Deutscher Markt für „elastische Bodenbeläge“

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Der Absatz von Luxury Vinyl Tiles-Bodenbelägen – kurz LVT und unter der gebräuchlichen Bezeichnung „Designbeläge“ – vermarktet, ist in den letzten Jahren in Deutschland rasant gewachsen. Die Produkte gehören zur Gruppe der so genannten „elastischen Bodenbeläge“ wie beispielsweise Linoleum, Kautschuk oder Kork. Kamen die „elastische Bodenbeläge“ zunächst verstärkt im Nichtwohnbau zum Einsatz, eroberten sie sich sukzessive auch einen mittlerweile beachtlichen Bereich im privaten Wohnungsbau.

Für das Produkt spricht zum einen seine geringe Stärke, was es als Alternative für den Renovierungsbereich prädestiniert; aufgrund ihrer einfachen und schnellen Verlegung mittels des Klick-Systems sprechen diese Beläge auch den Do-it-yourselfer an. Nicht zuletzt überzeugen die Oberflächen-Imitationen von Fliesen, Holz, Beton oder auch Naturstein immer mehr Architekten und Endverbraucher. Daher scheint es konsequent, dass die LVT-Beläge aufgrund ihrer großen Nachfrage beim Verbraucher immer häufiger auch in den Sortimenten des Fliesen- und Baustoffhandels zu finden sind.

Werner Altmayer

Angesichts der vielen offenen Fragen, Bedenken aber auch Chancen beim Thema Luxury Vinyl Tiles führte der VDF vor kurzem unter den deutschen Fliesenhändlern und Baustoffhändlern eine Befragung zum Thema „Deutscher Markt elastische Bodenbeläge“ durch, deren Ergebnisse Werner Altmayer – der federführend für diese Umfrage verantwortlich zeichnet – der Redaktion 1200Grad exklusiv zur Verfügung stellte. Zwei besonders interessante Resultate vorweg: Nach ihrer Einschätzung zur Entwicklung des LVT-Marktes gehen 80 Prozent der befragten Fliesenhändler und Baustoffhändler davon aus, dass der Verkauf dieser Bodenbeläge noch weiter ansteigen wird.

Dies erklärt, in welcher „Gewissensfrage“ sich der Fliesen und Baustoffhandel aktuell befindet. Auf der einen Seite sind die Protagonisten traditionell und überwiegend seit vielen Jahrzehnten von „ihrem“ Produkt, der keramischen Fliese, überzeugt. Auf der anderen Seite hat seit einiger Zeit ein neues Material die Bühne des Marktes betreten, das Architekten und Endverbraucher gleichermaßen schätzen – und das zu allem Überfluss auch noch die Bezeichnung „Fliese“ in seinem Namen trägt.

Marktforschung und Produktanalyse gemeinsam mit italienischen Herstellern

„Bis vor zwei Jahren gab es überhaupt keine verlässlichen Zahlen zu dem Marktanteil der einzelnen Bodenbeläge“, erläutert Werner Altmayer den Hintergrund dieser Befragung. Gemeinsam mit dem Europäischen Fliesenverband EUF und dem italienischen Herstellerverband Confindustria Ceramica führte der VDF umfangreiche und detaillierte Marktuntersuchungen durch und kam unter anderem zu dem Ergebnis, dass sich der Marktanteil der elastischen Bodenbeläge in 2016 in Deutschland auf 70 Millionen Quadratmeter belief. Zum einen waren alle Beteiligten überrascht von der gewaltigen Menge der auf dem deutschen Markt verkauften LVT-Beläge. Gleichzeitig kamen sie zu der Erkenntnis, dass man viel zu lange eine Nabelschau betrieben habe. „Wir als Händlerverband, aber auch die Italiener als Marktführer bei keramischen Fliesen in Deutschland, haben viele Jahre den Blick zu sehr auf sich selbst gerichtet und weniger über den Tellerrand“, so Altmayer. Verbunden mit der Konsequenz, die Denkweise zu erweitern bzw. die Perspektive zu verschieben, laute nunmehr die künftige Kernfrage: „Wie sollen wir auf die Trends reagieren? Oder sollen wir uns auch weiterhin ausschließlich auf unsere Kernprodukte konzentrieren?“

Enge Zusammenarbeitet zwischen deutschem Fliesenfachhandel und italienischen Fliesenherstellern. Das Foto vom jüngsten Treffen zeigt den VDF-Geschäftsführer Wilm Kittelmann (l.) , VDF-Vorstandsvorsitzenden Michael Zink (3. v. l.) und Werner Altmayer (hinten rechts) zusammen mit dem Vorstand der Confindustria Ceramica.
Foto: VDF

Seit vielen Jahren sind der italienische Herstellerverband Confindustria Ceramica und der VDF in Sachen Marktbearbeitung eng miteinander verbunden, so beispielsweise auch bei der Penetrierung des Themas „Gesundes Wohnen mit keramischen Fliesen“. Vor allem auch unter dem Aspekt der Wohngesundheit widmen sich beide Gremien dem Thema der „elastischen Bodenbeläge“. Während die Italiener die Produkte in ihren Laboren zahlreichen Tests unterziehen werden, führte der VDF vor kurzem die oben genannte Befragung bei seinen Mitgliedsunternehmen durch.

Was die Bestseller bei den Luxury Vinyl Tiles angeht, kommen die unterschiedlichsten Formate – von 60×40 cm über 30×30 cm und 30×60 cm bis hin zu 20×120 cm und 15×120 cm – zum Einsatz. Bei den Farben dominierten warme, helle Holztöne in Hellbeige, Hellbraun und auch Hellgrau; bei den Oberflächen standen matte, gebürstete Holz-, speziell Eichenoptik an der Spitze, gefolgt von Betonoptiken. Der Anteil an verkauften Klick-Systemen beläuft sich auf 80 Prozent. Während 70 Prozent an Privatkunden verkauft wurden, fanden 30 Prozent ihren Einsatz im Objektbereich. Im Durchschnitt werden Bruttoendverbraucherpreise zwischen 25 und 60 € pro Quadratmeter realisiert, die durchschnittliche Brutto-Marge beläuft sich ca. 30 Prozent.

Bei den ausgewerteten Verkaufsargumenten „pro LVT“ dominierten Aussagen zur geringen Aufbauhöhe, eine warme Anmutung im Vergleich zur keramischen Fliese, die fugenlose Verlegung sowie die geringen Material- und Verlegekosten; genannt wurden außerdem Produkteigenschaften wie ein geringer Trittschall sowie Pflegeleichtigkeit. Viele Händler sehen im LVT eine Alternative zum Parkett, außerdem sei es erheblich widerstandsfähiger als Laminat.

Kunden interessieren sich vor allem für Wohngesundheit

Die meisten Fragen seitens der Kunden zielten in Richtung Wohngesundheit (Schadstoffe, Ausdünstung, Weichmacher), es wurden ebenfalls häufig Fragen zur Haltbarkeit und Pflege (Abrieb- und Kratzfestigkeit sowie Lebensdauer) gestellt. Auch wurde die Kombination mit Fußbodenheizungen in den Beratungsgesprächen immer wieder thematisiert. Als Vorteile der LVT-Bodenbeläge sehen die Händler selbst vor allem deren zügige und preiswerte Verarbeitung, ihren leichten Rückbau, ohne Anfall von Schmutz, außerdem die geringe Aufbauhöhe, ihre Fußwärme sowie das weiche und angenehme Gehen. Als Nachteile wurden die Ausdünstungen genannt sowie der Weichmacher-Anteil, außerdem sei das Material weniger strapazierfähig als keramische Fliesen. Ein deutliches Argument „contra LVT“ ist nach Meinung der befragten Händler die geringere Wärmeleitfähigkeit im Vergleich zur Keramik. Während keramische Fliesen überwiegend als natürlicher Werkstoff wahrgenommen werden, werde LVT mit einem „chemischen Bodenbelag“ assoziiert. Auch sprechen die hohen Entsorgungskosten, eine geringe Nachhaltigkeit sowie eine Verformung bei Wärme- und Sonneneinwirkung gegen die elastischen Beläge. Und last but not least stellen viele Händler eine befriedigende „Performance“ des Materials in nassbelasteten Räumen in Frage.

Offensichtlich herrscht bei den „elastische Bodenbelägen“ noch ein hoher Informationsbedarf. So wünschen sich 80 Prozent der befragten Fliesen- und Baustoffhändler ausführlichere Informationen zu den Produktnormen, zur Verarbeitung des Materials sowie zu den Aspekten der Nachhaltigkeit. Weitere Wissenslücken gibt es bei den Themen Entsorgung und Wohngesundheit. Gleichzeitig drängen die Händler darauf, die Vorteile der keramischen Fliesen verstärkt zu vermitteln und zu bewerben, und dies vor allem beim Fachhandel und den Verarbeitern.

Immer wieder wurde darauf hingewiesen, das Marketing für die Fliese mit Argumenten zu unterstützen, beispielsweise den Nutzen von Fliesen hinsichtlich Energieeinsparung noch stärker zu kommunizieren und die Energiefachberater für die Fliese zu sensibilisieren. Im Vordergrund stand hier die Forderung darauf hinzuweisen, dass Vinyl nicht für Fußbodenheizungen geeignet sei. Angesichts der steigenden Nachfrage nach elastischen Bodenbelägen solle die Lagerhaltung für dieses Material inklusive der benötigten bauchemischen Produkte beim Großhandel erhöht werden. Einige der Befragten schlugen vor, die Verarbeitung der „elastischen Bodenbeläge“ in die Ausbildung der Fliesenleger aufzunehmen.

Was kann, was muss ein Verband leisten?

Anhand dieser aktuellen Diskussion um ein neues Produkt werde, so Werner Altmayer, auch eines deutlich: „Wir als Verband müssen uns verändern. Wir müssen eine breite Plattform schaffen und den relevanten Handel, Hersteller und Verleger zusammenbringen, um uns auf einer einheitlichen Plattform auszutauschen. Denn einen Verband braucht man für das, was man nicht alleine bewegen kann.“ Angesichts der zahlreichen Herausforderungen der Zukunft habe man unter dem Arbeitstitel „VDF 2020“ ein Konzept für die zukünftige Entwicklung des VDF entwickelt. Auf der Agenda der nächsten Mitgliederversammlung im kommenden März werden die aktuellen Branchenthemen diskutiert – und natürlich aus die Auswertung der Befragung zu den „elastischen Bodenbelägen“. Die Diskussion gerade auch um dieses Thema leitet einen Denkprozess ein. Altmayer: „Als konsequenter Verfechter für gesundes Wohnen bin ich stets auf der Spur der Fliese. Aber die aktuelle Diskussion zeigt: das Leben geht weiter, der Markt entwickelt sich und wir können nicht stehen bleiben. Wir müssen uns als Verband mit den unterschiedlichsten Herausforderungen auseinandersetzen. Nur so werden wir den VDF fit für die Zukunft machen.“ Und die aktuelle Diskussion um die „elastischen Bodenbeläge“ sei ein klarer Beleg dafür, wie lebensfähig Verbände sind.

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1 Kommentar
  1. Werner Stahlberg sagt

    Es bleibt aber immer `Kunststoff `
    wer entsorgt, trägt die Kosten
    und Weichmacher ist immer enthalten also gehört es eigentlich weltweit VERBOTEN
    aber engehende Gewinne ??

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