35. Sopro Planer- und Sachverständigenseminar

Breites Themenspektrum rund um den Schwimmbadbau  

Es ist auch nach der längeren, pandemiebedingten Pause immer noch ein „Renner“ unter den Sopro Planer- und Sachverständigenseminaren: Das Seminar zum Thema „Schwimmbäder fachgerecht planen und bauen“. Kein Wunder: Zum einen zählt der Bau von Schwimmbädern mit zu den anspruchsvollsten Bauaufgaben und zum anderen vermittelt die eintägige Veranstaltung im Rahmen der Sopro ProfiAkademie stets die neuesten Erkenntnisse aus Theorie und Praxis – sowohl was die fachgerechte Planung, als auch den Bau von Schwimmbädern anbelangt.

Für die Sopro Bauchemie ist der Schwimmbadbau nicht nur die „Königsdisziplin“, sondern zugleich auch eine „Herzensangelegenheit“ – so Dipl.-Ing. Mario Sommer, Leiter der Sopro Anwendungstechnik/Objektberatung und Moderator der eintägigen Veranstaltung. Und ein Thema, bei dem sich die Sopro in den letzten Jahrzehnten mit ihrem speziellen und umfassenden Know-how einen guten Namen erarbeitet hat. Ein Wissen, das es weiterzugeben gilt. Er versprach den über 60 Seminarteilnehmern daher auch diesmal ein „Potpourri der verschiedensten Experten“, das von architektonisch-gestalterischen Aspekten und Erfahrungsberichten beim Bau von Schwimmbädern über aktuelle Entwicklungen bei der Sanierung von Pools bis hin zur den neuesten Systemlösungen im Bereich der Abdichtung und dem Einsatz von Großformatfliesen im Schwimmbadbau reichte.

Hamburger Schwimmbadmodernisierung auf höchstem Niveau

Den Reigen der Referenten eröffnete Dipl.-Ing. Architektin Anja Ansel von der Projektleitung Engineering der Bäderland Hamburg. Sie nahm die Zuhörer bei ihrem „Werkbericht“ zur „Modernisierung der Alsterschwimmhalle Hamburg“ mit auf eine spannende Zeitreise, die von dem Entwurf Anfang der 1960iger Jahre und der Eröffnung im Jahr 1973 über den Abriss im Jahr 2020 und die aktuellen Sanierungsmaßnahmen bis hin zur Eröffnungsfeier im November 2023 reichte. Schnell wurde deutlich, dass es sich hier um keine alltägliche Sanierung und Modernisierung handelt; denn die Alster-Schwimmhalle ist eine Ikone Hamburger Architektur und mit ihrer charakteristischen und für die damalige Zeit einzigartigen Dachkonstruktion aus dem Stadtbild der Hansestadt nicht weg zu denken.

Von 2020 bis 2023 wurde sie von gmp Architekten unter den Vorgaben des Denkmalschutzes umfassend saniert, umgebaut und erweitert. Erhalten wurden dabei das spektakuläre Schalendach, der riesige Innenraum mit dem 50-Meter-Becken sowie die imposante Glasfassade. Gleichzeitig wurde die Wasserfläche deutlich erweitert, da zu dem bestehenden 50-Meter-Sportbecken und dem Lehrschwimmbecken vier neue Becken hinzukamen – wie das extra Sprungbecken mit seinem eleganten Sprungturm, ein 25-Meter-Becken und ein Kursbecken sowie ein sich auf der Empore befindliches großes Entspannungsbecken.

Ein attraktiver Saunabereich im Obergeschoss sowie ein erweiterter Fitnessbereich runden das künftige Angebot ab. Mit eindrucksvollen Bildern konnte Anja Ansel deutlich machen, welche enorme Herausforderungen es bei dem konstruktiven Abbruch und dem Neubau zu meistern galt. Dies galt auch für die aufwändig durchgeführten Abdichtungs- und Verlegarbeiten – nicht zuletzt angesichts des außergewöhnlich großen Format-Spektrums bei den hier auf einer Gesamtfläche von über 15.000 m² eingesetzten keramischen Belägen. Es reichte von Knopfmosaik bis hin zu Megaformaten in der Größe 3×1,2 Meter, welche hier erstmals im Schwimmbadbau auf einer Fläche von über 1.200 m² verlegt wurden.

Nach wie vor ein „Renner“ unter den Sopro Planer- und Sachverständi-genseminaren: Das Seminar zum Thema „Schwimmbäder fachgerecht planen und bauen“. Foto: Sopro Bauchemie
Nach wie vor ein „Renner“ unter den Sopro Planer- und Sachverständi-genseminaren: Das Seminar zum Thema „Schwimmbäder fachgerecht planen und bauen“. Foto: Sopro Bauchemie

Ein Blick auf Bewährtes und Neues im Schwimmbadbau

Die Alsterschwimmhalle spielte auch bei dem Vortrag Dipl.-Ing. (FH) Björn Rosenau, dem Leiter der Planer-/Objektberatung bei der Sopro Bauchemie, eine Rolle. Denn er untermauerte seine Ausführungen zu „Abdichtung und Fliesen im Schwimmbadbau – Herausforderungen und Systemlösungen“ mit ganz gezielten Fallbeispielen für Abdichtung und Fliese aus den zahlreichen, von der Sopro in den letzten 20 Jahren weltweit erfolgreich durchgeführten Schwimmbadprojekten.

Im Fokus standen dabei die erworbenen Erfahrungen in den Bereichen Untergrundvorbereitung, Ausgleichsmaterialien, Abdichtungstechnik bzw. Durchdringungsanschlüssen. Ziel aller Arbeiten ist hier stets die Vermeidung von Undichtigkeiten jeglicher Art sowie möglicher Fliesen-/Haftverbundschäden mittels geeigneter Konstruktionen und Materialien – unter Beachtung aktueller technischer Regelungen und Normen.

Der systemkonforme Aufbau spielt dabei ebenso eine entscheidende Rolle wie auch der Einsatz der für den jeweiligen Zweck optimalen Produkte – seien es Putze, Abdichtungsmaterialien auf Basis Zement bzw. Reaktionsharz oder Fliesenkleber. Dabei widmete er sich auch so wichtigen Details wie Beckenkopfkonstruktionen, Durchdringungen und Eckbereichen, für die Sopro mittlerweile eine Vielzahl an Speziallösungen und -produkten anbietet. Ergänzt wurden die Ausführungen von Björn Rosenau mit „Erfahrungsberichten aus verschiedenen Schwimmbädern“, wie sie Dipl.-Ing. Jan Grünewald von Grünewald – Planen.Bauen.Leben aus Scheden in seinem Vortrag anschaulich schilderte.

Aus der Sicht eines Ausführenden warb er dabei insbesondere dort wo es um die Zusammenarbeit von Bauherr, Planer, Hersteller und Handwerker geht um „Partner mit Verständnis füreinander“. Er appellierte an eine „kollegiale Zusammenarbeit“, um Streitigkeiten zu vermeiden, die letztendlich nur zu einer für den Kunden unerfreulichen Verschiebung der Bauzeit sorgen. Ziel von allen sollte es sein, „dass der Kunden am Ende Danke sagt“ – so der Referent. Über neue Ideen und besonders zukunftsfähige Lösungen zur „intelligenten Sanierung von Pools“ konnte der Staatl. Gepr. Bautechniker FS (BVT) Andreas Kramer von der Agrob Buchtal berichten. Im Fokus standen dabei die von dem Schwarzenfelder Unternehmen neu entwickelten Carbonbeton-Keramik Fertigteile, die in Form von Fertigteil-Beckenköpfen bereits erfolgreich bei Sanierungsarbeiten eingesetzt werden – und dies für die unterschiedlichsten Rinnentypen.

Die Vorteile der schlanken, vergleichsweise leichten und korrosionsfreien Carbonbeton-Konstruktion mit ihrer werkmäßigen, qualitätsüberwachten Vorfertigung reichen dabei von der Materialeinsparung bei der Herstellung über die kurzen Baustellenzeiten bis hin zur Energieeinsparung und Abfall-Reduzierung.

Keine Kompromisse bei der Großformatverlegung

Unabhängig von Größe und Nutzung stellt sich natürlich in allen Bädern die Frage: „Wie wird das Schwimmbadwasser warm?“. Beantwortet wurde sie von Dipl.-Ing. (FH) Enrico Kern von der Peraplas Deutschland aus Roth. Neben der Erläuterung von grundsätzlichen Zusammenhängen zum Heizbedarf von Schwimmbecken und den unterschiedlichen Heizmethoden, gab es von ihm insbesondere Informationen zu ganz aktuellen Entwicklungen bei den Heizmethoden – von Wärmetauschern und Solarabsorber bis hin zu den unterschiedlichsten Wärmepumpen und der Funktionsweisen sowie den damit verbundenen Einsparpotentialen.

Zurück zur Fliese, und zwar zu jener im XXL-Format ging es im Abschlussvortrag des Seminars, bei dem sich Dipl.-Ing. (FH) Christian Waldmann von der Sopro Planer-/Objektberatung mit „Großformatfliesen im Nassbereich und Schwimmbadbau“ beschäftigte. Neue Fliesenformate, die – so der Referent – „das Potential haben, die Stärke der Keramik in Bezug auf die Gestaltung gegenüber anderen Materialen einmal mehr besonders hervorzuheben“. Dabei verwies auch er auf den bereits oben erwähnten Einsatz von Großformatfliesen beim Bau der Hamburger Alsterschwimmhalle.

Allerdings gilt es, bei der Verlegung die speziellen Besonderheiten des Materials zu beachten. Christian Waldmann sprach dabei von den besonderen Parametern der Großformate und einem damit verbundenen hohen zeitlichen Verlegeaufwand mit erhöhten Anforderungen. Um Schäden zu vermeiden sind vor allem „hohes Fachwissen und geringe Kompromissbereitschaft gefragt“. Beispielsweise muss man wissen, dass der bei großformatigen Fliesen geringere Fugenanteil den Abbau von möglichen  Spannungen vermindert und das Trocknungsverhalten des Verlegemörtels beeinflusst, so dass man hier spezielle Fliesenkleber mit hoher kristalliner Wasserbindung und spannungsentkoppelnder Wirkung einsetzen sollte. Besonders wichtig ist bei großformatigen Platten natürlich auch die möglichst hohlraumarme Bettung mittels des kombinierten Verfahrens.

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