühe Belastung der sich noch in der Erhärtung befindlichen zementären Fugen durch Säuren können irreparable Schäden auftreten. Die sich in Lösung befindlichen und noch nicht kristallin gebundenen Hydratphasen (Calciumverbindungen) werden durch den Säureangriff zum Teil aufgelöst und zerstört. In der Folge des daraus resultierenden Calciumdefizits fehlen den Wassermolekülen die Reaktionspartner und der Zement kann nicht wie gewohnt seine Festigkeitsstruktur entwickeln.

ausgewaschene-fugen-durch-sa%cc%88ureangriff-nr-2
Ausgewaschene Fugen durch Säureangriff

Erschwerend kommt hinzu, dass der Zement zum frühen Zeitpunkt die Porenräume im Mörtelgefüge noch nicht durch die Bildung von Zementstein schließen konnte. So können saure Medien tief in die Zementmatrix eindringen und diese von innen schädigen. Weiche, sandende und abfärbende Fugen können die Folge sein. In der Regel sollte eine Trocknungszeit von ca. sieben Tagen vor der Grundreinigung eingehalten werden. Im Zweifelsfall ist dies durch den Hersteller des Fugenmörtels zu bestätigen. Die Sopro Bauchemie GmbH hält für diese Fälle eine anwendungstechnische Hotline bereit.

Epoxidharzfugen

Eine weitere Gruppe stellen die epoxidharzgebundenen Fugenmörtel dar. Hierbei handelt es sich um zweikomponentige Materialien, die aufgrund ihrer hohen mechanischen Festigkeit, Abrieb- und Säurebeständigkeit in hochbelasteten Bereichen, wie zum Beispiel Brauereien, Molkereien und Schwimmbädern Verwendung finden. Aufgrund ihrer materialspezifischen Eigenschaften könnte der Eindruck entstehen diese, Materialien seien unverwüstlich. Aber wie so oft im Leben steckt auch hier die Tücke im Detail.

Kennzeichnend für epoxidharzgebundene Fugenmörtel sind ihre thermoplastischen Eigenschaften. Mit steigenden Temperaturen werden diese zunehmend weich und verlieren ihre physikalischen Eigenschaften. In Kombination mit abrasiv wirkenden Reinigungsmethoden wie Hochdruckreinigern führt dies schnell zu ausgewaschenen Fugen.

Die Wahl der richtigen Reinigungsmittel hingegen gestaltet sich in der Regel als unkritisch, da moderne Epoxidharzfugenmörtel wie zum Beispiel, Sopro FugenEpoxi plus, gegen nahezu alle in handelsüblichen Reinigern vorkommenden Chemikalien beständig sind.

Fliesenbeläge können in zwei Hauptgruppen unterteilt werden:

bild-3
Unglasierte Fliesen in Eingangslobby

Zum einen die Gruppe der unglasierten Fliesen. Hierbei handelt es sich um feinkeramische Produkte, deren Hauptbestandteile aus Ton und Kaolin bestehen, die bei sehr hohen Temperaturen gebrannt werden. Sie zeichnen sich durch extreme Robustheit und Langlebigkeit aus. Ob es sich hierbei um Feinsteinzeug, Steinzeug oder Grobkeramik handelt, ist für die spätere Reinigung meist unerheblich. Wichtig ist in diesem Zusammenhang vor allem, dass keine Pflegemittel mit schichtbildenden Substanzen verwendet werden. Diese haben Schlieren- bzw. Wolkenbildungen und Laufspuren auf den keramischen Oberflächen zur Folge. Durch die Verwendung speziell auf den Belag abgestimmter Produkte, wie zum Beispiel Sopro Feinsteinzeug-Pflege-Reiniger 708, kann dies zielsicher verhindert werden. Mittlerweile bietet die Industrie Keramikfliesen mit sogenannten Oberflächenveredelungen an, die die Unterhaltsreinigung erleichtern sollen. Diese reichen von einfachen Beschichtungen bis hin zu Hightech-Veredelungen. Hier werden Katalysoren in die Oberflächen eingebrannt, welche durch photokatalytische Prozesse die Reinigung erleichtern sollen. Auch hier dürfen keine Reinigungsmittel mit Schichtbildnern zum Einsatz kommen. Durch deren Verwendung werden makroskopische Schichten aufgebaut, die die Wirkweise der Veredelungen neutralisieren können.

Die zweite Gruppe ist die der glasierten Keramiken. Hierbei handelt es sich ebenfalls um feinkeramische Erzeugnisse, die mit einer sehr feingemahlenen Masse aus Glas, Wasser und Pigmenten, der sogenannten Glasur, überzogen und anschließend bei hohen Temperaturen eingebrannt werden. Die Glasur erfüllt gestalterische Aufgaben und erleichtert die Reinigung der Fliesen. Hier können auch Reinigungsmittel mit pflegenden Substanzen, wie zum Beispiel Sopro Wischpflege 707, zum Einsatz kommen.

Oberflächenstruktur

Neben dem Materialtyp spielt die Oberflächenbeschaffenheit bei der Reinigung noch eine wesentliche Rolle. Hier kann eine Unterscheidung in Beläge mit und ohne erhöhte Rutschhemmung erfolgen. Beläge ohne Rutschhemmung bedürfen keiner besonderen Fachplanung mit Hinblick auf Rutschsicherheit bezüglich der Reinigung. Die Gruppe der trittsicheren Beläge spaltet sich noch einmal in drei Untergruppen auf. Hier werden zum einen Flächen unterschieden, die mit Schuhwerk begangen werden, die sogenannten R-Klassen. Diese reichen von R9 bis R13. In Bereichen mit zusätzlichen Anforderungen an die Trittsicherheit, wie zum Beispiel in der lebensmittelverarbeitenden Industrie, Metzgereien oder gewerblichen Küchen, werden diese durch waffel- oder sternförmige Erhebungen auf der Fliese als Verdrängungsraum erweitert. Diese reichen von V4 – V10 und beschreiben ein Raumvolumen in cm³. Sie werden mit den R-Klassen kombiniert, zum Beispiel R11-V4. Hier wird schnell klar, dass eine Reinigung mit einem einfachen Wischmopp ein hoffnungsloses Unterfangen ist. Die letzte Gruppe, die des Barfußbereichs, wird durch eine Klassifizierung in A, B und C unterschieden, wobei C die höchste Klasse darstellt.

Barfußbereich in einer Schwimmhalle

Generell gilt, dass Beläge mit einer erhöhten Trittsicherheit auch mit einem erhöhten Reinigungsaufwand verbunden sind und in der Regel den Einsatz von Maschinen-technik notwendig machen. Speziell im Barfußbereich ist auch über eine wechselweise alkalische und saure Reinigung nachzudenken, da hier neben den Ablagerungen aus Seifenresten und Körperfetten auch Kalkablagerungen zu entfernen sind. Werden die organischen Rückstände von den Kalkschichten überlagert, können diese durch die alkalischen Reiniger nicht mehr entfernt werden. In der Folge werden die Beläge „glitschig“. Je nach Härtegrad des Wassers empfiehlt es sich, ein bis zweimal monatlich eine saure Reinigung des Belags durchzuführen.

Sollte sich beim Erstellen des Reinigungsplanes, aufgrund des Härtegrades des Wassers herauskristallisieren, dass eine wöchentliche „saure Reinigung“ unumgänglich ist, muss unbedingt überprüft werden, um welche Verfugung es sich handelt. Sollte eine zementär Fuge vorliegen, müssen unbedingt Bedenken gegenüber dem Auftraggeber angezeigt werden. Bei einer regelmäßigen Belastung der Fugen durch Säure werden diese ohne besondere Maßnahmen mittel- bis langfristig zerstört.

Schmutz ist nicht gleich Schmutz

Im nächsten Schritt werden die Verschmutzungen bestimmt und die Reinigungsart festgelegt, da diese in der Regel korrelieren. Im Allgemeinen kann eine Unterscheidung in organische und anorganische sowie in partikelförmige und filmbildende Verschmutzungen erfolgen. Unter organische partikelförmige Verschmutzungen fallen zum Beispiel Sporen, Bakterien, Pilze, Ein- und Mehrzeller sowie Haare, Pflanzen- und Hautreste. Zu den anorganischen Verschmutzungen zählen alle Arten von Sand, Grob- und Feinstaub sowie Rostflecken, Mörtelrückstände und Kalkablagerungen. Die filmbildenden Verunreinigungen lassen sich weiter in polare, wasserlösliche Substanzen, wie zum Beispiel Softdrinks, Wein und Kaffee und die unpolaren, nicht wasserlöslichen Substanzen unterteilen. Unter die letztere fallen Fette, Pflanzenöle oder aus Erdöl raffinierte Produkte, die sich nur durch Solubilisation, also durch die Erhöhung der Löslichkeit durch ein chemisches Medium, entfernen lassen. Hier haben sich alkalische Tenside und Enzyme enthaltende Reiniger, wie zum Beispiel Sopro Öl- und Wachsentferner 715, gut bewährt.

Wenn alle Daten zusammengetragen wurden, können die optimalen Produkte für die Reinigung ausgewählt werden. Saure Reiniger, mit einem ph-Wert von 0 bis 5, wie zum Beispiel der Sopro Zementschleier-Entferner Innen 718, eignen sich besonders für anorganische Verunreinigungen. Organische Verunreinigungen lassen sich am besten mit leicht bis stark alkalischen Reinigern mit einem pH-Wert von 6 bis 14, wie dem Sopro Bio-Intensiv-Reiniger 711, entfernen. Anhand der Gegebenheiten, Art des Belags, Größe und Zugangsmöglichkeiten wird entschieden, ob Maschinentechnik zum Einsatz kommen kann. Im Anschluss wird die Kompatibilität von Reinigern und Maschinen überprüft.

Es ist festzustellen, dass es sich bei der Reinigung von keramischen Belägen um komplexe planerische- und organisatorische Abläufe handelt, die jedoch mit der nötigen Kompetenz, Sorgfalt und einer fachkundigen Planung erfolgreich zu bewältigen sind.

Weitere Infos unter www.sopro.de.

Autor: Oliver Derst

Anzeige

Erhalten Sie Echtzeit-Updates über 1200Grad Beiträge direkt auf Ihrem Gerät. Jetzt kostenfrei abonnieren!

 GDPR Cookie Consent mit Real Cookie Banner