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Carlo Cit: BDB, VDF und BKF sollten einen Verband gründen

Veränderung in der Verbandslandschaft machen dem Branchenexperten Sorgen

Carlo Cit von der Hansa Unternehmensberatung verfolgt die Entwicklung in der deutschen Verbandslandschaft in Bezug auf die Fliesen innerhalb der letzten Monate mit großer Sorge. In 1200Grad macht er sich Gedanken darüber, wie in den Verbänden vielleicht in Zukunft ein Umdenken stattfinden kann.

“Die Entwicklungen bei den deutschen Bundesverbänden BKF und VDF und der neu gegründeten Fliesensparte beim BDB machen sehr nachdenklich. Und ob sie positiv für die Fliesenbranche in Deutschland sind, muss doch sehr stark bezweifelt werden.

Hinzu kommt noch, dass die beiden Bundesverbände von Handel und Industrie nicht mehr gemeinsam in der Lage sind, strategische Konzepte zu entwickeln, von denen die Mitglieder beider Verbände profitieren können. Die Zusammenarbeit ist auf wenige Themen beschränkt, die aber keinen Mehrwert für die Mitglieder erzeugen.

Der BDB hat eine weitere Fliesensparte installiert. Zu den neuen Mitgliedern werden auch einige wichtige Mitglieder des VDF gehören, die aus dem Verband ausgetreten sind und noch austreten werden. Ob beim BDB alles besser wird, muss sich in Zukunft zeigen. Ich gehe aber davon aus, dass bei den großen Ressourcen, die dem BDB zur Verfügung stehen, auch politisch, eine starke Fliesensparte aufgebaut werden kann, wenn die Sparte von Fliesenexperten mit großer Marktkenntnis geführt wird. Ohne eine kompetente Spartenführung kann ich mir keinen großen Erfolg vorstellen.

Nach den neusten Meldungen wird auch die BAUCO wichtige Mitglieder verlieren. Ganz aktuell ist die Situation bei Saint-Gobain Building Distribution Deutschland. Stellen wir uns mal vor, die Fliesensparte dieses Unternehmens kommt in „falsche Hände“, was passiert dann innerhalb des deutschen Fliesenhandels? Die Konsequenzen können, um es vorsichtig auszudrücken, weitreichend sein.

Zersplitterung der gesamten Branche zu vermeiden

Um eine Zersplitterung der gesamten Branche zu vermeiden, wäre mein Vorschlag an die verantwortlichen Persönlichkeiten der Verbände, springt über eure Schatten und schließt euch zusammen, damit die gesamte Branche, insbesondere der Fliesenhandel, wieder eine Stimme bekommt und nachhaltig gestärkt wird.

Für den Fliesenhandel wird es in Zukunft überlebenswichtig sein, dass er von einem starken Bundesverband geführt wird, der auch Probleme lösen kann und den Mitgliedern das nötige strategische Rüstzeug mit auf den Weg gibt, in einem zunehmenden schwierigen Marktumfeld erfolgreich zu überleben. Die Fliesenbranche wird sich in Zukunft stark verändern, deshalb ist es dringend notwendig, dass alle Aktivitäten gebündelt werden, damit mit einer Stimme die Interessen des deutschen Handels und der deutschen Fliesenindustrie im Markt vertreten werden.

Sollte sich keine positive Veränderung abzeichnen und das Auseinanderdriften geht weiter, werden viele Marktteilnehmer die Verlierer sein – und letztendlich die gesamte deutsche Fiesenbranche. Das Umfeld und die Rahmenbedingungen verschlechtern sich für die deutsche Fliesenindustrie und auch für den -handel. Durch Überkapazitäten und Dumpingpreise ausländischer Hersteller kommen deutsche Werke immer mehr unter Druck.

Beispiel Polen: Infolge staatlicher Subventionen, die Polen durch die EU erhält, sind namhafte Beträge in der Vergangenheit in die polnische Fliesenindustrie geflossen. Infolgedessen ist das Preisniveau der polnischen Fliesenindustrie teilweise nicht mehr nachvollziehbar, weil auch die Energie- und Lohnkosten wesentlich niedriger sind als in Deutschland. Die anderen Länder, wie Türkei, Russland u.a., und neuerdings auch Indien, bearbeiten den deutschen Markt mit Niedrigstpreisen. Da haben deutsche Werke nur noch wenige Chancen, preislich dagegen zu halten. Diese unfaire Marktentwicklung schädigt nachhaltig die deutsche Fliesenindustrie, die alles unternimmt, ein guter Partner des Handels zu sein, um letztlich zu überleben.

Deshalb müssen der Handel und die deutsche Fliesenindustrie schnellstens gemeinsame Strategien entwickeln, damit nicht noch mehr Boden verloren geht. Am Besten wäre, der BDB, VDF und BKF gründen einen Verband und vertreten gemeinsam die Interessen der deutschen Fliesenbranche.”

Carlo Cit

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1 Kommentar
  1. Thomas sagt

    Die Deutsche Fliesenindustrie hat doch selber Schuld ,haben doch ständig an der Preisschraube gedreht und zwar nach unten. Die Produkte sind meiner Meinung auch zu flach. Die Deutsche Industrie sitzt zwischen den Italiener und den Polen ect.. Von beiden Seiten kommt der Druck,glaube es wird sehr schwierig die Deutsche Keramik auf Dauer zu halten.

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