Das Schlimmste steht dem Bau noch bevor

Talfahrt in Deutschland setzt sich vermutlich bis 2025 fort

Die Talfahrt der Bauwirtschaft in Deutschland setzt sich vermutlich bis 2025 fort. Rund 290.000 Arbeitsplätze stehen auf dem Spiel, zeigen aktuelle Daten des Marktforschungsinstituts Branchenradar  Marktanalyse.

Die deutsche Bauwirtschaft schlittert in eine veritable Krise. Laut aktuellem Branchenradar Bauwirtschaft in Deutschland sank der Bauproduktionswert – preisbereinigt – im Jahr 2023 um 4,5 Prozent gegenüber Vorjahr. Rückläufig entwickelten sich alle Bausparten. Im Vergleich zu 2022 sank die reale Bauleistung im Wohnbau um 5,5 Prozent (Wohnungsneubau -7,7% geg. VJ), im Nicht-Wohnbau um 2,6 Prozent (Neubau: -3,4% geg. VJ) und im Tiefbau um 0,8 Prozent.

Der negative Trend setzt sich mit Sicherheit im laufenden Jahr fort. „In Anbetracht des massiven Rückgangs der Baubewilligungen bei gleichzeitigem Ausdünnen laufender Bauprojekte ist heuer mit einem realen Minus der Bauproduktion um zirka 5,5 Prozent zu rechnen“, so Studienautor Andreas Kreutzer. Seinen Berechnungen nach sind damit rund 177.000 Arbeitsplätze in der Bauwirtschaft gefährdet.

Wohnbau erodiert massiv

Im Hochbau kommt die negative Entwicklung nicht überraschend. Im Wohnbau wurden im Jahr 2023 in neuen Gebäuden um rund 29 Prozent weniger Wohnungen bewilligt als im Jahr davor. Im Nicht-Wohnbau sank der zum Bau freigegebene Rauminhalt der Gebäude um 16 Prozent. Gestützt von den Baugenehmigungen der Jahre davor, reduzieren sich folglich im laufenden Jahr – im Vergleich zu 2023 – die Baubeginne im Wohnbau insgesamt um knapp 13 Prozent, bei Einfamilienhäusern sogar um 22 Prozent. Alles in allem wird im Jahr 2024 vermutlich nur noch mit dem Bau von rund 228.000 Wohnungen begonnen. Im Nicht-Wohnbau schrumpft der Rauminhalt der Baustarts von Nicht-Wohngebäuden um etwa vier Prozent gegenüber Vorjahr auf rund 214 Millionen Kubikmeter.

Die Verantwortung für die deutlich rückläufige Neubautätigkeit sehen viele in den zuletzt rasch gestiegenen Finanzierungszinsen. So wurde beispielsweise für private Wohnbaudarlehen im Jahr 2021 noch ein Effektivzinssatz von 1,30 Prozent (Jahresdurchschnitt) verrechnet, zuletzt waren es im Mittel 4,07 Prozent. In welchem Ausmaß die steigenden Zinsen die Kreditaufnahme konkret bremsen, ist dennoch schwer abzuschätzen. Denn die Schaffung von neuem Wohnraum war in Relation zur allgemeinen Preislage noch nie so teuer wie heute. Zwischen 2020 und 2023 haben sich die Baupreise im Wohnbau um mehr als ein Drittel erhöht und damit nahezu doppelt so rasch wie die Inflation. „Baudienstleistungen mögen weniger preiselastisch sein als andere Warengruppen. Offenbar wurde die Zahlungsbereitschaft der Bauherren jedoch überspannt“, gibt Kreutzer zu bedenken.

„Ohne staatliche Wachstumsimpulse wird die Bauproduktion real auch im kommenden Jahr schrumpfen“, ist sich Kreutzer sicher, „zumal die Baubeginne konstant erodieren“. Aus heutiger Sicht erwartet Branchenradar Marktanalyse für 2025 einen Rückgang um 3,8 Prozent. Das träfe dann nochmals rund 115.000 Beschäftigte.

Bauwirtschaft nach Bausparten in Deutschland | Abweichung zu Vorjahrespreisen. Quelle: Brachenradar
Bauwirtschaft nach Bausparten in Deutschland | Abweichung zu Vorjahrespreisen. Quelle: Brachenradar

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