Italienische Fliesenindustrie meldet Minus 19,3 %

6.000 Beschäftigte in Kurzarbeit - Nachfrage aus Deutschland Minus 30 %

Die italienische Fliesenindustrie blickte bei der traditionellen Pressekonferenz des Unternehmerverbands Confindustria Ceramica zum Jahresende zurück auf massive Einbrüche in Absatzmenge (-19,3%) , Produktion und Umsatz.

Giovanni Savorani Vorsitzender Confindustria Ceramica. Foto: Confindustria

„Die Zahlen stimmen uns nicht fröhlich“, so leitete Giovanni Savorani als Vorsitzender des Verbands die Pressekonferenz ein. Damit ist das Ende letzten Jahres befürchtete Szenario eingetreten. Bereits in der zweiten Jahreshälfte 2022 hatte sich eine Verlangsamung der Nachfrage abgezeichnet, die sich dann 2023 verstärkt hat. Problematisch sei auch, so Savorani, dass die EZB-Zinsen auf dem Rekordniveau von 4,5 % bestätigt wurden. Dadurch werde die gesamte Zinsstruktur der Unternehmen in die Höhe getrieben.

Nachfragekrise

Eine Nachfragekrise auf allen Märkten habe das Jahr 2023 geprägt, besonders stark betroffen seien Westeuropa und Nordamerika. Insgesamt wurden nach vorläufigen, von Prometeia ausgewerteten Statistiken in 2023 bislang rund 362 Millionen Quadratmeter italienische Fliesen verkauft. Davon gingen mit 277 Millionen Quadratmetern (-22,1 %) weniger als im Vorjahr ins Ausland, der italienische Markt nahm 85 Millionen Quadratmeter auf (- 8,7 %).

Der Nachfragerückgang in Deutschland als einem der Hauptmärkte treffe die italienischen Fliesenhersteller besonders hart. Auch der Export in die USA sei mit einem Minus von 25 % stark eingebrochen. Nach Auslaufen der steuerlichen Förderung von Sanierungsmaßnahmen sei die Lage auch auf dem italienische Binnenmarkt besorgniserregend, wo bereits enorme Einbrüche in anderen, der Baukeramik nahestehenden Branchen verzeichnet werden.

Analog zur Nachfrage ist auch die Fliesenproduktion mit rund 341 Millionen Quadratmetern im Vergleich zum Vorjahr um 90 Millionen Quadratmeter bzw. 20,9 % geschrumpft.

Kurzarbeit und Verlängerung der Weihnachtsferien

Rund 6.000 Beschäftigte seien angemeldet zur Kurzarbeit, das ist fast ein Drittel der 18.639 Beschäftigten, die  in den 128 Unternehmen der italienischen Fliesenindustrie (Stand Juni 2023) arbeiten.

Zum Vergleich: Im März 2022 hatten rund 30 italienische Werke aufgrund der explosionsartig angestiegenen Energiekosten und des Rohstoffmangels ihre Produktion ganz eingestellt oder heruntergefahren. Damals waren rund 4.000 Beschäftigte der Keramikindustrie in Kurzarbeit. 1200Grad berichtete u.a. hier

Viele der Hersteller reagieren mit einer Verlängerung der Weihnachtsferien bis mindestens zum 15.1. oder 22.1.2024 auf die Marktlage, um Lagerbestände abzubauen. Einige Fliesenwerke machen aus der Not eine Tugend und nutzen die Gelegenheit zur Modernisierung der Produktionsanlagen.

Für das kommende Jahr rechnet Confindustria mit einem weiteren Rückgang der Nachfrage.

Keramikmanifest zur Erhaltung der Wettbewerbsfähigkeit

Lobbyarbeit leistete die europäische Keramikindustrie unter  Beteiligigung von Confindustria Ceramica während der 29. Europäischen Keramiktage vom 27. bis 29. November in Brüssel.

Manifesto European Ceramic Days
European Ceramic Days 2023 Foto: Confindustria Ceramica

Mit dem dort vorgestellten Keramikmanifest “Ceramic Manifesto 2024-2029. “Ensuring Europe’s Sustainability with ceramic manufacturing” kämpft die Keramikindustrie aus 29 europäischen Ländern um weltweit wettbewerbsfähige Produktionsbedingungen. Hauptziel ist eine Reform des Emissionshandelssystems.

Hier finden Sie zum Vergleich die definitiven Zahlen zur italienischen Fliesenindustrie 2022 und eine Einschätzung nach dem ersten Halbjahr 2023.

Im September 2023 hatte 1200Grad mit dem Verband über die aktuelle Lage gesprochen. Lesen Sie hier, warum Confindustria keine Insolvenzwelle kommen sah.

Anzeige

WordPress Cookie Plugin von Real Cookie Banner