Böden verstärken oder austauschen?

Bauen im Bestand mit kritischen Untergründen

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Werden bei Sanierungen vorhandene Bodenbeläge entfernt, ist die Überraschung oft groß. Zum Vorschein kommen kritische Untergründe wie z.B. gerissene Estriche, morsche Holzspanplatten oder Holzdielenböden, Mischuntergründe, alte Fliesen-beläge oder Kleberrückstände von entfernten Teppichböden. Kann auf solchen Untergründen ein neuer Bodenbelag sicher aufgebracht oder muss der Boden komplett ausgetauscht werden?

Handwerker, die bei Bestandssanierung auf solche kritischen Untergründe stoßen, müssen sich entscheiden, ob sie diesen belassen oder entfernen. Abhängig vom gewünschten neuen Belag gibt es verschiedene Möglichkeiten, kritische Untergründe für die Aufnahme eines neuen Bodenbelags vorzubereiten. Diese werden im vorliegenden Beitrag erläutert.

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Foto: PCI

Entkoppeln

Diese Technologie bietet sich vor allem in Verbindung mit keramischen Fliesen an. Entkoppeln bedeutet, dass Bodenbelag und Untergrund keine feste Verbindung eingehen. Dabei werden die Fliesen nicht starr mit dem Untergrund verklebt, sondern auf einer „weichen“ Zwischenschicht. Diese zusätzliche Schicht – die Entkopplungsschicht – überbrückt vorhandene Risse, fängt Schwingungen sowie Bewegungen auf und gleicht Untergrundverformungen und Temperaturschwankungen aus, sie verhindert also, dass diese Schadensfaktoren auf den verlegten Belag übertragen werden. Dadurch werden Schäden wie gebrochene Fliesen oder gerissene Fugen vermieden.

Entkopplungen stoßen jedoch an ihre Grenzen, wenn sich die Untergründe durchbiegen (Holzuntergründe, Trockenestriche) oder der neue Fliesenbelag punktuell oder dynamisch belastet werden. In diesem Fall empfiehlt sich die folgende Methode.

Verstärken

Beim Verstärken wird aus einer Kombination einer faserarmierten Spachtelmasse mit einem speziellen Wirrgelege eine stabilisierende, verstärkende Schicht aufgebracht. Diese kann Risse bis zu einer Breite von 3 mm, in Kombination mit Verstärkungsstreifen sogar bis 5 mm Breite überbrücken. Sie verstärkt die Tragfähigkeit der Bodenkonstruktion und vermindert dadurch deren Durchbiegen. Somit können nicht nur weiche Beläge wie Teppich, PVC, Linoleum, sondern auch harte Beläge wie Fliesen oder Naturstein aufgebracht werden.
Mit dem Entkoppeln und Verstärken stehen dem Handwerker zwei funktionsfähige, in der Praxis erprobte Konstruktionen zur Verfügung, die es ermöglichen, kritische Untergründe ohne großen Aufwand für die Aufnahme eines neuen Oberbelages vorzubereiten.

Leider stößt man in der Altbausanierung aber auch auf Untergründe, die weder entkoppelt noch verstärkt werden können. Dazu zählen beispielsweise Holzdielenböden, bei denen Bretter bereits morsch und somit nicht mehr tragfähig sind. In solchen Fällen bleibt nur der Austausch des Bodens.

Austauschen

Nach Entfernen des morschen Holzbodens kann ein Estrich auf einer Tragschale erstellt werden. Aber Vorsicht: Der Statiker gibt vor, wieviel Gewicht durch die neue Bodenkonstruktion aufgebracht werden darf. Hier werden die Grenzwerte schnell erreicht und ein herkömmlicher Estrich scheidet wegen seines Gewichts aus.

In solchen Situationen hat sich die Kombination aus einem halb so schweren Leichtestrichmörtel mit einer Unterkonstruktion aus speziellen Metall-Tragplatten in Schwalbenschwanz-Profil bewährt. Es wird damit ein tragender Untergrund für die Aufnahme des Estrichs hergestellt. Die Schwalbenschwanzprofilierung gibt zusätzliche Stabilität, so dass eine Aufbauhöhe von insgesamt nur 50 mm ausreicht. Außerdem reduziert die Profilierung den Bedarf an Estrichmörtel, was zur weiteren Gewichtsoptimierung beiträgt.

Egalisieren

Feste, saubere und tragfähige Untergründe bedürfen in der Regel keiner besonderen Vorbereitung. Bodenbeläge aus großformatigen Fliesen, PVC, LVT, Teppich oder Parkett stellen jedoch hohe Anforderungen an die Ebenheit des Verlegeuntergrundes. Ist diese nicht gegeben, bedarf es einer Ausgleichsspachtelung mit einer Verlaufsmasse. Damit werden ebene, glatte und belegbare Oberflächen hergestellt. Die erfolgreiche Anwendung setzt voraus, dass der Handwerker den Untergrund zuerst grundiert. Dadurch wird die Saugfähigkeit der Oberfläche reduziert, Staub gebunden und der Haftverbund zur Verlaufsmasse sichergestellt.

Vor dem Ausgießen der Verlaufsmasse muss der Verarbeiter, insbesondere bei Anwendungen auf schwimmenden Estrichen, sicherstellen, dass die Verlaufsmasse nicht in die vorhandene Randfuge einlaufen kann. Dies würde Schallbrücken erzeugen und könnte zu Zwängungen führen, aus denen Schäden resultieren. Am einfachsten stellt man den Randdämmstreifen aus einem mit selbstklebenden Vliesstreifen versehenen Schaumstoff her, der auf der getrockneten Grundierung aufgeklebt werden kann. Die Verlaufsmasse haftet auf dem Vliesstreifen und es entsteht keine Verbindung zur Wand. Schallbrücken und Zwängungen lassen sich so verhindern.

Moderne Verlaufsmassen, die auf Basis von CSA-Zement (Calcium-Sulfo-Aluminatzement) formuliert sind, sind lange und leicht verarbeitbar; sie zeichnen sich durch sehr guten Verlauf aus und bedürfen keiner Nachbehandlung durch Stachelwalze oder Schleifen. Durch den Wegfall dieser Arbeitsschritte spart der Handwerker nicht nur Zeit, sondern vermeidet auch mögliche Verschmutzungen (Spitzer vom Stacheln, Staub vom Schleifen). Zudem haben CSA-basierte Verlaufsmassen den Vorteil, dass sie schnell erhärten, so dass Oberbeläge meist schon nach wenigen Stunden aufgebracht werden können.

Fazit

Für das Sanieren von Böden beim Bauen im Bestand stehen verschiedene, in der Praxis bewährte Systeme zur Verfügung, so dass funktionssichere, neue Böden meist mit geringem Aufwand hergestellt werden können.

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