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Carlo Cit: Preisverfall und Facharbeitermangel bedrohen Fliesenabsatz

Entwicklung des Fliesenabsatzes und -umsatzes im laufenden Jahr 2018 im deutschen Fliesenmarkt

Carlo Cit von der Hansa Unternehmensberatung beleuchtet exklusiv für 1200Grad mit seinem aktuellen Zahlenmaterial die Situation auf dem deutschen Fliesenmarkt für das laufende Jahr 2018.

Zum Teil liegen uns schon die Absatz- und Umsatzzahlen von den in- und ausländischen Industrieverbänden von Januar bis September, teilweise sogar bis Monat Oktober, vor. Wenn wir diese Zahlen auf das Gesamtjahr 2018 hochrechnen, kommen wir auf folgende Absatz- und Umsatzentwicklung für den deutschen Fliesenmarkt:

Der Fliesenabsatz wird sich 2018 in einem Korridor zwischen 132,5 Mio. m² (wie im Vorjahr) und 133,5 Mio. m² einpendeln. D.h. das Vorjahresergebnis von 132,5 Mio. m² wird in diesem Jahr bestimmt erreicht werden. Vielleicht noch ein kleines Plus von 0,3 – 0,7 %, aber da müssen wir noch die Entwicklung der letzten drei Monate des laufenden Jahres abwarten.

Was die Umsätze angehen, werden wir das Niveau des Vorjahres nicht erreichen. Der enorme Preisdruck, der schon seit längerer Zeit zu beobachten ist und der sich in den nächsten Wintermonaten noch verschärfen wird, hat dazu geführt, dass die Umsätze schon zurückgegangen sind und noch weiter zurückgehen werden.

Bei den deutschen Herstellern, Mitglieder des BKF, sind die Absätze weiterhin rückläufig. Von Januar – September 2018 ist der Absatz um 6,5 % im Inland regelrecht eingebrochen. Die italienischen Produzenten verloren in demselben Zeitraum 3,05 % an Absatz. Positive Zahlen vermelden die Spanier mit einem Plus von 6,85 % und die Türken mit 5,4 %. Beim Umsatz haben die Türken sogar ein Plus von 12,8 % erreicht. Andere ausländische Produzenten haben die Absatzzahlen des Vorjahres erreicht oder sogar kleine Zuwächse erzielen können.

Die deutschen Hersteller haben nach Untersuchungen der Hansa Unternehmensberatung Rückgänge hinnehmen müssen. Foto: Redaktion

Fliesenabsatz leidet unter Facharbeitermangel

Der Fliesenabsatz leidet darunter, dass der Facharbeitermangel immer gravierender wird, deshalb wird der Fliesenabsatz in den nächsten Jahren stagnieren.

Was aber den Fliesenmarkt in Zukunft stark belasten wird, sind die Überkapazitäten, die produziert werden, und damit einhergehend der Preisverfall, der alle Preisklassen treffen wird. Dies bedeutet, dass Margen und damit die Gewinne der Unternehmen aus Handel und Industrie zurückgehen werden. Es ist absolut möglich, dass durch diese Entwicklung Unternehmen aus Handel und Industrie in Schwierigkeiten kommen können oder bereits sind.

Wegen der Überkapazitäten haben einige italienische Hersteller bereits Konsequenzen ziehen müssen. Teilweise mit Kurzarbeit, längeren Werksferien und anderen Maßnahmen will man das Produktionsvolumen erheblich reduzieren. Hier spielt in der italienischen und spanischen Fliesenindustrie der „Zombie-Effekt“ eine große Rolle. Zombies sind sogenannte untote Unternehmen, die mit billigen Krediten am Leben erhalten werden. Es sind Hersteller, die weiter produzieren, obwohl sie finanziell schon „mausetot“ sind.

Zombie-Hersteller beeinflussen den Markt

Schwache Banken, insbesondere in Italien und Spanien, halten mit notleidenden Krediten schwache Fliesenproduzenten am Leben. Es wäre für die Fliesenbranche generell viel gesünder, dass die Finanzhäuser notleidende Kredite nicht verlängern und abschreiben würden, mit der Konsequenz, dass ungesunde oder bereits tote Produzenten aus dem Produktionsprozess ausscheiden. Mittlerweile haben italienische Banken notleidende Kredite von über 350 Mrd. € angehäuft.

Zurück zu Deutschland. Trotz guter Baukonjunktur können der deutsche Fliesenhandel und die Industrie mit der Geschäftslage nicht zufrieden sein. Auf breiter Front erhöhen sich die Preise für Bauleistungen und Baustoffprodukte, aber die Materialpreise für Fliesen gehen zurück. Dies ist der Trend, der sich eventuell in den Wintermonaten zu Ungunsten der Fliese noch weiter verstärken wird.

Es gibt aber auch positive Aspekte zu berichten. Den Fachverlegern geht es außerordentlich gut, wie schon seit Jahren nicht mehr. Arbeit gibt es genug und die Intelligenten unter den Verlegebetrieben verdienen gutes Geld. Viele Verlegebetriebe nehmen vor dem Frühjahr 2019 keine Aufträge mehr an. Dies ist die andere Seite der Fliesenmedaillie.

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