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Deutscher Fliesenmarkt präsentiert sich auch weiterhin stabil

VDF-Jahreshauptversammlung: Carlo Cit lieferte Zahlen und Fakten zur Branche

Eine gewohnt umfangreiche und detaillierte Bestandsaufnahme des deutschen und europäischen Fliesenmarktes lieferte auf der diesjährigen Jahreshauptversammlung des Bundesverbandes des Deutschen Fliesenfachhandels (VDF) der langjährige Branchenexperte Carlo Cit, Hansa Unternehmensberatung.

Wie bereits kurz berichtet, stellt sich der deutsche Markt mit einem Verbrauch von 133,8 Mio. qm relativ stabil dar und auch in 2019 dürften sich nur geringfügige Veränderungen ergeben. In den kommenden Jahren wirke sich allerdings das Fehlen an Fachhandwerkern hemmend auf ein weiteres Absatzwachstum aus, prognostizierte Cit. Während das Bauvolumen im vergangenen Jahr um ca. 6 Prozent und der Umsatz um ca. 11 Prozent angestiegen waren, habe der Fliesenmarkt von dieser Entwicklung kaum profitieren können. Aufgrund des Fachhandwerker-Mangels verzögerten sich die Fertigstellungen der Bauvorhaben um mehrere Monate. Hiervon war vor allem der Mehrfamilienhausbau betroffen, deren Fertigstellungen sich im Schnitt um mehr als sechs Monate verzögerten. „Der Fachhandwerkermangel kann in den nächsten Jahren nicht gelöst werden, weil der Rückgang von Auszubildenden eklatant ist“, so Carlo Cit.

Ganz unterschiedlich entwickelt haben die wichtigsten ausländischen Produzenten wie Italien, Spanien, die Türkei und Polen im vergangenen Jahr auf dem deutschen Markt: Nach einem stetigen Absatzwachstum der Italiener in den letzten Jahren war der Absatz in 2018 erstmals wieder rückläufig. Dagegen erzielten die Spanier, Türken und Polen zum Teil beträchtliche Absatzzuwächse in 2018. Als „Verlierer“ in den vergangenen Jahren machte Cit die Mitgliedsunternehmens des Bundesverbandes Keramische Fliesen (BKF) aus.

Deutsche Werke waren die „Verlierer“

Seit 2006, als die deutschen Werke noch einen Absatz von 43,1 Mio. qm erzielten, ist dieser bis 2018 kontinuierlich Jahr für Jahr auf nunmehr 25,4 Mio. qm zurückgegangen. Dies bedeutet einen Absatzverlust von 17,7 Mio. qm bzw. ein Minus von 41,2 Prozent. Nachdem die letzten Jahre für die Mitglieder des BKF nicht positiv verlaufen waren, war auch die Absatz- und Umsatzentwicklung 2018 besonders negativ. Während die Mitgliedswerke in 2017 einen Umsatz von 306,5 Mio. € (mit 27,0 Mio. qm) erzielten, waren es 2018 nur noch 293,4 Mio. € (bei 25,4 Mio. qm); das bedeutet ein Minus von 5,9 Prozent. Beim Umsatz betrug der Marktanteil der BKF-Mitglieder in 2017 noch 20,4 Prozent, in 2018 waren es nur noch 19,0 Prozent. Seit dem Jahre 2006 mit 365,5 Mio. € ist bis 2018 der Umsatz auf 293,4 Mio. € zurückgegangen: ein Rückgang von rund 72 Mio. € oder ein Minus von rund 20 Prozent.

Baukonjunktur weiter auf hohem Niveau

Was die Baukonjunktur für das laufende Jahr betrifft, bleib diese sehr stabil auf hohem Niveau. „Der Fachkräftemangel wird auch in diesem Jahr ein größeres Problem bleiben“, so Cit. Das Preisniveau im Fliesenbereich gerate noch mehr unter Druck, weil Überkapazitäten und die Zunahme des Online-Handels dafür sorgten. Anfang des Jahres teilte die Saint-Gobain-Zentrale in Paris mit, im Laufe des Jahres 2019 die Baustoff-, Fliesen- und Sanitäraktivitäten in Deutschland verkaufen zu wollen. „Je nachdem, welcher Investor oder Unternehmen diese Aktivitäten übernehmen wird, kann es insbesondere im deutschen Fliesenhandel zu erheblichen Veränderungen kommen“, prognostizierte Cit. Die Fliesensparte von SGBDD ist mit Abstand der größte Fliesenfachhändler Deutschlands.

Der Fliesenabsatz werde sich hierzulande in diesem Jahr bei 133 bis 134 Mio. qm einpendeln, also das Volumen des letzten Jahres halten. Das verarbeitende Handwerk –  ob Profis, Generalisten oder Schwarzarbeiter – seien überproportional gut ausgelastet und könnten teilweise hervorragende Preise für ihre Leistungen erzielen. Für den Fliesenfachhandel indes sowie die deutsche Fliesenindustrie werde das Geschäft schwieriger.

Ohne „Generalisten“ gar kein Wachstum

Die so genannten „Generalisten“ verarbeiteten im vergangenen Jahr 29 bis 30 Mio. qm Wand- und Bodenfliesen und trugen somit ganz erheblich zum positiven Fliesenabsatz der letzten Jahre bei. Und diese Gruppe werde aufgrund des großen Fachkräftemangels in den nächsten Jahren anwachsen, während die Anzahl der Verlegeprofis aufgrund des Nachwuchsmangels im Fliesenverlegehandwerk dagegen weiter zurückgehen werde.

Ohne die Generalisten werde es in der Branche gar kein Wachstum mehr geben. Allerdings wies Cit auch darauf hin, dass durch die wachsende Zahl der Generalisten der Anteil an Reklamation so hoch wie nie sei und überdies die Schwarzarbeit mit einem Anteil von 38 bis 39 Mio. qm ein neues Rekordhoch erreicht habe – der Anteil der Schwarzarbeit betrage 29 Prozent an den gesamten Verlegekapazitäten.

In Deutschland belief sich der gesamte Verkaufsumsatz der in- und ausländischen Fliesenindustrie im vergangenen Jahr auf 1,440 Mrd. € (netto ohne MwSt./ohne Frachtanteile). Im Vergleich zu 2017 ist dies ein Rückgang von 25 Mio. € oder 1,7 Prozent, und das, obwohl 2018 ein Absatzplus von 1,3 Mio. qm erreicht wurde. Die in- und ausländischen Produzenten erzielten 2018 einen Durchschnittserlös von 10,76 €/qm (minus 2,2 Prozent). Der Verkaufsumsatz, der 2018 über alle Vertriebskanäle in Deutschland erzielt wurde, lag bei ca. 2,510 Mrd. € (netto ohne MwSt./(inkl. Frachtanteile) und ist im Vergleich zu 2017 um ca. 5,3 Prozent zurückgegangen, obwohl 2018 der Absatz um 1,3 Mio. qm zugelegt hat. Italien mit einem Umsatz von 756,9 Mio. € hatte im genannten Zeitraum einen Anteil am Gesamtumsatz der in- und ausländischen Produzenten von 52,6 Prozent im deutschen Markt.

Deutschland wichtigster EU-Exportmarkt für Italien

Aus Italien kamen in 2018 ca. 53,8 Mio. qm (-2,4 Prozent im Vgl. zu 2017) nach Deutschland, aus Spanien 9,5 Mio. qm (+7,1 Prozent) und auch aus der Türkei 12,1 Mio. qm (ebenfalls +7,1 Prozent). Bei den EU-Ländern steht Deutschland an der Spitze der Exportländer der italienischen Produzenten. In 2018 setzten die Italiener hierzulande 53,8 Mio. qm ab und erzielten einen Umsatz von 757 Mio. € bei einem Durchschnittserlös von 14,06 € pro qm. Nach Frankreich lieferten die Italiener 2018 etwa 44,3 Mio. qm und generierten somit einen Umsatz von 677 Mio. € bei einem Durchschnittserlös von 15,29 €; auf Platz 3 liegt Österreich. Dorthin exportierten die Italiener 11,9 Mio. qm bei einem Umsatz von 146 Mio. € und einem Durchschnittserlös von 12,77 € pro qm. Außerhalb Europas sind die wichtigsten Absatzmärkte für italienische Fliesen die USA, die Schweiz, Asien, die Golfstaaten und Afrika.

Interessant ist der Vergleich der Durchschnittserlöse sowie der Volumina, die Italien und Spanien in 2018 im Export erzielen konnten: Während Spanien insgesamt 416 Mio. qm auf den Auslandsmärkten absetzen konnte, exportierten die Italiener 328 Mio. qm. Doch dies ist nur die eine Seite der Medaille, denn die Italiener konnten ihre Produkte zu einem doppelt so hohen Durchschnittserlös von 13,87 €/qm verkaufen (Spanien: 6,57 €/qm).

In dem Bericht übernehmen wir Auszüge aus dem Jahresreport 2018 und Prognose 2019 von HANSA Unternehmensberatung – Carlo Cit – der bei Hansa UB unter der E-Mail-Adresse cit@hansa-hh.de bezogen werden kann.

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