Drytiling erschließt neue Märkte und Umsätze

Erfinder des Systems appeliert an die Fliesenindustrie sich mehr für sein System zu öffnen

Karl-Heinz Scholz, Dipl Ing. für Holz- und Kunstostofftechnik, hat bereits 2011 eine Untergrund-Konstruktion für die wiederaufnehmbare Fliesen entwickelt. Inzwischen ist das System bei einigen Fliesenherstellern im Markt präsent, u.a. unter dem Namen Drytile bei der Deutschen Steinzeug. Scholz ist davon überzeugt, dass sein System der gesamten Fliesenbranche zu einem deutlichen Umsatzzuwachs verhelfen könnte. 1200Grad sprach mit ihm über die Chancen und Möglichkeiten.

Herr Scholz: Können Sie uns noch einmal kurz erläutern, welche Erfindung Sie im Bereich der Fliesen-Verlegung gemacht haben?

Die Erfindung Drytiling oder Drytile hat als wesentlichen Kern, den Rücken einer keramischen Fliese mit einer 2 mm dicken, hochverdichteten, aber elastischen Korkschicht zu beschichten, um dieses „Sandwich“ dann schwimmend, ohne Kleber auf jedem ebenen Untergrund verlegen zu können. Die Fliesen werden anschließend mit einer teilelastischen Fugenmasse verfugt, z.B. mit Knauf, Codex, Ardex, Mapei, Sopro, Esco, Oxiegen.

Die Schwerkraft der Fliese in Verbindung mit dem Ansaugeffekt des Korkrückens führen zu einer dauerhaft stabilen und verrutsch-sicheren Fliesen-Verlegung. Damit keine Fugenmasse auf dem Untergrund festklebt, hat  die Korkschicht jeder Fliese allseitig einen Korküberstand von 1.5 mm. Schiebt man die Fliesen zusammen, ergibt sich ein immer gleicher Fugenkanal von 3 mm Breite und 8-10 mm Tiefe. Die Fliesen sind damit untereinander verklebt, aber nicht mit dem Untergrund.

Funktioniert Drytiling nur mit keramischen Fliesen?

Die Verlegetechnik Drytiling hat sich auch bestens mit Naturstein-Fliesen bewährt. Und hier macht die mögliche Wiederverwendung nach zerstörungsfreiem Rückbau besonders viel Sinn. Das sehen auch Architekten und Bauherren so.

karl-Heinz Scholz. Foto: privat
Karl-Heinz Scholz. Foto: privat

Welche Vorteile hat das System? Eignet es sich auch für die aktuellen Großformate? Wie sind die Preisunterschiede im Vergleich zur herkömmlichen Verlegung?

Drytiling-Fliesen lassen sich bis zu 8 mal schneller verlegen, als dies bei klassischer Verlegung der Fall ist. Kein Kleber, keine Kleber-Probleme. Die Haftzug-Festigkeit des Untergrundes spielt hier keine Rolle. Nur die Ebenheit.

Drytiling-Fliesen lassen sich bis zu 8 mal schneller verlegen, als dies bei klassischer Verlegung der Fall ist.

Drytiling-Fliesen können  von jeden Handwerker und handwerklich begabtem Heimwerker verlegt werden (siehe unter Drytile oder Drytiling auf youtube). Großformate bis 1200 x 1200 mm lassen sich problemlos von einer  Person verlegen; sie werden nur abgelegt und in die Position geschoben; und dann verfugt. Je größer das Format, desto geringer die Verlegekosten. Drytiling-Fliesen können für 20 €/qm verlegt werden gegenüber 45-60 €/qm oder mehr bei klassischer Verlegung (hier liegt der wesentliche Grund dafür, dass Fliesenleger Drytiling nicht anrühren).

Das System ist bei der Deutschen Steinzeug ist unter Drytile, bei Minero Flooring unter Drytiling bereits im Markt eingeführt. Es stände aber weiteren Fliesenherstellern bei Interesse zur Verfügung?

Drytiling oder Drytile ist ein patentiertes Verlegesystem. Ich bin der Erfinder und Inhaber aller Patente. Deutsche Steinzeug ist Lizenznehmer bei Scholz & Partner. Die Vergabe von weiteren Lizenzen an Fliesen- oder Bodenbelags-Hersteller ist im Gange.

Interessenten können direkt mit Scholz & Partner  Kontakt aufnehmen. Sie erhalten alle technischen Informationen für die Produktion und die Verlegung und Mustermaterial für erste Demo-Projekte.

In fünf  Jahren werden 10-20 Fliesen-Hersteller schwimmend verlegbare Fliesen nach dem Drytiling-Prinzip herstellen und der Markt für keramische Fliesen wird wieder wachsen – insbesondere im DIY-Bereich.

In fünf  Jahren werden 10-20 Fliesen-Hersteller schwimmend verlegbare Fliesen nach dem Drytiling-Prinzip herstellen…

Das System DryTile im Detail: Hochwertige Keramikfliesen mit rückseitiger Kork-Auflageschicht, die exakt definiert leicht übersteht, so dass sich eine elegante Schmalfuge bildet, die dann mit Spezial-Fugmasse verfüllt wird. Foto: drytile-ceramics.de

Die aufwändige Fliesenverlegung gilt vielen in der Branche aufgrund der Kosten und des Zeitbedarfs als Nadelöhr. Glauben Sie, dass sich mit ihrem System der Fliesenverlegung ein Push vermitteln lässt?

Wenn keramische Fliesen aufgrund disruptiver Verlegetechnik (Drytiling) schneller und billiger verlegt werden können – so wie PVC-Beläge, Laminat oder Teppich-Fliesen zum Beispiel – werden sich die Preise incl. Verlegung auch auf deren Preisniveau einpendeln.

Ein PVC-Belag für die schwimmende Verlegung kostet ab Werk netto zwischen 14 €/qm und 16 €/qm. Genau so wie keramische Fliesen. Warum ist dann die verlegte Fläche bei Fliesen um 50-80 % teurer für Endverbraucher? Weil der Verlege-Vorgang langwierig, kompliziert und nach Jahrzehnten immer noch reklamationsanfällig ist.
Drytiling wird den Markt der keramischen Fliesen für alle Handwerker öffnen und damit den gleichen Push erzeugen, wie vor 30 Jahren die Erfindung der Klicksysteme für PVC, Laminat, Parkett und Multilayer-Bodenbeläge.

Drytiling wird den Markt der keramischen Fliesen für alle Handwerker öffnen…

Da das System auch von Malern, Schreiner, Trockenbauern oder mobilen Generalisten verlegt werden kann sehen viele Marktteilnehmer darin eventuell auch die Gefahr, dass das Qualitätsniveau in der Verlegung fällt…

Ein neues Verlegesystem wie Drytiling erfordert natürlich auch eine andere Herangehensweise an die Verlegung. Entscheidend für die Qualität ist die Ebenheit des Untergrundes. Und das können Maler, Bodenleger, etc. seit vielen Jahren hervorragend. Bei der Verlegung aller schwimmend verlegbaren Bodenbeläge muss der Untergrund gespachtelt/nivelliert werden, um eine reklamationsfreie Verlegung zu gewährleisten. Das ist seit 20 Jahren gelernte Praxis im Fußbodenbau.

Nicht bei Fliesenlegern. Die gleichen Unebenheiten über die Kleberschicht aus. Aber bei Großformaten sieht es ja auch dort anders aus.

Letztendlich ist es auch für die Fliesenhersteller angesichts schwindender Märkte eine Chance, sich gegen alternativen Materialien durchzusetzen, oder?

Mal ehrlich – auf was wollen die Fliesen-Hersteller eigentlich noch warten? Sie werden rechts und links überholt und reagieren auf Rückgänge mit Preisnachlässen.
Wann gab es denn in der Fliesen-Industrie die letzte, echte Innovation? Riesige Fliesen, die keiner braucht, antibakterielle Oberflächen, die keinen interessieren. Seit den Römern hat sich hier doch nicht viel verändert.

Mal ehrlich – auf was wollen die Fliesen-Hersteller eigentlich noch warten? Sie werden rechts und links überholt und reagieren auf Rückgänge mit Preisnachlässen.

Eine schwimmend verlegbare Keramik-Fliese hat mit ihren erwiesenermaßen hervorragenden Eigenschaften das Potential, verlorene Marktanteile zurück zu holen.

Was sagt eigentlich die Bauchemie zum Thema Drytiling?

Anfangs waren alle Hersteller sehr reserviert, weil ja bei Drytiling keine Fliesenkleber benötigt werden. Da kam teilweise ordentlich Gegenwind auf und das Thema wurde ignoriert. Aber nach einigen Jahren hat man bemerkt, dass bei Drytiling der Untergrund egalisiert werden muss und auch die hochwertige Fugenmasse ein elementarer Bestandteil dieser Verlegetechnik ist. Dann hat man gerechnet und herausgefunden: Die Bauchemie für 1 qm klassische Verlegung beträgt z.B. 2-3 €/qm, die bei Drytiling-Verlegung aber 6-8 €/qm. Heute hat jeder Hersteller für Drytiling passende Materialien im Sortiment.

Ist Ihr System auch unter Nachhaltigkeitsgesichtspunkten vorteilhaft?

Unsere flexiblen und kleberfreien Verlege-Systeme wurden von der DGNB 2020 mit einem Innovationspreis ausgezeichnet, weil sie nachhaltig und ökologisch sind. Ohne Kompromiss.

Ein Produkt, das fest mit dem Gebäude verklebt wird, ist schon per Definition nicht nachhaltig. Auch wenn die Fliese  ansonsten ökologisch, mineralisch und wohngesund ist. Nachhaltigkeit bedeutet bei Bodenbelägen: leicht austauschbar, zerstörungsfrei rückbaubar, wiederverwendbar, second life.

Ein Produkt, das fest mit dem Gebäude verklebt wird, ist schon per Definition nicht nachhaltig.

Fliese – ein Leben lang. Niemand braucht eine Fliese, die 50 Jahre hält. Im Ladenbau, bei Mieterwechsel oder Nutzungsänderung ist Flexibilität gefragt. Austausch über Nacht. Das geht bei allen anderen Bodenbelägen. Nicht bei verklebten Fliesen. Fliesenwechsel bedeutet heute: Abbruch, Staub, Untergrund-Zerstörung, Neuaufbau, Wasser, Wartezeiten, hohe Kosten: So können Architekten in Zukunft nicht mehr planen.

Niemand braucht eine Fliese, die 50 Jahre hält.

Der damalige Hersteller Korzilius hat ja bereits auf der Cersaie 2012 ein Drytiling System vorgestellt. Wieso hat sich das System angesichts der vielen Vorteile bislang nicht breiter auf dem Markt durchgesetzt?

Die Zeit war noch nicht reif für eine so grundlegende Veränderung. Und die Fliesen-Hersteller hatten Angst vor der Reaktion ihrer einzigen Kunden: Fliesenhandel und Fliesenleger! Ähnlich lief es mit den Parkettlegern bei der Einführung von Klicksystemen vor 30 Jahren. Man hat auf dem Verkleben von Parkett verharrt und wurde von allen anderen Bodenlegern mit Klicksystemen überholt.

Die Fliesen-Hersteller hatten Angst vor der Reaktion ihrer einzigen Kunden: Fliesenhandel und Fliesenleger!

Mit der Drytiling-Technologie  stehen den Fliesen-Herstellern alle Vertriebswege für Bodenbeläge offen. Baustoff-Handel, Bodenbelags-Großhandel, Holz-Großhandel, Maler-Großhandel, Baumärkte (da tut sich doch mit Fliesen seit Jahren nichts mehr).

Auch die Patent-Situation ist 2022 vom Landgericht Düsseldorf klar und eindeutig zu meinen Gunsten entschieden worden. Heute kann nun jeder Fliesen-Hersteller weltweit auf die Drytiling-Technologie zugreifen. Vielleicht ging es den Fliesen-Herstellern auch einfach noch zu gut. Vor 10 Jahren. Nach der Insolvenz von Steuler darf man ja nun die Frage stellen: Worauf wartet diese Industrie denn eigentlich noch?

Der Durchbruch einer Technologie bedarf einer gemeinsamen Anstrengung von vielen Marktteilnehmern. Bei PVC/ Vinyl hat sich die Absatzmenge innerhalb von 10 Jahren verzehnfacht. Weil eben viele Firmen für die Systeme geworben haben.

Vielleicht ging es den Fliesen-Herstellern auch einfach noch zu gut. Vor 10 Jahren.

Informationen über eine Lizenznahme oder die Technik gibt es unter folgender Adresse:

Fa. Scholz & Partner Engineering, Karl-Heinz Scholz, k.scholz@scholz-partner.eu

(Wir haben schon mehrfach übe das Drytile System von der Deutschen Steinzeug berichtet. Siehe unsere Berichte hier.)

Supermarkt-Objekt mit verlegbare Bodenfliesen des Systems „DryTile“.Foto: Agrob Buchtal

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