Fliesenbeläge fachgerecht abdichten

Die Einsatzgebiete für Verbundabdichtungen bei Fliesen- und Plattenbelägen sind vielfältig: Duschen, Schwimmbäder, Labore und Terrassen sind nur einige der Beispiele. Je nach Feuchtigkeitsbelastung sollten hier Polymerdispersionen, Kunststoff-Mörtel-Kombinationen oder Reaktionsharze als Verbundabdichtung unter der Keramik zum Einsatz kommen. Waldemar Pietrasch, Produktmanager Fliesenverlegesysteme Saint-Gobain Weber, erläutert in unserem Fachbeitrag worauf es ankommt.

Bei großen Becken ist auch eine Verarbeitung im Spritzverfahren möglich. Dabei pumpt eine Maschine das Material per Schlauchleitung zum Einsatzort. So kann die eigentliche Arbeit kräfteschonend und zeitsparend ausgeführt werden.
Bei großen Becken ist auch eine Verarbeitung im Spritzverfahren möglich. Dabei pumpt eine Maschine das Material per Schlauchleitung zum Einsatzort. So kann die eigentliche Arbeit kräfteschonend und zeitsparend ausgeführt werden.

Die Abdichtung im Verbund mit Fliesen ist die am häufigsten angewendete Form der Abdichtung gegen nichtstauendes Wasser sowie gegen drückendes Wasser in Schwimmbecken und Wasserbehältern. In der Praxis haben sich vor allem flüssig zu verarbeitende Verbundabdichtungen bewährt. Für die Verbundabdichtung stehen verschiedene Materialen zur Verfügung, die abhängig von der Feuchtebeanspruchungsklasse eingesetzt werden.

Labore und Großküchen werden mittels Hochdruckreiniger gereinigt und sind in ständigem Kontakt mit Wasser. Hier ist eine reaktionsharzgebundene Verbundabdichtungen die richtige Wahl.
Labore und Großküchen werden mittels Hochdruckreiniger gereinigt und sind in ständigem Kontakt mit Wasser. Hier ist eine reaktionsharzgebundene Verbundabdichtungen die richtige Wahl.
Großküche
Besonderer Aufmerksamkeit bedürfen Edelstahl-Bodenabläufe und -Entwässerungsrinnen.

 

 

 

 

 

 

 

 

Grundlage für die Ausführung von Verbundabdichtungen sind insbesondere die Bauregelliste und die daran angelehnten aktuellen Fassungen der Merkblätter des Zentralverbandes des deutschen Baugewerbes (ZDB). Unter dem Titel „Hinweise für die Ausführung von flüssig zu verarbeitenden Verbundabdichtungen mit Bekleidungen und Belägen aus Fliesen und Platten für den Innen- und Außenbereich“, Ausgabe August 2012, geben diese Aufschluss über die Definitionen der Feuchtigkeitsbeanspruchung, die einzusetzenden Abdichtungsstoffe und weitere baurelevante Fragen. Sie unterscheiden bislang die drei Beanspruchungsklassen A, B und C. Diese Einteilung wird sich jedoch voraussichtlich mit der geplanten Aufteilung der bisherigen Norm DIN 18195 (Bauwerksabdichtungen) in bauteilbezogene Einzelnormen ändern. Gemäß der neuen Norm zur Abdichtung in Innenräumen DIN 18534 soll dann fortan zwischen vier Wassereinwirkungsklassen unterschieden werden.

Naht- und fugenlos: Abdichtung mit Polymerdispersionen
Wandflächen in Bädern, Duschanlagen und andere Räumen, in denen gelegentlich mit Brauch- oder Reinigungswasser ohne höhere Druckbelastung umgegangen wird, sind bisher in der Beanspruchungsklasse A zusammengefasst. Hier empfiehlt sich eine Abdichtung mit Polymerdispersionen, die mit organischen Zusätzen und teilweise auch mineralischen Füllstoffen angereichert werden. Polymerdispersionen, wie beispielsweise weber.tec 822, können Risse bis 0,4 Millimeter überbrücken.

Bei der Verarbeitung muss zunächst der Untergrund mit einer abgestimmten Grundierung versehen werden. Die Wahl des Grundierungsmittels hängt davon ab, ob es sich bei dem Untergrund um einen alten Fliesenbelag handelt oder um eine saugfähige Schicht, wie z.B. Gipsputze oder -kartonplatten und Calciumsulfatestriche. Ist die Grundierung durchgetrocknet, werden in allen Anschlussbereichen, wie z.B. im Bereich Wand-Wand oder Wand-Boden, elastische Dichtbänder eingebaut. Für Ecken und Sanitäranschlüsse gibt es passende Abdichtungsmanschetten. Anschließend wird die Abdichtung in zwei Arbeitsgängen mit einem Glätter, Pinsel oder einer Lammfellrolle aufgetragen, so dass ein naht- und fugenloser Schutz gegeben ist. Um die Ausführungssicherheit zu erhöhen, bieten manche Hersteller zwei unterschiedliche Farbtöne für die Abdichtung an. Die Trockenschichtdicke muss mindestens 0,5 Millimeter betragen. Auf die durchgetrocknete Abdichtung wird der Fliesenmörtel aufgetragen und anschließend die Fliesen darin eingelegt.

Optimal für bodengleiche Duschen: Kunststoff-Mörtel-Kombinationen
Für Anwendungen der bisherigen Beanspruchungsklasse B, z.B. bei Wand-, und Bodenflächen von Schwimmbecken oder anderen druckbelasteten Behältern, werden je nach Art des Brauchwassers vorwiegend Kunststoff-Mörtel-Kombinationen empfohlen. Ebenso kommen diese auf Balkonen und Terrassen sowie in feuchtebelasteten Räumen mit industrieller und gewerblicher Nutzung zum Einsatz.

Besonders bei gefliesten, bodengleichen Duschen bietet sich diese Ausführungsart in Kombination mit vorgefertigten Duschwannenelementen an. Musste früher aufwendig ein Gefälleestrich mit Bodeneinlauf hergestellt werden, können Elemente mit integriertem Ablauf die Bauzeit erheblich verkürzen. Für die Gestaltung unterschiedlicher Duschbereiche stehen Duschwannenelemente in verschiedenen Standardformaten zur Verfügung. Auf Wunsch kann auch eine freie Geometrie realisiert werden. Für den Einbau der Elemente ist lediglich eine Mindesttiefe von 43 Millimetern unter dem Rohfußboden erforderlich. Wichtig ist, dass die Verbindung zwischen Abflussrohr und dem Ablauf mit Schallschutzband umwickelt und mit Ausgleichsestrich fixiert wird. Möglicherweise ist eine Bewegungsfuge sinnvoll, die dann mit Dichtband zu überbrücken ist. Die Detailausbildung und Verarbeitung der Kunststoff-Mörtel-Abdichtung in einer Schichtdicke von 2 Millimetern wird ähnlich wie in den Beanspruchungsklassen A und B ausgeführt.

Im Außenbereich, zum Beispiel auf Balkonen und Terrassen, ist für den Aufbau einer Verbundabdichtung bei der Beanspruchungsklasse B eine flexible, kunststoffmodifizierte mineralische Dichtungsschlämme zu empfehlen. Optimal dafür ist ein Produkt mit beschleunigter Durchtrocknung, wie zum Beispiel weber.xerm 844. Die reaktiv abbindende Dichtungsschlämme kann auf herkömmliche Weise als Abdichtung in zwei Lagen aufgebracht und anschließend auch als Fliesenkleber verwendet werden. Eine Weiterentwicklung des Produkts vereinfacht die Arbeit noch weiter: In mäßig beanspruchten Bodenbereichen kann weber.xerm 844 mit dem weber.sys Abdicht-und Verlegeglätter als Sonderkonstruktion in nur einem Arbeitsschritt als Abdichtung und Fliesenkleber aufgebracht werden Die Fliesen werden direkt eingelegt, am folgenden Tag kann bereits verfugt werden. Auf diese Weise entfällt ein kompletter Arbeitsgang und die entsprechende Wartezeit. Somit bietet das neue 2-in-1 Dicht- und Klebesystem dem Anwender Sicherheit, kombiniert mit einer deutlichen Arbeitserleichterung.

Für Wandflächen in Bädern oder Duschanlagen empfiehlt sich eine Abdichtung mit Polymerdispersionen wie weber.tec 822.
Für Wandflächen in Bädern oder Duschanlagen empfiehlt sich eine Abdichtung mit Polymerdispersionen wie weber.tec 822.

Robust und leistungsstark: Reaktionsharze
Die bisherige Beanspruchungsklasse C umfasst Flächen in Räumen, insbesondere im gewerblichen Bereich wie Labore oder Großküchen, die chemischen Einwirkungen (z.B. aggressive Reiniger oder Fettsäuren) ausgesetzt sein können. Bei den entsprechenden Objekten besteht ein häufiger oder lang anhaltender Kontakt mit Wasser oder sie werden mittels Hochdruckreiniger gereinigt. Daher sehen die Merkblätter des ZDB in diesen Fällen vor, reaktionsharzgebundene Verbundabdichtungen wie beispielsweise weber.tec 827 zu verwenden. Speziell die Fugen im Fliesenbelag müssen der hohen Belastung standhalten.

Neben der Funktionstüchtigkeit der Abdichtung sollte bei diesen Belägen auf die Verwendung von expoxidharzgebundenen Klebern und speziellen Reaktionsharzfugenmörteln geachtet werden. Besonders wichtig, ähnlich wie bei den Abläufen von Duschen, ist das korrekte Einbinden von Edelstahl-Bodenabläufen. Wie in den vorigen Anwendungsfällen ist zu überprüfen, an welchen Stellen Bewegungsfugen notwendig sind.

_z8b5410Background: Neuordnung der Abdichtungsnormen

Der Normentwurf zur DIN 18534 „Abdichtungen für Innenräume“ entspricht dem bisherigen Teil 4 der DIN 18195. Geplanter Geltungsbereich für die DIN 18534 sind durch Brauch- und Reinigungswasser beanspruchte oder gewerblich genutzte Flächen wie zum Beispiel Badezimmer, Duschanlagen, Schwimmbeckenumgänge, gewerblich genutzte Küchen oder Produktions- und Gewerbeflächen. Durch neue Beanspruchungsklassen soll dabei der direkten und indirekten Beanspruchung der Abdichtungen durch Brauch- und Reinigungswasser sowie mechanischen Beanspruchungen entsprochen werden.

Ebenfalls relevant für die Abdichtung unter Fliesenbelägen ist die DIN 18535 „Abdichtungen für Behälter und Becken“ die den Teil 5 der DIN 18195 ersetzen soll. Sie behandelt die Innenabdichtung von Wänden und Böden von Behältern und Becken. Dies beinhaltet Behälter, die durch Füllwasser genutzt sind, und somit Bauteile wie Trinkwasserbehälter, Schwimmbecken, Löschwasserbecken und Regenrückhaltebecken. Die Belastungsart entspricht der durch von innen drückendem Wasser, durch Wasserinhaltsstoffe und mechanische Beanspruchungen.

In beiden neu konzipierten Normen wird angestrebt, auch Verbundabdichtungen aus flüssig zu verarbeitenden Materialien sowie bahnen- oder plattenförmige Abdichtungsmaterialien aufzunehmen. Fliesenleger könnten diese Systeme dann künftig einsetzen, ohne dies mit dem Bauherren separat als Sonderkonstruktion vereinbaren zu müssen.

Ein Video zum Thema Fliesenverlegung von SG Weber finden Sie hier:

Background Feuchtigkeitsbeanspruchungklassen:

Feuchtigkeitsbeanspruchungsklasse A0
Feuchtigkeitsbeanspruchungsklasse A0
Feuchtigkeitsbeanspruchungsklasse A
Feuchtigkeitsbeanspruchungsklasse A

 

1-Fli-BalkTerras-konv
Feuchtigkeitsbeanspruchungsklasse B/B0

 

 

 

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Feuchtigkeitsbeanspruchungsklasse B/B0

 

Feuchtigkeitsbeanspruchungsklasse C
Feuchtigkeitsbeanspruchungsklasse C

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