Externe Faktoren beeinflussen weiter das Geschäft

Eurobaustoff mit stabilen Mengenabsatz im dritten Quartal

„2021 bleibt für unser Geschäft das Jahr der Sondereffekte. Dazu zählen die anhaltenden Materialengpässe und, damit verbunden, eine teilweise sprunghafte Preisentwicklung in vielen Warenbereichen“, sagte Dr. Eckard Kern, Vorsitzender der Geschäftsführung, auf der diesjährigen Eurobaustoff Gesellschafterversammlung Anfang November in Bad Nauheim.

Mit diesem Blick auf die aktuellen Quartalszahlen zog er zugleich eine erste Zwischenbilanz für 2021. Per Ende 30. September erzielte die Eurobaustoff in den ersten neun Monaten des laufenden Geschäftsjahres ein um 13,5 Prozent höheres Einkaufsvolumen für die 452 Gesellschafter mit 1600 Standorten als im Vorjahreszeitraum (plus 8,3 Mrd. Euro). Insgesamt gibt es in den letzten Jahren eine stabile Gesellschafter-Entwicklung bei einer steigenden Anzahl von Standorten (10-20 pro Jahr).

„Grundlage unseres Geschäftsmodells als Einkaufskooperation bleibt die Ware, deshalb müssen wir hier sehr genau hinschauen und analysieren, was das Wachstum in den einzelnen Warenbereichen derzeit ausmacht: Menge oder Preis“, sagte Hartmut Möller, Geschäftsführer sowohl für den Geschäftsbereich Gesellschafterbetreuung, Einkauf als auch für die Ländergesellschaften in Österreich und der Schweiz. „Unser zweistelliges Umsatzplus bleibt daher in erster Line durch Preiserhöhungen bestimmt, während sich der Mengenabsatz größtenteils weiter stabil entwickelt“, führt Geschäftsführer Jörg Hoffmann, verantwortlich für den Bereich Finanzen, aus. Mit Blick auf die Ländergesellschaften Österreich und Schweiz – deren Anteil am Gesamtgeschäft beträgt ca. 10 % – kann Hartmut Möller von einem ähnlichen Geschäftsverlauf wie in Deutschland berichten.

Preiserhöhungen und Fachkräftemangel bleiben Wachstumsbremsen

Preiserhöhungen und der Fachkräftemnagel bleiben auch für die Eurobaustoff die größten Wachstumsbremsen. “Vor allem zu Anfang des Jahres haben wir mit Warenverfügbarkeiten und Kontigentierungen zu kämpfen gehabt. Das war für uns eine sehr aufwändige Phase, ” so Dr. Kern auf der Pressekonferenz. Im Laufe des Jahres haben man es zudem mit 2-3 Preiserhöhungswellen zu tun gehabt, was bei den Verträgen und Fristen mit der Industrie sehr schwer umsetzbar gewesen sei. Dr. Kern: “Natürlich haben wir Verständnis dafür, dass die Rohstoffe teurer werden. Aber z.T. konnten wir die Preiserhöhungen zeitlich und organisatorisch kaum verarbeiten. Wir hoffen, dass wir bei den Jahresgespräche wieder zu einer normalen Situation zurückkommen.” Nur in der Fliesenbranche sieht er angesicht der aktuellen Situation (siehe auch unser Bericht hier) auch für 2022 noch schwierige Zeiten.

Ein mindestens ebenso großes Problemfeld bleibt der Fachkräftemangel, insbesondere an LKW-Fahrern. “Die Logistik ist eine der Kernkompetenzen der Eurobaustoff”, so Dr. Kern weiter. “Allerdings fehlen aktuell rund 65.000 LKW-Fahrer in Deutschland und von Jahr zu Jahr werden es weniger. Das macht uns Sorgen.”

Die Geschäftsführung auf der Pressekonferenz in Bad Nauheim. Foto: Redaktion

Alle Warenbereiche im Plus

„In der Tat haben wir uns in diesem Jahr in einem vorher nicht gekannten Ausmaß mit der Beschaffung von Materialien beschäftigen müssen. Eine außergewöhnliche Situation, die darüber hinaus durch deutliche Preisveränderungen gekennzeichnet ist“, berichtete Hartmut Möller. Dabei sind die Lieferengpässe und Lieferzeiten in den einzelnen Warenbereichen unterschiedlich ausgeprägt.

Als exemplarisches Beispiel sei hier der Warenbereich Holz und Bauelemente angeführt. Nach einem rasanten Preisanstieg durch die hohe Nachfrage aus dem Ausland in der ersten Jahreshälfte zeichnete sich im dritten Quartal ein Wechsel von einem sehr hohen Preisniveau hin zu einer sehr schnellen Preisreduzierung in fast allen konstruktiven Holzprodukten ab. Grund hierfür seien die hohen Lagerbestände beim Fachhandel und beim Handwerk. Ebenso sei die Produktionsleistung seitens der Industrie wieder gestiegen. „Von dieser aktuellen Marktsituation abgesehen, ist die Entwicklung im Holzbau weiter positiv zu betrachten“, sagte Möller. Auch in allen weiteren Warenbereichen bleibe die Liefer- und Preissituation insgesamt angespannt.

Im Technischen Einkauf (plus 24,5 %) bewegen sich die Energie- und Kraftstoffpreise weiter auf einem hohen Niveau. Energie- und Kraftstoffeffizienz seien daher als wichtigster Gegenspieler für Preissteigerungen zu betrachten.

In den Segmenten Tiefbau und Galabau habe sich die Lage im Jahresverlauf stabilisiert (plus 14 %). Im Galabau bewege sich die Auftragslage weiterhin auf einem guten Niveau.

Fliesensegment verzeichnet ein Einkaufsvolumen von plus 7,4 %

Das Fliesensegment verzeichne ein Einkaufsvolumen von plus 7,4 %. Dabei ist die Warenverfügbarkeit bei Fliesen nach wie vor hoch und die Verarbeiter verfügen über ein anhaltend hohes Auftragsvolumen. In Teilen verlängern sich allerdings die Lieferzeiten aufgrund der fehlenden Frachtraumkapazitäten.

„Der Einzelhandel hat im dritten Quartal ein Plus von 5 % erreicht. Hier können wir von einer angespannten Liefersituation besonders in den Sortimentsbereichen Eisenwaren und Garten berichten, da der Nachschub aus Asien aufgrund unterschiedlichster Faktoren ausbleibt. Weiterhin führen die anhaltend hohen Frachtkosten zu Preisveränderungen in diesem Marktsegment“, führte Möller abschließend aus.

Ausblick auf das Jahr 2022

Für den Jahresendspurt bleibt die Geschäftsführung insgesamt positiv eingestellt: „Deutschland ist noch nicht gebaut. Das lässt sich an den Zahlen ablesen und birgt für uns unterm Strich mehr Chancen als Risiken. Viel wichtiger als die reine Betrachtung von Zahlen ist die Tatsache, dass sich unsere mittelständische Struktur in der Eurobaustoff in diesen herausfordernden Zeiten bewährt und als stabil erwiesen hat. Mit unserem Dienstleistungscampus sind wir hervorragend aufgestellt, um unsere Gesellschafter vor diesem Hintergrund auch in Zukunft mit unseren Serviceleistungen und Angeboten aktiv zu unterstützen und zu fördern“, sagte Dr. Kern.

Für 2022 zeigen sich die Geschäftsführer daher grundsätzlich optimistisch gestimmt. „Dennoch werden wir uns auch in 2022 weiterhin mit Preiserhöhungen und Lieferengpässen beschäftigen müssen. In welchem Ausmaß, lässt sich zurzeit noch schwer abschätzen. Deshalb planen wir für das nächste Jahr zunächst auf der Grundlage des noch laufenden Geschäftsjahres“, sagt der Vorsitzende der Geschäftsführung.

Im Bereich der Service und Dienstleistungsangebot der Eurobaustoff lobte die Geschäftsführung auf der Pressekonferenz die Fortschritte, die man – auch in Kooperation mit dem BDB – im Bereich der Artikelstammdaten erreicht habe. Hier gibt es Anfang 2022 einen Gesprächskreis mit der Industrie, in den alle Beteiligten große Hoffnungen setzen.

Auch für 2023 gab es bereits eine News in Bad Nauheim: Die Eurobaustoff wird wieder mit einem eigenen Messestand an der Fachmesse BAU 2023 teilnehmen!  Dr. Kern: “Es ist für uns sehr wichtig die direkte Kommunikation mit unseren Gesellschaftern und unseren Industriepartnern zu pflegen. Unsere eigene Hausmesse Eurobaustoff Forum konnten wir 2021 leider wieder nur digital durchführen.”

Video-Interview mit Dr. Eckard Kern:

 

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