Die „Alte Badeanstalt“ in Essen im neuen Glanz. Fotos: Schomburg

Aufbruch im Westen – die „Alte Badeanstalt“ in Essen

Schomburg half bei der Renovierung eines historischen Schwimmbads

Die wilden 1920er waren nicht nur in Berlin Jahre des Aufbruchs und der Lebensfreude. Trotz der Schatten der Wirtschaftskrisen und der politischen Radikalisierung war diese Zeit besonders im Ruhrgebiet ein massiver Sprung nach vorne. Im bevölkerungsreichsten Teil Deutschland entstanden neue Wohnungen für die Tausenden von notwendigen Arbeitskräfte – und öffentliche Schwimmbäder. Wie die „Alte Badeanstalt“, heute als Hallenbad Altenessen bekannt, die nach den Jahren der unmenschlichen Verhältnisse in den muffigen Mietskasernen für die Menschen eine radikale Verbesserung der Hygiene und damit Gesundheit bedeutete.

1928 begannen die Bauarbeiten unter dem durchaus bedeutenden Architekten Ernst Bode, der gleichzeitig als Baudezernent das damalige Stadtbild des modernen Essens prägte. Bode gehörte zum Kreis des bekannten Traditionalisten Paul Bonatz und baute bedeutendere Gebäude als die Badeanstalt, etwa das berühmte „Glückaufhaus“ oder das Verlagshaus Baedeker. Aber das Schwimmbad gilt unter den Kennern Bodes als Kleinod. Das Stadtbild Essens prägte er nach dem Bau der Badeanstalt jedoch nicht mehr lange. 1934 drängte man ihn aus dem Amt, die neuen Machthaber empfanden seinen Weggang dem Vernehmen nach nicht als Verlust. Am 1. Juni 1930 begann offiziell der Schwimmbetrieb, der mit einer kurzen Pause im Zweiten Weltkrieg bis heute beinahe unterbrechungsfrei lief. Das Bad liegt sehr zentral – der U-Bahn-Anschluss ist quasi vor der Haustür. Gerade deshalb ist das Schwimmbad trotz seines Alters und seiner kompakten Größe bei den Essener beliebt.

Bilder wie diese zeigen, wie aufwändig die „Alte Badeanstalt“ in Essen renoviert wurde.

Bereits 1962 wurde die Badeanstalt zum ersten Mal umgebaut – kein Wunder, dass sich die Veränderungen der aktuellen Sanierung in den Jahren 2017 und 2018 nicht auf die Kosmetik beschränken. Zwar wurden auch die über die Jahre gelb verblichenen Fliesen durch neue weiß geflieste Wände mit einem frischen Akzent Minze ersetzt, statt der trüben Funzeln strahlen heute moderne LED-Bänder. Aber ein guter Teil der Renovierungskosten, die die Lokalpresse mit 1,2 Millionen Euro angibt, wurde in unsichtbare wenn auch nicht weniger wichtige Dinge investiert.

Während der gesamten Bauphase setzen das Planungsbüro „Planteam Ruhr Sport und Bäderbau“ und die ausführende Firma „Fliesen Lepping“ auf die Spezialprodukte des Detmolder Baustoffspezialisten Schomburg. Gerade im Schwimmbadbau sind Systembaustoffe alternativlos, auch bei weniger anspruchsvollen Objekten als bei einem Schwimmbad unter Denkmalschutz.

„In alten Bädern weiß man nie, was einen erwartet…“

Johannes Bauer, im Objektmanagement von Schomburg verantwortlich für die Badeanstalt, spricht von umfangreichen Maßnahmen in Essen: „In alten Bädern weiß man nie, was einen erwartet – das war auch hier so.“ Kaum hatte man die keramischen Beläge an den Wänden des Beckenumgangs entfernt, stießen die Arbeiter auf ein schwarzes, an Bitumen erinnerndes Material. Dieser Anstrich konnte nicht entfernt werden – das Mauerwerk wäre ebenfalls zerstört worden. Eine Verbindung mit mineralischem Mörtel wie Putz war unmöglich, so dass man die gesamten Wände des Beckenumgangs komplett verkleiden musste. Für eine sichere Flächenabdichtung wurde  Aquafin-RS300 eingesetzt.

Foto 2: Ein sauberer Untergrund für den weiteren Ausbau.

Ein schwarzes Material fand man am Boden des Schwimmbeckens. Doch dort kam es noch schlimmer. Als man es abgetragen hatte, stießen die Experten auf eine weitere sehr porige Schicht. Schnell war klar, dass es sich um Schlackebeton handelte, den man bei früheren Arbeiten als Füllbeton eingesetzt hatte. Der Untergrund wurde geprüft und als sichere Lösung wurde ein Zementverbundestrich als Ausgleichschicht aufgebracht. Die unebenen Beckenwände glichen die Sanierer mit dem Multimörtel Asocret-M30 aus – hier in einer seiner vielen Rollen als Schwimmbadputz.

Kniffelige Bewegungsfuge

Bei der Bewegungsfuge wurde es noch einmal knifflig. Sie schwankte über die gesamte Breite zwischen fünf und acht Zentimetern. Die Fuge verläuft genau zwischen der Überlaufrinne, in diesem Fall einer so genannten Wiesbadenerrinne, und der Bodenplatte des Beckenumgangs. Nach Maßgabe des Statikers wurde diese Fuge auf einheitliche zwei Zentimeter verringert – möglich wurde das ebenfalls durch den mineralischen Multimörtel Asocret-M30.

ie „Alte Badeanstalt“ in Essen von außen.

Für weitere Anwendungen wie Einbauteile, Bewegungsfugen, Wandabschlussfugen kamen verschiedene Dichtbänder und Dichtmanschetten zum Einsatz, die mit dem Abdichtungssystem eingearbeitet worden sind. Alle keramischen Beläge wurden mit der HF05-Brilliantfuge verfugt. Die notwendige Ebenflächigkeit der Beckenwände wurde mit dem wasserabweisenden Schwimmbadputz Asocret-M30 hergestellt. „Ich könnte jetzt noch viele weitere Schomburg-Produkte nennen, die bei dem Umbau verwendet wurden, aber das Besondere ist ja gerade, dass alle unsere Produkte als Systemlösung eine Einheit bilden“, so der Objektverantwortliche Bauer.

Und es hat geklappt. Im Oktober 2017 wurde das 550.000 Liter Wasser fassende und 25 Meter lange Becken zum ersten Mal probegeflutet und zehn Tage lang erfolgreich auf Dichtigkeit getestet. Am 17. Februar 2018 wurde das Bad dann in neuer Pracht für die Schwimmbegeisterten wieder geöffnet. In der Tageszeitung WAZ zeigte sich der Geschäftsführer des Bades zufrieden: „Damit haben wir für die nächsten 40 bis 50 Jahre Ruhe.“ Heute ist die „Alte Badeanstalt“ mehr als ein Schwimmbad. Als Gesundheitszentrum bietet es die gesamte Bandbreite an Fitness, Rehasport und Wellness. Wie die Ausstattung ist eben auch das Angebot mit der Zeit gegangen.

Drei Fragen an Marcus Kuczer, Leiter Objektmanagement bei Schomburg

Herr Kuczer, mit ihrem Team betreuen Sie im Jahr durchschnittlich 30 öffentliche Bäder, Neubauten und Sanierungen. Warum war die Badeanstalt in Essen für Sie ein besonderes Objekt?

Zum einen ist die „Alte Badeanstalt“ ein wunderschönes architektonisches Beispiel für den Bäderbau der 1920er und 1930er Jahre. Es ist ein Ausdruck der Bäderkultur der damaligen Zeit. Dabei war die Badeanstalt immer Sportstätte – ein klassisches Vereinssportbad. Der Schwimmclub Altenessen 1926, der im Übrigen noch heute existiert, hat sich sehr in der Frühphase für den Bau eingesetzt. Eines der Vereinsmitglieder hat die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) mit gegründet, andere Schwimmer haben an den Olympiavorbereitungskursen teilgenommen. Das Bad erzählt auch ihre Geschichte.

Die Geschichte der Badeanstalt war aber durchaus wechselhaft.

Ja, während des Krieges und in der Zeit unmittelbar danach hatten die Menschen andere Sorgen als ein Schwimmbad zu unterhalten. Die alte Badeanstalt wurde zwar bereits 1947 wieder geöffnet, eine Sanierung hat dann erst in der 1960er stattfinden können, im Rahmen des so genannten „Goldenen Plans“. Das war nichts anderes als ein staatlich verordneter Aufbauplan für dringend benötigte Sportstätten und besonders auch Schwimmbädern.

Marcus Kuczer

Bräuchte man heute auch wieder einen solchen „Goldenen Plan“?

Tatsächlich können ja immer weniger Kinder schwimmen, das Problem beschäftigt auch die Politik. Nicht nur als Spezialist für den Bäderbau halte ich den Schwimmsport, den Schwimmbadbau allgemein für existenziell. Denn Schwimmen ist der einzige Sport, den das Baby bis zum Senior ununterbrochen betreiben kann. Mit gut ausgestatteten Schwimmstätten können wir als Gesellschaft dafür sorgen, dass der Mensch von seiner Jugend bis ins Alter gesund und aktiv bleibt – mit allen positiven Auswirkungen auf Gesundheitskosten und für die Menschen selbst.

Marcus Kuczer (Leiter Objektmanagement bei Schomburg).
 

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