Aktuelle Informationen aus der Keramik- und Zubehör-Branche

Italienische Regierung stoppt Produktion

Vollständigen Stopp für die italienische Industrie bis zum 3. April 2020

Die Nachrichten aus Italien überschlagen sich. Während die Organisatoren der Cersaie soeben nochmals in einer Pressemeldung signalisiert haben, dass der traditionelle Termin weiterhin steht und die Aktivitäten mit den entsprechenden Sicherheitsmaβnahmen der Mitarbeiter weiterlaufen, kommt die industriele Produktion zu einem Stillstand, den einige Unternehmen wie Marazzi (1200GRAD berichtete hier) letzte Woche bereits eingeleitet hatten. Nachdem wir am Freitag von Marazzi und von Gigacer auf unsere Anfrage nachfolgende Einschätzungen zur Lage erhalten hatten, hat der italienische Ministerpräsident Giuseppe Conte am Samstag spät abends in einer Ansprache einen fast vollständigen Produktionsstopp für die italienische Industrie bis zum 3. April 2020 angekündigt.

Diese weitere drastische Maβnahme mit Wirksamkeit bereits ab Montag, dem 23.3.2020 soll die Verbreitung des Corona-Virus nun auch mit dem Stillstand des Löwenanteils der Arbeit in Italien verlangsamen. Diese Entscheidung kam am bisher dramatischsten Tag seit Beginn der Corona-Krise in Italien. In der Lombardei wurden allein am 21.3.2020 596 an Corona-Virus Verstorbene gemeldet, während die Krankenhäuser dort gleichzeitig 593 Neuaufnahmen verzeichneten. In ganz Italien wurden am Tag des  offiziellen Frühlingsbeginns 793 Opfer gemeldet, im Verhältnis zu 1000 Genesungen. Die Krankenhäuser in der Industrieregion Lombardei sind an ihre Grenzen gelangt, Ärzte und Pflegepersonal erschöpft, Schwerkranke mit Beatmungsgerät müssen in die Krankenhäuser anderer Region gebracht werden.

Am Sonntag und heute berichteten die Medien von ersten Anzeichen von der erhofften Wirkung der Maβnahmen, die seit dem 11. März in ganz Italien gelten und mittlerweile zu einer fast vollständigen Ausgangssperre geführt hat. Einzige Ausnahmen, für die man in Italien noch die Wonhung verlassen darf, sind Einkaufen, Arbeit oder aus gesundheitlichen Gründen.

Trotzdem waren nach Ansicht der Experten noch zu viele Menschen unterwegs, so dass auch die Arbeit jetzt, bis auf die Versorgungskette mit dem Nötigsten, zum Erliegen kommen muss. Dabei hatten auch die Gewerkschaften Druck ausgeübt, die die Sicherheit der Arbeitnehmer in vielen Fällen als nicht gesichert ansahen.

Um zu verhindern, dass die Schlieβung der Produktionsstätten zu einem erneuten Exodus aus dem industrialisierten und infizierten Norden Italiens in die strukturschwachen und bisher weniger vom Corona-Virus betroffenen Regionen im Süden des Landes führt, wurden auch die Einschränkung der Bewegungsfreiheit weiter verschärft. Ab sofort darf die Gemeinde des Wohnsitzes auch zum Einkaufen nicht mehr verlassen werden. Die Schlieβung der Schulen am 4.3.2020 und die Abschottung der Region Lombardei am 7.3. hatten eine „Flucht“ in den Süden ausgelöst, deren ungewollte Konsequenzen sich bereits in den Statistiken abbildet.

Am Sonntagabend wurden 651 neue Corona-Sterbefälle gemeldet. Bei aller Dramatik dieser Zahl liegt in dem Minus (142 weniger als am Höhepunkt am Samstag), die Hoffnung, dass zumindest im Norden des Landes jetzt die Maβnahmen greifen.

Regierungsschef Giuseppe Conte sprach nach Medienberichten davon, dass die soziale und wirtschaftliche Stabilität des Landes auf dem Spiel stehe.

 

Erhalten Sie Echtzeit-Updates über 1200Grad Beiträge direkt auf Ihrem Gerät. Jetzt kostenfrei abonnieren!

Ihr Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.