Aktuelle Informationen aus der Keramik- und Zubehör-Branche

Digitalisierung: Spanische PIM-Technologie auch für Deutschland?

Initiative des spanischen Herstellerverbandes ANDIMAC zum Produktdatenaustausch

Die Digitalisierung ist in aller Munde. Industrie 4.0, Bauen 4.0 sind für viele Bauunternehmen Herausforderungen, die breit angelegt sind. An diesen Themen wird niemand vorbeikommen, wenn er die Zukunftsfähigkeit seines Unternehmens nicht gefährden will. Für die Bauwirtschaft ist die Digitalisierung eine große Chance. Mit der richtigen Digitalisierungsstrategie können viele Innovationspotenziale gehoben werden. Diese wird jedoch je nach Unternehmen höchst unterschiedlich ausfallen.

Das Thema Digitalisierung beschäftigt im Fliesen- und Zubehörmarkt Handel wie Industrie gleichermaßen. Dabei geht es vorrangig um den effizienten Austausch von Produktinformationen, um die Abläufe im Bestellwesen, in der Lagerhaltung und in der Distribution zu rationalisieren und zu optimieren. Das Problem: Viele Produzenten, Hersteller- und Handelsverbände verfolgen eigene Konzepte und Ideen, die eine branchenübergreifende Vereinheitlichung – und damit den Erfolg der Systeme – erschweren. Ebenso sind die Systeme technisch unterschiedlich ausgereift und erprobt.

Auf große Aufmerksamkeit stieß deshalb in den letzten Monaten eine PIM-Technologie des spanischen Marktes. PIM (Product Information Management) ist eine Initiative des spanischen Handelsverbandes ANDIMAC zur Digitalisierung des Datenaustausches zwischen Handel und Industrie. Es verbindet Lieferanten-Daten direkt mit dem Handel und ist in Spanien schon relativ weit umgesetzt. Bereits über 1000 Verkaufsstellen sind dem System angeschlossen. Auch Produkte aus dem Bereich Fliesentechnik können implementiert werden.

Marketing Challenge des Vertriebs im 21. Jahrhundert

Die Marketing Challenge des Vertriebs im 21. Jahrhundert liegt darin, die Produktinformationen der Lieferanten möglichst effektiv zum Kunden bzw. Händler zu transportieren. Dazu zählen neben den reinen Produktstammdaten, also den Informationen über Artikeleigenschaften (Artikel-Nummern, Ausführungen, Preise etc.) auch die dazugehörigen Bilder und Videos, z.B. über die richtigen Verarbeitungsschritte. In der Fliesenbranche, deren Produkte besonders von den optischen Darstellungsmöglichkeiten lebt, ist der reibungslose Austausch der visuellen Daten von besonderer Bedeutung. Hier erschweren jedoch unterschiedliche Bild- und Videoformate den reibungslosen Datenaustausch.

In Spanien hat sich schon vor geraumer Zeit eine Interessengemeinschaft gegründet, der neben dem spanischen Fliesenherstellerverband ASCER auch der spanische Handelsverband ANDIMAC angehören. Sie wollen mit anderen Industriepartner das Projekt OMNIMAT vorantreiben, das darauf abzielt, Hersteller und Händler für Baumaterialien weltweit zu vernetzen. Dabei geht es vor allem darum, den Produktinformationsaustausch von der Quelle bis zum Point of Sale zu optimieren. Das Projekt hat das Ziel, für den privaten und gewerblichen Abnehmer Omnichannel-Funktionen zu schaffen.

PIM: effektiven Verbindung der Datenströme

Im Mittelpunkt dieses Projektes steht ein Produkt-Informationssystem( PIM). Es dient der Zentralisierung der Datenpflege und Eingabe sowie der effektiven Verbindung der Datenströme. Die Datenquellen bzw. Inhalte, die diesbezüglich angeschlossen und eingearbeitet werden, sind u.a. Internetauftritt, E-Commerce, automatisierte Kataloge, digitale Online-Tools, Apps, Tarife und technische Daten, digitale POS Displays, das Teilen von Produktinformationen in Echtzeit und Webportale.

Das System der spanischen Unternehmen basiert auf der PIM-Technologie für verbindende Systeme, die den automatischen Empfang und die automatische Distribution der Produktinformationen ermöglicht. Die technologische Struktur setzt sich zusammen aus:

– einem zentralen PIM, das Informationen von tausenden Referenzen aufzeichnet und verteilen kann und mit den Lieferanten für den Datenempfang und mit den Kunden für die Lieferung verbunden ist;

– freie PIM Accounts, die mit dem zentralen PIM verbunden sind. Sie werden von den Lieferanten zu Verfügung gestellt um die Qualität der Automatisierung und Verbindung zu gewährleisten:

– freie PIM Accounts, die mit dem zentralen PIM verbunden sind. Sie werden den Abnehmern bzw. Händlern zu Verfügung gestellt, um die Qualität der Verbindung und Automatisierung beim Informationsempfang zu gewährleisten.

Dazu David Portalés Mañanós von der Spanischen Wirtschafts- und Handelsabteilung, Spanisches Generalkonsulat, Düsseldorf: „Der Lieferant erhält einen freien Sales Layer PIM Account. Er kann diesen Account mit seinem Management System für eine Minimum-Jahresgebühr verbinden, die die volle Automatisierung des Prozesses und somit die Validität der Daten garantiert. Der Lieferant kontrolliert die Informationen, die dem OMNIMAT PIM zur Verfügung gestellt wird und kann dieser jederzeit einfach ändern.“

Das OMNIMAT PIM erhält die Informationen der Lieferanten je nach Produktart und verbindet es mit den zuvor autorisierten Fliesenfachhändlern. An ANDIMAC (direkt oder indirekt) angeschlossene Fliesenfachhändler haben einen einen freien Sales Layer PIM Account. In diesem erhalten sie alle Informationen des OMNIMAT PIM, für die sie den Zugang haben. Von ihrem Sales Layer PIM Account können sie die Daten ergänzen oder zusätzliche Daten eingeben.

Schon mehr als 1000 spanische Verkaufspunkte sind dabei

OMNIMAT verbindet so aktuell die Hersteller mit mehr als 1000 an ANDIMAC angeschlossene spanische Verkaufspunkte bzw. POS, heißt es dazu aus Spanien. Aus der spanischen Fliesenindustrie sind bereits einige Unternehmen dabei, wie z. B. Porcelanosa, Baldocer, Rocersa, Peronda, Vives, die APE Group oder Fanal. Auch einige Zubehörhersteller, wie z.B. Mapei, Propamsa, die Parex Group, die Grupo Puma oder die Dämmstoffhersteller Danosa und Ursa, sind auf der Iberischen Halbinsel schon involviert. Eine zügige Erweiterung des System um Hersteller aus den Bereichen Sanitärwaren, Badmöbel, DIY, Elektromaterialen etc. ist vorgesehen.

Nun soll das System auch in Deutschland getestet werden. Der spanische Verband machte dem VDF bereits ein Angebot, das System bei Interesse ebenfalls testen zu können.

Weitere Informationen zum OMNIMAT PIM gibt es bei unter Tel. +34 6 70 29 85 97 bzw. david@saleslayer.com.

Das meint die Branche

Jens Fellhauer. Foto: Bundesverband Keramische Fliesen

Jens Fellhauer, Geschäftsführer Bundesverband Keramische Fliesen e.V.:

“Die Hersteller im BKF nutzen bereits seit vielen Jahren bestehende digitale Plattformen, mit denen Industrie und Handel Ihre Produktdaten für die Auftragsabwicklung austauschen können. Ihnen ist die Weiterentwicklung  und Nutzung der digitalen Möglichkeiten wichtig, denn Hersteller und Handel können damit zum beiderseitigen Nutzen die Auftragsabwicklung effizienter gestalten.

Der BKF sowie seine Mitgliedern stehen daher mit dem VDF und dem Fachhandel in engem Kontakt, um  die Effizienz des digitalen Datenaustausches weiter zu verbessern. So hat der Bundesverband z.B. konkrete Vorschläge zur wichtigen Vereinheitlichung der Artikelstammdatenstrukturen unterbreitet, die seitens des Fachhandels positiv aufgenommen wurden.”

Alexander Herr.

Alexander Herr, Saint-Gobain Building Distribution, Leiter  Category Management / Strategischer Einkauf Fliese:

“Aus unserer Sicht muss es schnellstmöglich einen einheitlichen Branchenstandard für Artikelstammdaten geben. Hierbei geht es allerdings nicht nur um logistische Artikelstammdaten sondern vor allem auch um Mediadaten. Zumindest müsste es eine einheitliche Plattform geben, die seitens der Marktteilnehmer bedient wird. Dies muss dazu führen, dass es möglich ist zukünftig “auf Knopfdruck” Daten zu verarbeiten und in die entsprechenden Kanäle zu überführen. Die Implementierung von Daten dauert heute leider viel zu lange bzw. ist mit viel zu viel händischen Aufwand verbunden. Gerade in der Prozesskette Industrie/Handel/Fliesenleger/Endverbraucher gibt es erhebliche Potentiale zur Effizienzsteigerung. Einheitliche Standards würden Ressourcen entlasten und den gesamten Prozess beschleunigen. Die Industrie muss es verstehen, dass dies zukünftig über Erfolg und Misserfolg von Produkten entscheidet. Die Datenqualität ist für uns heute genauso wichtig wie Produktdesign, -qualität, Lieferfähigkeit und Preis. Wer sich hier professionell positioniert hat einen großen Vorteil gegenüber seinem Wettbewerb der definitiv nicht zu unterschätzen ist.”

 

Dipl.-Kfm. Julian Philipp Tintelnot, Geschäftsführer Wilhelm Linnenbecker GmbH & Co. KG. Foto: Linnenbecker

Dipl.-Kfm. Julian Philipp Tintelnot, Geschäftsführer Wilhelm Linnenbecker GmbH & Co. KG:

“Grundsätzlich begrüßen wir, dass die Stammdaten aller spanischen Fliesenhersteller gebündelt in einer einheitlichen Form zur Verfügung gestellt werden sollen. Wünschenswert aber leider wenig realistisch wäre es, eine einheitliche, grundlegende Datenstruktur über nationale Grenzen hinaus auf europäischer Ebene zu harmonisieren bzw. zu vereinheitlichen. In jedem Fall darf sich dieser Prozess allerdings nicht in einer einheitlichen Struktur erschöpfen, vielmehr ist es notwendig, die Artikelstammdaten inhaltlich qualitativ anzureichern, so dass sie zukünftig von uns im Rahmen unterschiedlichster E-Commerce-Aktivitäten genutzt werden können.”

Sopro Geschäftsführer Andreas Wilbrand. Foto: Sopro

Andreas Wilbrand, Geschäftsführer Sopro Bauchemie:

“Die Digitalisierung ist generell einer der aktuellen Megatrends unserer Gesellschaft, ohne den es bereits heute in vielen Bereichen nicht mehr geht. Die Herausforderung ist dabei aber nicht nur die Technik oder die Aufbereitung verwertbarer Daten, sondern auch das “Mitnehmen” der beteiligten Menschen in Bezug auf die vielschichtigen Sichtweisen und Herangehensweisen. Viele denken beim Begriff “Digitalisierung” zuerst an E-Commerce, aber letztlich ist es viel mehr und wird am Beispiel des Building Information Modellings (“BIM”) künftig die Abbildung des gesamten Planungs- und Bauprozesses grundsätzlich beeinflussen und bestimmen. Ich bin davon überzeugt, daß derjenige, der Daten, Prozesse und die dahinterstehende Manpower beherrscht, daraus seine Vorteile ziehen kann. Und wer nicht, wird mittelfristig am Markt substantiell nicht mehr teilhaben.”

Hier finden Sie die VIDEO-NEWS zu diesem Thema:

 

 

 

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