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Cevisama: Die neue Trendmesse in der Fliese

Spanische Fliesenhersteller zeigen sich innovativ

Die Cevisama macht sich langsam einen Ruf als neue „Trendmesse“ der Fliesenbranche (lesen Sie dazu bitte auch unseren Kommentar „The Games of Tones“). Bei unserem dreitägigen Rundgang in Valencia entdeckten wir jedenfalls, wie schon 2016 und 2017, zahlreiche technische Innovationen und neue Gestaltungsideen, die wir z.B. auf der letzten Cersaie in Bologna schmerzlich vermisst haben.

Die spanische Fliesenindustrie hat ihre große Krise, die mit dem Einbruch des Inlandsmarkts verbunden war, mittlerweile gut überstanden. Die Zahlen stimmen wieder (lesen Sie dazu auch hier unseren Bericht über die Pressekonferenz des spanischen Herstellerverbandes ASCER). Letztlich hat die Krise mit dazu beigetragen die Innovationskraft der Unternehmen zu schüren. Nur Hersteller, die neue und konkurrenzfähige Produkte auf den Markt brachten, konnten in den letzten Jahren auf den Exportmärkten überleben.

Grau ist nicht gleich grau.Hier ein Beispiel von Dune.

Die Krise führte so zu einer Bereinigung des spanischen Herstellermarktes und zu einem Konzentrationsprozess, der sicherlich noch nicht abgeschlossen ist. Kleine Unternehmen mussten schließen, da ihnen die Banken in der Krise oftmals die Kredite für neue Öfen oder die innovative Digitaltechnik verweigerten. Andere Firmen schlossen sich zusammen oder wurden von Investoren oder der Konkurrenz aufgekauft. So wurde Keraben z.B. an eine amerikanische Gruppe veräußert. Die restlichen 25 Prozent, die bislang noch im Familienbesitz waren, gingen Ende des letzten Jahres an Victoria Carpets. Das Börsen notierte britische Unternehmen verdient seine Brötchen als Hersteller von Bodenbelägen und rundet mit Keraben seine Kompetenz im Bereich keramischer Böden ab. TAU wurde bereits 2016 von Pamesa gekauft – um nur zwei Beispiele zu nennen.

Grau ist nicht gleich Grau

Glänzendes Beispiel von Glasurtechnik. Hier von Ibero.

Ein gutes Beispiel für die Innovationskraft der Spanier ist das traditionelle Sortiment an grauen Feinsteinzeugfliesen, das heute jeder Hersteller im Sortiment führen muss, der mit deutschen Händlern ins Geschäfts kommen will (z.B. Serien Mixed oder Leeds bei Keraben). Die vielsietige und robuste Ware ist bei Kunden wie Verkäufern gefragt. Der Gestaltungsspielraum ist groß. Das zumeist rektifizierte Material kann auf alle erdenklichen Größen zugeschnitten werden. Ergänzt mit einigen Dekorationen und einem passenden 2 cm Programm lassen sich damit auf Wand wie Boden quasi alle Einsatzzwecke abdecken – im Privatbereich wie im Objektbau. Als Dekorationen wählen die meisten Hersteller in der Regel dezente Natursteinimitationen mit leichten Maserungen. Auch Betonoptiken sieht man häufiger.

Wer dahinter nur „grauen Einheitsbrei“ vermutet, der bei jedem Hersteller gleich aussieht, sollte genauer hinschauen. Denn Grau ist nicht gleich Grau: Was die Umsetzung von Designs und Oberflächen angeht sowie die Auswahl bei den Formaten gibt es zwischen den einzelnen Herstellern erhebliche Unterschiede bei diesen Kollektionen, die mit dem Einsatz der Digitaltechnik noch gewachsen sind. Zum Teil werden für die Designs 20 verschiedene Farbflächen aufgetragen, die somit vielfältige Verlegevarianten ermöglichen. Einige spanische Hersteller bestätigten uns auf Nachfrage, dass sie mit erheblichem Einsatz versuchen diese Sortimente weiter zu verbessern.

Innovativ: Lapato-Plus, hier bei Ibero.

Neben dem Design und dem Preis-Leistungsverhältnis dieser Serien spielen auch die Oberflächen und Ausführungsvarianten eine Rolle. So haben die Spanier in den letzten Jahren ihre Glasuren und Weiterverarbeitungstechniken optimiert. So wurde zum Beispiel dieses Jahr in Valencia die sogenannte „Lapoto Plus“ Technik präsentiert. Mit diesem doppelten Schleifvorgang erreicht man noch facettenreichere Oberflächenanmutungen mit mehr Glanz (gesehen z.B. bei Ibero, Serie Gravity). Keraben demonstrierte dagegen mit einer neuen Glasur-Technik, dass sich auch glänzende Oberflächen auf erstaunliche Trittsicherheitswerte (R10) trimmen lassen. Die Fliesen wirken zwar auf den ersten Blick glatt, allerdings soll sich der Antirutscheffekt laut Keraben unter der Einwirkung von Wasser erheblich verbessern.

Groß mit dick und dünn

Außerdem versuchen die Hersteller die Formatauswahl und Stärken der Serie auszubauen, um die Produktvielfalt zu erweitern. Der Trend zu Großformaten ist ungebrochen, Kantenlängen bis zu 2,60 m keine Seltenheit (z.B. Kollektion XLAN von Azulev).

Bei den Stärken geht die Entwicklung in zwei Richtungen: einerseits hin zu dünnen Platten bis 6 mm, die sich vor allem bei den Großformaten viel besser weiterverarbeiten lassen. Andererseits bauen einige Produzenten ihr Angebot an 2 cm Outdoor-Platten weiter aus. So hat z.B. Rocersa mittlerweile fast 100 Referenzen für sein 2 cm Programm gesammelt und produziert die Dicken für den Außenbereich auch erfolgreich für andere spanische und italienische Hersteller in Lizenz. Der Versuch einiger spanischer Hersteller, die 2 cm Platten auch bei den Großformaten stärker zu lancieren, dürfte jedoch an der schwierigen Weiterverarbeitung scheitern, denn dicke Großformate sind im Verleger-Alltag kaum noch zu handeln.

Renaissance des Steingut

Aber auch das vielseitige und robuste Feinsteinzeug-Programm ist nicht ohne Nachteile. Feinsteinzeug ist kostenintensiv in der Herstellung und schwierig zu schneiden. Einige spanische Hersteller sehen deshalb eine Renaissance für weißscherbige Steingut-Wandfliesen. Azulev führt seit kurzem ein Steingut-Wandfliesen-Programm in 6 mm Stärke im Angebot. Laut Azulev spart allein der Wechsel von 10 auf 6 mm Stärke bis zu 40 Prozent Rohstoffkosten. Durch technische Weiterentwicklungen in den Glasurverfahren wurden desweiteren die Dekorationsmöglichkeiten für aufwendige Steingutfliesen weiter ausgebaut. So lassen sich Oberflächen mit eingepressten Microreliefs jetzt auch mit aufwendigen Glasuren versehen.

Apropos Reliefs: 3D-Dekorationen waren der große Trend der diesjährigen Cevisama. Kein Hersteller möchte noch ohne haptische Oberflächen auskommen: Rillen, Kreise, Vierecke, geometrische Muster – der Fantasie scheinen keine Grenzen gesetzt. Besonders Keraben zeigte hier eine breite Palette an Möglichkeiten (siehe Bildgalerie – zum Vergrößern bitte Fotos anklicken).

Edel: Metallfäden in Endlos-Optik, hier bei Azulev.

Bei den Dekorationen gefielen uns einige Wandfliesen sehr gut, die mit erhabenen Metallfäden schöne Endlos-Dekorationen auf die Fläche zauberten (Azulev, Serie Expression). Auch die Marmor-Designs haben sich mit den neuen Glasuren weiter verbessert. Todagres zeigte hier in seinem Todatech-Feinsteinzeugprogramm sogar Fliesen, die mit einem per Digitaldruck aufgetragenen Marmordesign beeindrucken, der selbst nach dem Poliervorgang erhalten bleibt, der da Print tief in Masse eindringt.

Am Boden sahen wir in Valencia darüber hinaus einige gefällige Endlos-Dekorationen mit grafischen Motiven.

Inflationär haben sich dagegen bei den Spaniern die diversen Programme in der Optik von Zementfliesen entwickelt. Seinen Zenit überschritten hat in unseren Augen auch der Trend für Fliesen im Vintage-Look. Etwas ruhiger ist es um die diversen Holzfliesen-Optiken geworden. Hier gab es lediglich einige Detailverbesserungen, insgesamt scheinen die Gestaltungsmöglichkeiten, Formate und Farben aber in diesem Segment ausgereizt zu sein.

Inflationär: Fliesen im Zementfliesenoptik.

Fazit: Wer Anfang des Jahres Innovationen in Sachen Keramik sehen will, kommt um einen Besuch der Cevisama nicht herum.

Lesen Sie dazu bitte auch hier unseren Kommentar „The Game of Tones“.

 

 

 

Geschmackssache: Sieht aus wie Holzspressspan-Platte, ist aber Keramik. Gesehen bei Vives.Serie Strand.

Unsere VIDEO-NEWS zur Messeberichterstattung:

 

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