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BKF Stellungnahme zum Leserbrief von Hansa Unternehmensberatung

Fliesenverband bemängelt fehlerhafte Berechnungsweise und mangelnde Datentransparenz von Hansa UB

Am 29.05 erhielten wir vom Bundesverband Keramische Fliesen e.V. (BKF) eine Presseinformation zu den aktuellen Marktzahlen des deutschen Fliesenmarktes (siehe Bericht hier). Dabei haben wir bedauerlicher Weise die dazu passendes Charts nicht abgebildet, was wir inzwischen in einer Aktualsierung des Berichtes nachgeholt haben.

Wie schon in den Vorjahren war Carlo Cit, der sich seinerseits seit vielen Jahren mit dem europäischen Fliesenmarkt und dessen Zahlen auseinandersetzt, mit den Zahlen und der Vorgehensweise des Verbandes nicht einverstanden und kritisierte diese in einem Leserbrief (siehe unser Bericht hier). Wir haben den BKF dazu um eine Stellungnahme gebeten und vom Geschäftsführer des Verbandes, Jens Fellhauer, folgendes Statement erhalten:

„Die Hansa Unternehmensberatung (im Folgenden: HU) beschreibt in einem Leserbrief, wie es zu einer unterschiedlichen Bestimmung der Absatzzahlen in Deutschland kommt.

Diese Beschreibung legt grundlegende systematische Fehler bei der Berechnung des Inlandsabsatzes durch HU offen. Die Berechnung ist unvollständig. Zudem bleibt unklar, welche Daten bzw. welche Quellen für die Berechnung der Importe und der Inlandsabsätze deutscher Hersteller herangezogenen werden.

Stattdessen wird – wie in den Jahren zuvor – durch ein willkürlich gewähltes „Rechenspiel“ versucht, von diesen Umständen abzulenken.

Der BKF ermittelt den inländischen Verbrauch seit über 25 Jahren unverändert transparent auf der Grundlage bekannter und vertrauenswürdiger Quellen – und nach der Berechnungsweise, die sich methodisch bei allen europäischen Partnerverbänden durchgesetzt hat. Da es sich um statistisch erhobene Daten handelt, erfolgt und erfolgte noch nie eine „Abstimmung“ über das Zahlenmaterial.

Gerne erläutern wir dies im Detail. Und weisen ferner darauf hin, dass der BKF in verschiedenen Gesprächen mit HU auf diese Umstände hingewiesen und sich um eine kohärente Vorgehensweise bemüht hat. Erneute Gesprächsangebote hat HU bedauerlicherweise abgelehnt.

1. Berechnung und Datentransparenz

Die im Leserbrief dargelegte Berechnung des Inlandsverbrauchs durch die Hansa Unternehmensberatung ist unvollständig – und damit ursächlich für die von der HU bemängelten Zahlendifferenz. Hinzu kommt eine nicht nachvollziehbare Bestimmung des Inlandsabsatzes deutscher Hersteller sowie des Gesamtimports.

Wie aus der Stellungnahme der HU ersichtlich wird, errechnet HU den Inlandsabsatz wie folgt:

+ Importe  (110 Mio. qm = Angaben Leserbrief von HU)

+ Inlandsabsatz der deutschen Hersteller   (23,4 Mio. qm = aus den Angaben von HU berechnet)

unter Berücksichtigung ihrer in- und ausländischen Zukäufe

= Inlandsabsatz  (133,4 Mio. qm = Angaben Leserbrief von HU)

Diese Berechnung des Inlandsverbrauchs durch HU ist nicht richtig, da sie das tatsächliche Marktgeschehen nicht abbildet. Denn die Exporte bleiben dabei vollständig unberücksichtigt, obwohl jährlich ca. 7 – 11 Mio. qm nach Deutschland importierter Ware (Importe) weiter ins Ausland exportiert werden und somit nicht dem deutschen Markt zur Verfügung stehen. Die Berücksichtigung dieser Exporte würde das von der HU „herbeigerechnete Gap“ der abweichenden Angaben über den Inlandsmarkt schließen und für mehr Markttransparenz sorgen.

Auch im Übrigen ist die Berechnung nicht nachvollziehbar, denn aus eigener Kenntnis kann der BKF bestätigen, dass die Angaben des rechnerischen Inlandabsatzes deutscher Hersteller unrichtig sind. Und wie sich die Gesamtimporte von 110 Mio. qm errechnen bleibt ebenfalls unklar.
Nach der Berechnungsweise, die sich bei allen europäischen Verbänden durchgesetzt hat, ergibt sich für das Jahr 2019 folgendes Bild (in Mio. qm):

+ Produktion:                      45,7

+ Importe:                          103,4

= Zwischensumme:        149,1

./. Exporte:                           26,7*

= Verbrauch:                     122,4

Die zitierten Zahlen basieren auf den Angaben
– des Statistischen Bundesamts (StaBuA),
– des Statistischen Amts der Europäischen Union (Eurostat) sowie
– der CET (European Ceramic Tile Manufacturers´ Federation) und seiner Verbände.

–  *Die Exportzahl beinhaltet Exporte deutscher Hersteller sowie zuvor importierte, sogenannte „Durchgangsware“.

2. Datenbezug

Nach eigenen Angaben verwendet HU „fast ausschließlich die Zahlenangaben aus den Statistiken der In- und Auslandsverbände“. Offen bleibt jedoch, welche Quellen konkret für die Importberechnung herangezogen werden – auch und gerade mit Blick auf die Angaben, zu denen die ausländischen Partnerverbände bezüglich der verbleibenden über 100 Nationen weltweit keine Angaben zum deutschen Markt machen können.

Ferner müssten der HU für die exakte Berechnung der „Absätze und Zukäufe der inländischen Hersteller“ (siehe oben) sämtliche detaillierten und vertraulichen Unternehmensdaten nach einheitlicher Berechnungsweise vorliegen – was ernsthaft bezweifelt werden darf.

Die von HU behaupteten Zahlen-Differenzen für die Importmengen aus Polen und der Türkei verwundern, denn die Zahlen dieser Länder sind vom BFK standardmäßig berücksichtigt, der über den europäischen Herstellerverband CET Zugriff auf die Daten aller CET-Mitgliedsverbände hat, zu denen bekanntermaßen auch Polen und die Türkei gehören.

Gleiches gilt für den irreführenden Hinweis, die inländischen Hersteller seien in der Übersicht des BKF nur teilweise abgebildet. Sie werden – für Brancheninsider leicht ersichtlich – komplett abgebildet, unabhängig davon, ob diese Mitglied des BKF sind oder nicht (siehe Übersicht Gesamtmarkt oben). Zukäufe aus dem Ausland sind gesondert erfasst.

3. Fazit:

Aus unserer Sicht wird seit viel zu langem eine fruchtlose Diskussion über die Absatzdaten angeheizt, der es an ernsthaftem und auf Fakten basiertem Austausch mangelt.

Der BKF erstellt, wie eingangs erläutert, seit vielen Jahren seine Marktübersichten unverändert und transparent auf der Grundlage bekannter, vertrauenswürdiger Quellen nach exakt der Methodik, die sich bei allen europäischen Verbänden durchgesetzt hat. Aus diesem Grund und angesichts der im Detail erläuterten, sowohl intransparenten als auch unvollständigen Berechnungen sehen BKF und seine Mitgliedsunternehmen keinen Grund, von der bewährten Verfahrensweise abzuweichen.“

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